Perfektion als Ziel

Der perfekte Mann? Mert (25) ist „Looksmaxxer“

Österreich
01.11.2026 15:00

Auf Instagram macht sich ein neuer Trend breit. Beim „Looksmaxxing“ vergleichen Männer ihre Kieferproportion, ihre Körpergröße und ihren Kleidungsstil. Das Ziel: Perfektion. Wir trafen einen österreichischen Vertreter der Szene und fragten ihn, wie weit er für sein gutes Aussehen gehen würde.

Ein guter Körper reicht ihm nicht. Jede Haarsträhne muss sitzen, die Kieferlinie im perfekten Winkel sein, die Kleidung knitterfrei sitzen. Selbst bei den kleinsten Details zählt für ihn am Ende vor allem eines: die Ästhetik.

Mert ist 25 und gelernter Chemiker. Sein vielleicht aufwändigstes Experiment ist jedoch er selbst. Er ist ein sogenannter „Looksmaxxer“ – also ein Maximierer des Aussehens. Die Idee: Aus dem, was einem die Gene mitgegeben haben, optisch das meiste herauszuholen. Das Ziel ist dabei die Perfektion. „Ich möchte die beste Version meiner selbst sein“, sagt er.

Das perfekte Styling gehört für Mert auch dazu.
Das perfekte Styling gehört für Mert auch dazu.(Bild: Eva Manhart)

Neuer Männer-Trend auf Instagram
Was bei Mert nach persönlichem Ehrgeiz klingt, ist in den sozialen Medien längst ein Trend. Vor allem auf TikTok und Instagram vergleichen junge Männer ihre Kieferbeschaffenheit, diskutieren Gesichtsproportionen, trainieren für die vermeintlich ideale Silhouette und präsentieren ihre Verwandlung in Vorher-Nachher-Videos. Die Tipps reichen von Fitness, Ernährung, Hautpflege und Frisur – dem sogenannten „Softmaxxing“ – bis zu Fillern und Schönheitsoperationen, dem „Hardmaxxing“. Dahinter steckt ein verführerisches Versprechen: Attraktivität ist nicht einfach Glückssache. Wer nur hart genug an sich arbeitet, kann schöner werden.

„Habe seitdem ich 13 bin keine Chips mehr gegessen“
Mert nimmt dafür einiges in Kauf, was für einen jungen Mann eher ungewöhnlich ist. Er verzichtet auf Parties, auf Alkohol und auf übermäßigen Salz- und Zuckerkonsum. „Ich weiß gar nicht mehr, wie Chips schmecken, ich habe sie seit dem ich 13 bin, nicht mehr gegessen.“ Stattdessen isst er lieber Porridge, Fisch, Obst und Gemüse. Für sein frisches Aussehen schläft er sieben bis neun Stunden pro Tag. Ob er bei einem solchen Lebensstil überhaupt Spaß empfindet? „Mir machen Erfolg und Perfektion Spaß. Ich brauche keine lange Party.“

Mert (25) ist nicht nur gutes Aussehen wichtig. Er strebt als „Looksmaxxer“ nach Perfektion.
Mert (25) ist nicht nur gutes Aussehen wichtig. Er strebt als „Looksmaxxer“ nach Perfektion.(Bild: Eva Manhart)

Auch Gefahren lauern
Doch aus harmloser Selbstoptimierung kann ein gefährlicher Kreislauf werden. Denn wer sein Gesicht und seinen Körper ständig analysiert, findet womöglich immer neue vermeintliche Makel. Experten warnen insbesondere bei Jugendlichen und jungen Männern vor Essstörungen und Dysmorphophobie. Der eigene Wert wird dabei immer stärker an das Äußere geknüpft. Aus „Ich möchte besser aussehen“ kann so irgendwann die Überzeugung werden: Ich bin nicht gut genug, solange ich nicht besser aussehe.

Ab dem Alter von 15 Jahren begann Mert, sich für „Looksmaxxing“ zu faszinieren. „Ich hatte damals keine Bauchmuskeln und war auch nicht gepflegt“, erinnert er sich. Da fasste er den Entschluss, „das Beste“ aus sich herauszuholen. Mit Erfolg: heute zählt Mert zu Österreichs Größen in der Szene. Er verdient sein Geld als Influencer, seine Bilder und Videos auf seinem Instagram-Kanal zahlen den aufwändigen Lebensstil. „Ich gebe im Monat schon ein paar Tausend Euro für Beautyprodukte und Styling aus“.

Beim „Bonesmashing“ schlagen sich Männer ins Gesicht
Der Trend hat auch seine Schattenseiten. Viele der jungen Männer machen nämlich nicht beim Trainieren oder Cremen hat. Beim „Bonesmashing“ schlagen sie sich mit harten Gegenständen ins Gesicht – in der Hoffnung, durch Verletzungen und anschließende Knochenheilung markantere Wangenknochen oder einen stärkeren Kiefer zu bekommen. Die Google-Suchen nach „Bonesmashing“ sind gegenüber dem Vorjahr um 5000 Prozent gestiegen – rund 98 Prozent der interessierten User waren Männer. Auch operative Beinverlängerungen oder „Hunter Eyes“, ein riskanter Eingriff, um schmalere Augen zu erlangen, sind in der „Looksmaxxer“-Szene ein Thema.

„Ich würde meine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen, um ein gewisses Ideal zu erreichen. Gesundheit und ein perfekter Körper gehören für mich zusammen“, versichert Mert. Schönheitschirurgische Eingriffe lehne er jedoch nicht gänzlich ab. „Wenn mich einmal etwas stören sollte, würde ich mich beraten lassen. Derzeit sehe ich aber keine Notwendigkeit.“

Mert folgt einer klaren Beautyroutine.
Mert folgt einer klaren Beautyroutine.(Bild: Eva Manhart)

Als studierter Chemiker fasziniert sich Mert auch für die wissenschaftlichen Hintergründe von „Looksmaxxing“, derzeit arbeitet er an seinem Master. „Unter den anderen Studenten falle ich auf jeden Fall auf. Am meisten werde ich nach meiner Skincare-Routine gefragt“, lacht er. Sein Morgen beginnt mit einem Gesichts-Eisbad, dem Aufsprayen eines selbstgemachten Rosenwassers, einem Toner, einem Serum, das mit einem Gua-Sha-Stein eingearbeitet wird, einer Creme und, nach 10 Minuten Einwirkzeit, einem Sonnenschutzmittel. Den ein oder anderen Mitstudenten konnte er schon vom Cremen überzeugen.

Was seine Mutter zu seinem Lebensstil sagt
„Negatives habe ich noch nicht erlebt. Mancher sagt, das sei ihm selbst zu extrem. Aber für mich ist das zu einem Teil der Gewohnheit geworden“, sagt Mert. Seine Mutter – ebenso junggeblieben wie Mert – serviert zumindest uns Schokolade. „Ich bin auf meinen Sohn extrem stolz“, sagt sie, während sie ihn herzlich umarmt. In Merts spitzbübischen Lächeln blitzt kurz so etwas wie Genügsamkeit durch.

Die ganze Dokumentation sehen Sie in der neuen krone.tv-Sendung „Normal reden mit Katia Wagner“ um 22.15 Uhr! Schalten Sie ein!

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