Leben am Limit

Mit 84 plant Linzi sein nächstes Extrem-Abenteuer!

Bergkrone
21.05.2026 08:00

Everest, Nordpol, Death Valley — wo andere längst aufgeben, begann für Helmut Linzbichler oft erst das Abenteuer. Mit 84 Jahren denkt der Steirer noch immer nicht ans Aufhören. Stattdessen stellt er sich jetzt die wohl härteste Frage seines Lebens.

„Das, was ich gemacht habe, war nicht Durchschnitt.“ Dabei war Helmut Linzbichler beruflich Lehrer im steirischen Kapfenberg. Einer von vielen, könnte man meinen. Doch genau das war er nie. Nicht im Klassenzimmer, nicht am Berg, nicht beim Laufen.

„Ich habe von mir und meinen Schülern immer Leistung verlangt“, sagt Helmut. „Vielleicht war ich manchmal zu hart, aber wer etwas schaffen will, muss bereit sein, mehr zu tun als das Notwendige.“ Denn für den außergewöhnlichen Extremsportler ist klar. „Wenn du eine Leistung erbringst, kannst du zu dir selbst sagen: Jetzt habe ich etwas geschafft!“

Der steirische Extremsportler mit seinem Buch „Abenteuer Unlimited“
Der steirische Extremsportler mit seinem Buch „Abenteuer Unlimited“(Bild: Hannes Wallner)

Es ist ein Zugang, der heute fast altmodisch wirkt. In einer Zeit, in der vieles bequem geworden ist. Genau mit dieser Entwicklung tut sich der heute 84-Jährige schwer: „Wenn Leistung nichts mehr zählt, dann ist das problematisch. Leistung ist nicht nur individuell wichtig – sie trägt auch die Gesellschaft. Der Mensch ist dafür gemacht, etwas zu leisten. Nicht für andere – sondern für sich selbst.“

Deshalb lautet sein Motto heute noch: „Streng dich einmal am Tag an. Nicht überfordern, aber spüren, dass man etwas getan hat.“

Ein ganzes Leben völlig am Limit
Was im Kopf beginnt, führte den Steirer an die Grenzen des Machbaren und dass, obwohl er erst mit 44 Jahren zum Laufen begann. 320 Marathons und Ultramarathons – dazu Läufe auf allen Kontinenten.

Im Death Valley (USA) kämpfte er sich durch 217 Kilometer bei bis zu 50 Grad. Um den Nordpol lief er Marathon bei minus 36 Grad – als einer von nur elf Menschen weltweit. In der Antarktis stellte er sich dem Eismarathon und absolvierte beim Transamerika-Lauf quer durch die USA mehr als 4200 Kilometer.

2008 erreichte Helmut mit der „Krone“ den höchsten Punkt der Welt.
2008 erreichte Helmut mit der „Krone“ den höchsten Punkt der Welt.(Bild: Hannes Wallner)

Helmuts vielleicht größer Moment: Im Jahr 2008 steht er mit 67 Jahren am Gipfel des Mount Everest – damals als ältester Europäer und mit der „Kronen Zeitung“ in der Hand. Doch was danach folgte, ist typisch „Linzi“. 36 Stunden nachdem er ins Basislager zurückgekehrt war, startete er beim Tenzing-Hillary-Marathon in Nepal.

 Doch damit nicht genug: Helmut meisterte auch die Seven Summits, die höchsten Berge aller Kontinente – vom stürmischen Denali bis zum eisigen Mount Vinson in der Antarktis.

 Ein Abenteuer beginnt für den Extremsportler dort, wo man etwas Neues wagt. Risiko dort, wo im Kopf aufblinkt: Das könnte schiefgehen. Diese Grenze hat Helmut oft überschritten: „Ich kann mir manchmal gar nicht vorstellen, dass ich das alles nicht nur erlebt, sondern überlebt habe.“

Geprägt haben den Steirer jedoch nicht die Erfolge, sondern die Verluste. Bergkameraden, die nicht zurückkamen. Private Schicksalsschläge. „Die Frage nach dem Warum kann dir niemand beantworten“, sagt Helmut. „Man muss lernen, zu akzeptieren. Sonst gehe das Leben nicht weiter.“

„Glaube an dich und deine Fähigkeiten!“
Ein Berg aber ist für Helmut mehr als nur ein Gipfel: der Kilimandscharo im afrikanischen Tansania. Dort machte er seiner damaligen Freundin Brigitta im Jahr 1969 einen Heiratsantrag – zurück im Tal heirateten die beiden am 2. Jänner 1970 auf der österreichischen Botschaft in Nairobi. Heute ist sich Helmut bewusst, was seine Frau mitgetragen hat. „Neun von zehn Frauen hätten gesagt: Entweder du hörst auf oder ich gehe.“

Mit seiner Frau Brigitta will Helmut zu seinem 85. Geburtstag den Kilimandscharo besteigen, um ...
Mit seiner Frau Brigitta will Helmut zu seinem 85. Geburtstag den Kilimandscharo besteigen, um auch den 56. Hochzeitstag zu feiern.(Bild: Hannes Wallner)

Heuer im Herbst wollen Helmut und Brigitta zurück auf den Kilimandscharo. Zum 56. Hochzeitstag. Zu seinem 85. Geburtstag. „Mich reizt die Frage, wie hoch kann ich mit 85 noch steigen?“ Und wenn es nicht bis ganz hinauf geht? „Dann war das meine Grenze“, so Helmut im Gespräch mit der „Bergkrone“. Was würde er weitergeben? Helmut überlegt nicht lange: „Glaube an dich. Jeder Mensch hat eine Aufgabe. Nicht jeder muss Everest, Nordpol oder Death Valley schaffen. Aber jeder kann etwas leisten. In seinem Beruf. In seinem Leben. In seinem Alltag.“

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