Vom gefeierten TV-Star zum leidenschaftlichen Pilger: Alexander Rüdiger tauschte Scheinwerfer und Fernsehstudio gegen die Stille des Wienerwalds. Auf der Via Sacra, Österreichs ältestem Wallfahrtsweg, spricht der ehemalige Moderator mit der „Bergkrone“ über Lebenskrisen, den Jakobsweg, seine Parkinson-Diagnose und warum ein einfacher Satz – „Wenn nichts mehr geht, dann geh!“ – sein Leben für immer verändert hat. Gemeinsam besuchen wir auch das von ihm errichtete Dankeskreuz am Parapluieberg, das heute für viele Wanderer und Pilger zu einem besonderen Kraftplatz geworden ist.
13 Jahre lang lockte Alexander als „Moneymaker“ Millionen Zuseher vor den Fernseher, heute sind wir in der Stille des Wienerwaldes unterwegs. Dort, wo sich die historischen Wege der Via Sacra und des Wiener Wallfahrerwegs durch uralte Föhrenwälder schlängeln, zeigt der 56-Jährige der „Bergkrone“ einen Ort, der für ihn zu einem Symbol des Lebens geworden ist: das von ihm errichtete Dankeskreuz am Parapluieberg.
„Wenn nichts mehr geht, dann geh!“, sagt Alexander. Ein Satz, der sein Leben völlig verändert hat.
2005 stand der Wiener am Tiefpunkt seines Lebens. Seine Mutter war schwerst krank, den neugeborenen Sohn durfte er damals nicht sehen. Gleichzeitig moderierte er im TV, leitete eine Eventagentur und war als Werbegesicht omnipräsent.
Nach außen schien alles perfekt – innerlich zerbrach er. „Es war alles zu viel.“
Ausgerechnet ein Buch des brasilianischen Bestseller-Autors Paulo Coelho brachte Alexander auf eine Idee: den Jakobsweg!
Was als Flucht begann, wurde zu einer Lebensphilosophie. Heute hat der 56-Jährige alle großen Zubringer nach Santiago de Compostela erwandert. 13 Mal war er auf Pilgerwegen unterwegs – darunter auch auf der Via Sacra und dem Wiener Wallfahrerweg.
„Jeder Pilgerweg beantwortet Fragen. Manche hast du dir vorher gestellt – andere erst unterwegs entdeckt.“
Für Alexander gibt es einen feinen Unterschied zwischen Wallfahren und Pilgern. „Beim Wallfahren steht oft das Ziel im Mittelpunkt. Beim Pilgern wird der Weg selbst zum Ziel.“
Diese Erkenntnis kam allerdings erst mit den Jahren. „Am Anfang wollte ich immer schneller sein. Mehr Kilometer, schneller ans Ziel. Heute interessieren mich Begegnungen, die Natur, das Innehalten.“
Ein Kreuz als Zeichen der Dankbarkeit
Vom Alexanders Wohnadresse in der Waldmühle bei Rodaun führt uns ein kurzer Anstieg hinauf auf den 562 Meter hohen Parapluieberg.
Dort steht seit 2024 ein von Alexander initiiertes Gipfelkreuz. Ein Dankeskreuz. „Wir alle tragen jeden Tag so viele Sorgen und Lasten mit uns herum. Dieses Kreuz soll helfen, den Blick zu verändern. Weg von allem, was schlecht läuft – hin zu den Dingen, für die wir dankbar sein dürfen“, so der 56-Jährige, der auch bereits mehrere Bücher geschrieben und veröffentlicht hat.
Und der einst schmale Trampelpfad zum Dankeskreuz hat sich längst zu einem viel begangenen Weg entwickelt.
Zwischen TV-Star und Extremsportler
Dass aus dem TV-Star einmal ein Pilger werden würde, hätte wohl niemand erwartet. Schließlich gehören zu seinem Lebenslauf einige der härtesten Laufbewerbe der Welt: zweimal Nordpol-Marathon, zweimal Vulkan-Marathon in der Atacama-Wüste, Great Wall Marathon, Ägypten-Marathon, Ice Marathon in der Antarktis sowie der Everest Tenzing-Hillary-Marathon.
„Wenn man mich heute fragt, wer ich wirklich bin, dann antworte ich: nicht Moderator oder Extremsportler. Ich bin Pilger.“
Besonders emotional wird Alexander, während wir unterwegs sind, als er über seine Eltern spricht. Sein Vater starb bei einem Autounfall, als er zwölf Jahre alt war. Seine Mutter erkrankte und starb mit 65. Nach dem auch bei Alexander Parkison diagnostiziert wurde, begann er zu recherchieren.
Als Auslöser vermutet er einen Zusammenhang mit hochgiftigen Holzschutzmitteln, die früher im Elternhaus verwendet wurden. Heute setzt er sich dafür ein, auf mögliche gesundheitliche Folgen dieser Altlasten aufmerksam zu machen.
Der Wienerwald als Pilgerparadies
Die Via Sacra gilt als ältester Wallfahrtsweg Österreichs. Gemeinsam mit dem Wiener Wallfahrerweg führt sie von der Großstadt hinaus in den Wienerwald – vorbei an traditionsreichen Klöstern wie Heiligenkreuz, Lilienfeld und Klein-Mariazell. Wer hier unterwegs ist, erlebt überraschend viel Natur nur wenige Kilometer von Wien entfernt.
Alexanders Tipp für Pilger-Einsteiger: „Wer vom Jakobsweg träumt, kann hier drei bis fünf Tage ins Pilgern hineinschnuppern.“
Was den Parapluieberg österreichweit zu etwas Besonderem macht ist, dass auf dem Gipfel innerhalb weniger Gehminuten gleich mehrere traditionsreiche Schutzhütten – darunter die Teufelsteinhütte und die Kammersteiner-Hütte vom Alpenverein, das Höllensteinhaus der Naturfreunde, die Salzstangerlwirt-Hütte und das Franz-Ferdinand-Schutzhaus. zu finden sind.
Und beim spektakulären Ausblick von der Terrasse auf Wien verrät, Alexander der „Bergkrone“ einen seiner Träume: eine große österreichische Outdoor- und Wandersendung, ein Format, das zeigt, wie schön Österreich ist.
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