Das große Finale des Skiweltcups in Norwegen steht an, und Routinier Florian Schieder ist mit dabei. In dieser Saison konnte der Südtiroler einige Male aufzeigen. Im Interview mit Sportkrone.at zieht der Speed-Spezialist ein Fazit, gibt einen Einblick in die Dynamiken im italienischen Erfolgsteam und erklärt, welche Rechnung er noch mit Kitzbühel offen hat.
Sportkrone.at: Florian, das Saisonfinale steht an. Welches Fazit ziehst du über die zurückliegenden Monate inklusive Heim-Olympia?
Florian Schieder: Es ist sicher die beste Saison, die ich bisher gehabt habe. Dazu kommt auch noch die Teilnahme an den Olympischen Spielen, das war eine spezielle Sache dieses Jahr. Die Weltcup-Saison hat für mich gleich gut angefangen. In Gröden schaffte ich es aufs Podium. Natürlich ist bei mir dann der Knopf irgendwie aufgegangen. Da habe ich gesehen, dass es heuer gut funktioniert. Damit ist es natürlich einfacher, auch gut weiterzumachen. Bei den Winterspielen ist es dann leider ein bisschen mit den Sichtverhältnissen nicht so gut gelaufen. Ich habe in der Abfahrt nicht so abgeliefert, wie ich es mir vorgestellt habe. Da habe ich mir mehr erhofft, aber es geht leider nicht immer so, wie man es gerne hätte. Und die Konkurrenz war natürlich auch stark. Aber vielleicht schaffe ich es ja noch einmal zu Olympia, man weiß es ja nie.
Du hast in dieser Saison einige sportliche Ausrufezeichen setzen können. Was hat dir dabei am meisten bedeutet?
Der größte Erfolg für mich in dieser Saison war sicherlich das Podium beim Heimweltcup in Gröden. Das ist jene Piste, in der ich eigentlich nur etwa zehn Minuten von meiner Haustür entfernt bin. Ausgerechnet da hatte ich aber in den vergangenen Jahren immer mit Schwierigkeiten zu kämpfen. In der vergangenen Saison habe ich es etwa nicht einmal in die Top 30 geschafft. Deshalb freue ich mich umso mehr über dieses Podium. Und es war ein starker Tag generell für das ganze Team. In Gröden haben wir eine mega Leistung gebracht. In jedem Rennen waren wir am Podium, und auch sonst haben wir weitere tolle Ergebnisse eingefahren. Gerade auch die jungen Athleten mit den höheren Startnummern. Das war sicherlich der Höhepunkt in der Saison. Auch deshalb, da die Olympischen Spiele eben nicht nach Plan gelaufen sind.
In Kitzbühel hast du in der legendären Abfahrt nur knapp das Podium verpasst. Die Streif scheint dir ja generell zu liegen. Sieht man dich vielleicht im kommenden Jahr als Nachfolger von Giovanni Franzoni ganz oben am Stockerl?
Kitzbühel ist sicherlich eines meiner Lieblingsrennen, wenn nicht sogar das absolute Lieblingsrennen. Ich hatte heuer auch bei den Trainings gesehen, dass es mir gut liegt, wie die Verhältnisse waren. Deshalb wusste ich, dass ich ganz vorn mitfahren kann. Kitzbühel ist etwas Besonderes. Ich starte schon mit einem Lächeln von zu Hause. Die Kulisse und die Piste und das ganze Drumherum, das gefällt mir sehr. So sollte eigentlich jedes Rennen sein. Und das motiviert vielleicht am Ende des Tages uns Athleten noch mehr. Mein persönliches Ziel ist es natürlich, auch mal die goldenen Gams zu holen. Jetzt war ich schon ein paar Mal knapp dran. Dieses Jahr hat es leider nicht gereicht. Dann probiere ich es nächstes Jahr halt wieder.
Allgemein hat sich das italienische Team zuletzt sehr stark präsentiert. Man hat auch den Eindruck, dass da eine Gruppe zusammengewachsen ist. Wie ist die Dynamik im Team?
Es ist eigentlich lustig. Wir sind auch schon zusammen an einem Tisch gesessen und haben selbst darüber gerätselt, was gerade so gut klappt. Denn eigentlich haben wir nicht viel anders gemacht in der Saison und in der Vorbereitung als in den vergangenen Jahren. Aber wir sind schon seit einer geraumen Zeit eine konstante Gruppe, mit Leuten, die man mittlerweile gut kennt. Und wenn dann so Erfolgserlebnisse kommen wie eben in Gröden, dann hilft das sicher. Auch, dass von den hinteren Startnummern ziemlich viele gute Ergebnisse gekommen sind. Das zeigt, dass wir ein kompaktes und starkes Team haben. Vielleicht pusht man sich da dann auch gegenseitig, immer besser zu werden. Man sieht auch im Training, dass da wirklich gute Qualität vorhanden ist und das pusht dann wieder weiter. Wir waren auch nie neidisch, wenn jemand aus unseren Reihen mal erfolgreicher war. Das hilft sicherlich auch, wenn man sich gegenseitig unterstützt und dann miteinander feiert, wenn gute Resultate herausschauen.
Was hast du nach Ende der Saison geplant? Erst einmal Urlaub?
Nach dem Weltcup-Finale stehen noch ein paar Skitests an. Deshalb bleiben wir noch eine Weile in Kvitfjell, trainieren und testen das neue Material. Auch im April und bis hinein in den Mai werden wir weiter Material testen und ein paar Trainings absolvieren. Der Urlaub steht dann erst Mitte Mai an (lacht).
Und mit welchen Gefühlen blickst du auf den nächsten Winter? Gibt es ein besonderes Ziel, das du bereits ins Auge gefasst hast?
Genau kann man das jetzt natürlich noch nicht sagen. Ich will aber vor allem wieder konstant Skifahren. In dieser Saison war das Podium im Abfahrtsweltcup lange Zeit in Reichweite, daran möchte ich in der kommenden Saison sicher anknüpfen und im Kampf um die kleine Kugel mal mitfahren. Und natürlich steht nächstes Jahr schon mal als allererstes Ziel die Jagd auf die Gams in Kitzbühel an. Und dann gibts ja noch die Weltmeisterschaft obendrauf.
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