„Haben Chaos gesät“

Bande überfällt Stadt in Haiti, richtet Blutbad an

Ausland
25.08.2026 08:57

Nach einem nächtlichen Überfall herrscht Entsetzen in Haiti: Bewaffnete Bandenmitglieder haben die Gemeinde Kenscoff, einen Vorort der Hauptstadt Port-au-Prince, gestürmt und Dutzende Menschen getötet. In die Trauer mischt sich Wut über die schwache Polizei.

Schreie erfüllten Montagfrüh die Stadt Kenscoff im Süden Haitis, als Bewohner auf den Straßen ihre getöteten Freunde und Familienmitglieder vorfanden. In der Nacht hatten Kriminelle das Zentrum der Gemeinde attackiert, Häuser in Brand gesetzt und eine Kirche gestürmt, in der sich Vertriebene aufhielten, berichtet der Sender Radio Télé Galaxie.

Mächtiges Bandenbündnis
Wie viele Menschen die Bande umbrachte, ist noch nicht klar. Lokale Medien sprachen von 20 bis 47 Toten, Bürgermeister Jean Massillon von mindestens 42 Getöteten. Eine endgültige Zahl könne er aufgrund von Zugangsproblemen und Kommunikationsschwierigkeiten noch nicht nennen, sagte er der Nachrichtenagentur AP. Massillon machte für den Angriff Mitglieder von Viv Ansanm verantwortlich, einem mächtigen Bandenbündnis, dass seit Jahren die Menschen in Haiti terrorisiert. „Sie haben Chaos gesät“, so der Bürgermeister.

Die Bande brachte Tod und Zerstörung.
Die Bande brachte Tod und Zerstörung.(Bild: AFP/CLARENS SIFFROY)

Motiv unklar
Ob es den Kriminellen um Bereicherung ging oder um die Ausdehnung ihres Einflussbereichs, war zunächst unklar. Der Polizei sei es schließlich gelungen, die Angreifer zurückdrängen und die Kontrolle über das Gebiet wiederzuerlangen. Die haitianische Übergangsregierung bestätigte den Angriff, nannte aber keine Opferzahl. Sie sprach von einem „abscheulichen kriminellen Übergriff“ und versetzte die Sicherheitskräfte in höchste Alarmbereitschaft. Zudem seien Verstärkungen entsandt worden.

Zu spät für den Landwirt Enold Saint Verti, der seinen Schwager bei dem Angriff verlor. „Wir haben keine gute Polizei“, kritisierte er gegenüber AP, „Hätten wir nur eine gute Polizei, hätten sie hier einen bewaffneten Einsatzwagen postiert, und das, was hier passiert ist, hätte verhindert werden können“. 

Wahlen im Dezember?
Kenscoff liegt in rund 2000 Metern Höhe und gilt aufgrund des kühleren Klimas als vergleichsweise beliebte Wohngegend in dem von Armut und Gewalt geprägten Karibikstaat. In dem Land mit knapp zwölf Millionen Einwohnern soll heuer am 13. Dezember erstmals seit 2016 wieder gewählt  werden. Experten warnen aber, dass es zu gefährlich für Wahlen ist. 

Seit der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Juli 2021 hat Haiti kein Staatsoberhaupt mehr, die schon zuvor prekäre Sicherheitslage ist völlig aus dem Ruder gelaufen. Gewalttätige Banden kontrollieren mehr als 80 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince. Sie terrorisieren immer mehr Gemeinden, vergewaltigen Frauen und rekrutieren Kinder.

Bereits Tausende getötet
Laut Daten der Vereinten Nationen haben bewaffnete Banden alleine in den ersten fünf Monaten dieses Jahres 2300 Menschen in Haiti getötet. Mehr als 1100 weitere seien verletzt und fast 100 entführt worden.

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