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Sturms Stadionsprecher: „Man darf nie provozieren“

Steiermark
16.06.2026 11:00

Stadionsprecher sind akustische Visitenkarten eines Vereins. Der SK Sturm sucht noch bis 20. Mai eine Nachfolge für Thomas Seidl, egal, ob Mann oder Frau. Was es für den Job braucht.

Während die ersten Fans eintreffen und sich die Teams aufwärmen, hat die Arbeit des Stadionsprechers schon begonnen. Acht Jahre lang erfüllte die Aufgabe beim SK Sturm Graz der 35-jährige ORF-Moderator Thomas Seidl. „Wir wissen, wie wichtig ein guter Stadionsprecher als Bindeglied zwischen der Mannschaft, der Clubführung und den Fans ist“, wirbt Marketingchef Alexander Ackerl für die ausgeschriebene Stelle. Bis zum 20. Mai kann man sich dafür noch bewerben.

„Das Interesse ist groß, die Bewerberliste querbeet – vom Maschinenbauer über den Super-Fan bis zum Versicherungsmakler.“ Die Ausschreibung richtet sich auch an Frauen, doch da kam bislang noch keine Bewerbung. „Das wäre sehr cool, wenn eine Frau diese Männerdomäne durchbricht“, sagt Seidl.

Vom Fußballer-Traum zum Stadionsprecher
Seinen letzten Auftritt hatte er am 8. März. „Ich werde für den ORF künftig auch über Fußball berichten und das mache ich bereits im Juni mit einem Podcast zur Fußball-WM.“ Seidl, der immer selbst Fußballer werden wollte, wird Ersatzsprecher bleiben.

Seidl in seinem Element
Seidl in seinem Element(Bild: privat)

Von einem seiner größten Albträume blieb er in seiner Laufbahn verschont. Nie musste er zur Stadionräumung aufrufen oder von der Dachkabine aus zum „Schlichten“ eingreifen. Im Gedächtnis eingebrannt bleiben aber zwei medizinische Notfälle. „Innerhalb von nur drei Wochen hatte ich zwei Wiederbelebungen und damit Stillstand im Stadion. So was vergisst du nie. Auch keinen der vielen Hochglanzmomente wie Meistertitel, Champions League, Cup-Spiele und Meisterfeiern vor gut 30.000 Fans.“

400 Euro pro Heimspiel
Der Stadionsprecher wird auf Honorarbasis entlohnt, es bleibt stets ein Nebenjob. Pro Heimspiel gibt es 400 Euro, dazu kommen noch Moderationen von Events und Sturm-Terminen. Die Stimme des Stadions wird oft selbst zur Institution. „Du musst ein Gespür für den richtigen Moment haben, ob euphorisch laut oder empathisch leise, motivieren, aber auf keinen Fall provozieren“, betont Seidl.

Den Gegner lächerlich machen, Schiedsrichter und Fans öffentlich kritisieren, Witze reißen und private Kommentare ins Spiel bringen – das sind absolute No-Gos für jeden Stadionsprecher. „Auch darauf wird beim Casting meines Nachfolgers geschaut“, hält Seidl als Mitglied der Jury fest.

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