Gerhard Berger poltert

„So verkommt die Formel 1 zu einem Kasperltheater“

Formel 1
09.10.2026 05:30

Ex-Grand-Prix-Sieger Gerhard Berger wünscht sich wieder echte Regenrennen in der Königsklasse. Im Gespräch mit der „Krone“ erklärt er Red Bulls neues Momentum und warum Ferrari keinen Einstein braucht. 

„Krone“: Gerhard, der Software-Bug in Sepang hat der Formel 1 einen großen Imageschaden beschert. Wie fällt dein Urteil aus?
Gerhard Berger: Vorab muss ich zugeben, dass ich nicht die Zeit hatte, mich wirklich intensiv damit zu beschäftigen, aber primär muss einmal geklärt sein, wie viel Schuld bei den Teams liegt und wie viel bei der FIA. Ich habe zum Beispiel von Alonso gehört, dass er überhaupt kein Problem hatte. Die Frage also: War der Abbruch überhaupt gerechtfertigt?

Der Abbruch von Sepang – für Berger einer Farce.
Der Abbruch von Sepang – für Berger einer Farce.(Bild: AP/AP Photo/Aijaz Rahi)

Weil?
Na weil ich absolut nicht nachvollziehen kann, dass ein Team – wie’s zum Beispiel Red Bull passiert ist punkto Verbrenner – eine bessere Arbeit macht und dafür bestraft wird. Das finde ich wahnsinnig schade. Und das könnte auch hier der Fall gewesen sein. Dass technisch etwas schiefgeht, kommt vor, aber wenn in Sepang ein paar Teams richtig gelegen sind, dann musst du halt wie 2005 in Indianapolis mit weniger Autos starten. Auch wenn ich weiß, dass man natürlich den Fans gegenüber verpflichtet ist.

Red Bull hat in Sepang das „neue Momentum“ gefunden.
Red Bull hat in Sepang das „neue Momentum“ gefunden.(Bild: GEPA)

Und dann war da noch die Frage wegen des Regens?
Genau, da muss man klar sagen, dass Regenrennen in den letzten zwei Jahren in eine Ecke gedrückt wurden, die nicht der Formel 1 gerecht wird. Entweder startet man hinter dem Safety-Car, oder man wartet so lange zu, bis es auftrocknet und man auf Slicks rausfahren kann. Das steuert in die Richtung, die in den USA gilt: Bei Regen wird nicht gefahren. Und das ist aus meiner Sicht ein Riesenverlust für die Formel 1, Regenrennen sind super spannend, waren immer ein Markenzeichen der Königsklasse. Sie waren vielleicht auch gefährlicher, aber gleichzeitig eine echte Challenge für die Fahrer, die unter schwierigsten Bedingungen ihr Können zeigen konnten. Und dazu kam auch noch, dass die Rennen unberechenbarer wurden, auch Außenseitern eine Chance gegeben haben. Aber so wie man das heute handhabt, gleicht das mehr und mehr einem Kasperltheater.

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Bei Regen wird nicht gefahren. Das ist ein Riesenverlust für die Formel 1, Regenrennen sind super spannend, waren immer ein Markenzeichen der Königsklasse.

Gerhard Berger

Red Bull und Max Verstappen haben das Wochenende in Malaysia eindrucksvoll dominiert. Hättest du dir das vor wenigen Wochen noch vorstellen können?
Ich find’s vorerst mal super erfrischend, wenn’s mit Red Bull, Mercedes, McLaren oder Ferrari verschiedene Sieger gibt. Bei einem Team wie Red Bull und einem Fahrer wie Max Verstappen ist die Erwartungshaltung permanent immens hoch. Da vergisst man schnell, dass man im ersten Jahr mit dem eigenen Motor unterwegs ist – und genau das ist das eigentlich Sensationelle.

Erleben wir heuer noch weitere Siege der „Bullen“?
Ich glaube, dass war der Startschuss für ein neues Momentum. Max hat den neuen Vertrag unterschrieben, dieser Sieg bringt positive Dynamik. Und sie haben mit Hadjar einen zweiten Fahrer, der Druck macht. Aber: Mercedes ist weiter die Nummer eins, vor allem auf Strecken mit hoher Elektro-Intensität.

Mercedes-Rookie Kimi Antonelli ist voll auf WM-Titelkurs.
Mercedes-Rookie Kimi Antonelli ist voll auf WM-Titelkurs.(Bild: AFP/LILLIAN SUWANRUMPHA)

Apropos Mercedes. Teamchef Toto Wolff fand zuletzt immer etwas, worüber er jammern konnte . . .
(lacht) Ja, aber das ist Jammern auf ganz hohem Niveau. Man wird die Upgrades genau analysieren, weiter hart arbeiten. Und: Mercedes gewinnt Rennen, man ist mit Kimi Antonelli voll auf WM-Kurs, da ist die Kugel schon aus dem Rohr. Obwohl in der Formel 1 immer alles passieren kann.

Lewis Hamilton im Ferrari.
Lewis Hamilton im Ferrari.(Bild: EPA/FAZRY ISMAIL)

Bleibt noch eine Frage zu „deinem“ Ferrari-Team. Lewis Hamilton war in Sepang nach dem Reifenfiasko am Start furios unterwegs . . 
Wir reden die letzten Jahre immer wieder über fragwürdige Entscheidungen bei Ferrari. In Sepang war logisches Denken punkto Reifenwahl gefragt, da brauche ich keinen Einstein.

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