Tirols Landwirtschaft

Klima, Preisdruck, Teuerung: Bauern am Limit

Tirol
09.08.2026 12:00

Hitze, Dürre, sinkende Erträge: Tirols Bauern sehen sich mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Dennoch ist die Zahl der Betriebe mit rund 11.000 in etwa konstant geblieben. Die „Krone“ zeigt, warum. 

Wie ist es um Tirols Landwirtschaft bestellt? Wie viel Einkünfte können Bauern erzielen in Zeiten von Globalisierung und Klimawandel? Wie viele mussten für immer aufgeben? Jährlich erhält der Tiroler Landtag Überblick in Form eines Berichtes. Dieser beantwortet fast alle Fragen rund um Landwirtschaft und Bauernstand, der in Tirol seit jeher großen politischen Einfluss hat.

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Das Jahr 2025 war geprägt von internationalen Krisen, anhaltender Teuerung und zunehmendem Wettbewerbsdruck.

LHStv. Josef Geisler

Ein prägendes Merkmal der Tiroler Landwirtschaft ist die Kleinstrukturiertheit. Viele Betriebe werden im Nebenerwerb geführt und wirtschaften unter erschwerten Bedingungen in Berggebieten. „Diese Strukturen stellen zwar Herausforderungen im Hinblick auf Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit dar, sind jedoch zugleich Grundlage für die hohe ökologische Qualität, die Pflege der Kulturlandschaft und die Attraktivität des ländlichen Raums“, heißt es gleich zu Beginn des 48-seitigen Berichtes. Insbesondere die Einkommenslage sowie die Rolle öffentlicher Gelder seien entscheidend für die Stabilität und Zukunftsfähigkeit des Sektors.

Tirol hat 10.658 bäuerliche Betriebe.
Tirol hat 10.658 bäuerliche Betriebe.(Bild: Christof Birbaumer)

Tirol hat 10.658 bäuerliche Betriebe, Tendenz sinkend
Laut den Erhebungen ist die Zahl der Haupterwerbsbetriebe von 4625 im Jahr 2010 auf 4394 gesunken, nachdem 2020 ein Zwischenhoch mit 4749 Betrieben markiert wurde. Im Nebenerwerb sank die Zahl im selben Zeitraum von 9448 auf 6061. Bergbauernbetriebe gab es 2024 10.304, ein Jahr später waren es geringfügig weniger, nämlich 10.279. Leicht gesunken ist auch die Zahl der Biobetriebe – und zwar von 2142 auf 2128.

(Bild: Krone KREATIV/stock.adobe.com)

Insgesamt weist die Statistik 10.658 bäuerliche Betriebe inklusive Gemeinschaftsalmen aus. Betriebe mit Milchanlieferung gibt es noch 3907, um 75 weniger als ein Jahr zuvor. Den weitaus größten Anteil nehmen die Futterbaubetriebe ein (8808). Ihre Zahl ist seit 2023 nur leicht gesunken (-35), ebenso wie die zweitgrößte Gruppe Forst (1351, -25 im Vergleich zu 2023).

Daten und Fakten

  • 95 Millionen Euro an Investitionen wurden durch EU-kofinanzierte Förderungen ausgelöst. Ein Großteil floss in bauliche Maßnahmen, insbesondere in tierfreundliche Stallbauten. 
  • „Die Kombination aus mehreren Einkommensquellen, die Nutzung von Förderinstrumenten sowie die Anpassung an regionale Gegebenheiten tragen dazu bei, dass viele Betriebe langfristig bestehen können“, lautet ein Resümee des Berichts.

Bauern stehen weniger Flächen zur Verfügung
Die landwirtschaftlich genutzte Fläche hat sich in Tirol in den letzten Jahren weiter verringert: Von 228.581 Hektar (2023) auf 227.653 (2024) und 226.735 im aktuellen Berichtsjahr 2025. Die Fläche ging hauptsächlich auf Almen verloren. Dauergrünland inklusive Alm- und Bergmähder steht ebenfalls weniger zur Verfügung (221.000 ha 2023, 219.000 ha 2025). Detail am Rande: Die Zahl der Weingärten hat sich von 13 auf 23 fast verdoppelt.

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Diese Entwicklungen haben sich auch auf Tirols Landwirtschaft ausgewirkt.

LHStv. Josef Geisler

Eine interessante Entwicklung zeigt sich auch bei den Betrieben nach Größenklassen: Große mit 100 Hektar und mehr landwirtschaftlicher Fläche sind selten geworden, ihre Zahl sank von 404 im Jahr 2022 auf 113 im Jahr 2024. Österreichweit betrachtet war der Rückgang bei weitem nicht so stark (2863 auf 2447). Zahlenmäßig große Zuwächse gibt es in den Größenklassen darunter. Große scheinen sich also auf viele kleinere verteilt zu haben. Die kleinen am anderen Ende der Skala verschwinden jedoch. Gab es 2022 noch 3794 Betriebe unter 5 Hektar, waren es 2024 nur noch 1768. Ähnlich die Klasse 5 bis 10 Hektar: Hier sank die Zahl von 3275 auf 2273.

Landwirtschaft genießt einen hohen Stellenwert in Tirol: Im Bild LH Anton Mattle (li.) und ...
Landwirtschaft genießt einen hohen Stellenwert in Tirol: Im Bild LH Anton Mattle (li.) und LHStv. Agrar-LR Josef Geisler.(Bild: Christof Birbaumer)

Mit Rinderhaltung liefen die Geschäfte prächtig
Bei der Nutztierhaltung zeigen sich relativ konstant gebliebene Viehbestände: In Tirol werden 181.000 Rinder, 77.000 Kühe, 11.200 Schweine, 87.000 Schafe und 23.000 Ziegen gehalten. „Während im Bereich der Rindfleischproduktion und Rinderzucht im Jahr 2025 gute Erlöse erzielt werden konnten, hat sich der Milchpreis – ausgehend von einem hohen Niveau – im Laufe des Jahres kontinuierlich abgeschwächt“, fasst Agrarreferent LHStv. Josef Geisler die Lage zusammen.

„Im Obst- und Gemüsebau konnten gute Ernten eingefahren werden. Gleichzeitig verschärft die fortschreitende Internationalisierung der Lebensmittelmärkte den Wettbewerbsdruck auf regionale Betriebe erheblich.“

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