Die „Spill Over“-Frage

F1: Zwingen ServusTV und ORF RTL in die Knie?

Formel 1
18.03.2026 14:54
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Es ist eine tückische Medienlandschafts-Schikane, in der sich ServusTV und ORF als Einheit ein Rad-an-Rad-Duell mit RTL liefern. Der deutsche Privatsender soll nach den Vorstellungen der beiden österreichischen Medienhäuser in seiner Formel-1-Berichterstattung die rechtlich zementierten Ausstrahlungs-Kerbs achten. Die Liberty Media mimt in der Causa jetzt den Steward.

So sehr der Konflikt einen Klassiker in der TV-Geschichte markiert, so neu ist die Facette des vergangenen Wochenendes. RTL war fest entschlossen, das Rennen in Shanghai zu übertragen. Dazu kam‘s aber nicht. Das Team trat nicht einmal die Reise an. Und das liegt auch an Österreich, konkret an ServusTV und ORF.

RTL und der „Spill Over“-Effekt
Der Reihe nach: ServusTV und sein Sublizenznehmer ORF, die beiden Formel-1-Rechtehalter für den österreichischen Markt, stoßen sich am Umstand, dass RTL – obwohl kein aktiver Rechteinhaber – nach Österreich strahlt. So fischt der deutsche Privatsender, an sich nur Inhaber für einzelne Rennübertragungen in Deutschland, immer wieder im österreichischen Sehersegment. Und damit wohl auch im österreichischen Werbesegment. In der Wahrnehmung von ServusTV doppelt bitter. Zum einen sendet RTL via Satellit, wo er gar nicht sollte/dürfte. Zum anderen nascht er damit auch noch am österreichischen Werbekuchen mit. Der „Spill Over“-Effekt kommt zum Tragen. Heißt: Via Satellit oder sonstiger Technologien ist das deutsche Programm in Österreich empfangbar, obwohl es nach Auslegung des Red-Bull-Senders eigentlich „geo-geblockt“, also auf das eigentliche Rechtegebiet, in diesem Fall Deutschland, beschränkt sein müsste.

Andreas Gröbl ist der „Mister Formel 1“ bei ServusTV.
Andreas Gröbl ist der „Mister Formel 1“ bei ServusTV.(Bild: ServusTV / Sebastian Marko)

So weit, so klassisch. Deutsches Programm in österreichischen Wohnzimmern – dank Kabel, Satellit und Co. seit Jahrzehnten Usus. Aber auch rechtens? In China erfuhr der Konflikt tatsächlich einen neuen Spin. Die „Bild“ will in Erfahrung gebracht haben, dass die RTL-Crew die Reise zum zweiten Saisonrennen schon geplant hatte. „Am Montag vor dem Rennen kam die Nachricht aus Köln: Wir kommen nicht“, heißt es in dem Bericht. Die Liberty Media, seit 2017 Eigentümer der Formel 1, soll die Sorgen von Servus und ORF ernst genommen und RTL inständig vom Kommen und Übertragen nach und aus China abgeraten haben.

„Noch keine finale Entscheidung“
Jetzt liegt der Ball bei der Liberty Media. Auch das ist neu. Dass das Problem jetzt ganz oben angekommen ist und ebendort behandelt wird, hievt den Konflikt in eine neue Etage. Servus – offizielles Statement gibt‘s vom Sender keines – wird‘s recht sein. Und RTL? Lässt via „Bild“ verlautbaren: „Wir befinden uns derzeit in Gesprächen, ob und wann ausgewählte Formel-1-Rennen auch in dieser Saison bei RTL zu sehen sind. Bisher gibt es dazu noch keine finale Entscheidung.“ Und Pläne und Wünsche. Die bis 19. Juli möglichst geklärt sein sollten. Da steigt in Spa der Große Preis von Belgien – RTL würde gern übertragen.

Parallelen zum Fußball?
Das Urteil der Liberty Media könnte freilich wegweisenden Charakter in sich bergen. Schließlich schlägt die „Spill Over“-Debatte bei Bedarf auch sehr gekonnt den Wechselpass zum Fußball. Auch diesbezüglich weiß der gelernte österreichische Sport-Fan und TV-Konsument nur zu gut, wie angenehm es ist, beispielsweise Spiele der deutschen Nationalmannschaft auf deutschen Sendern zu konsumieren. Ob’s auch rechtlich gedeckt ist, steht auf einem anderen Blatt Papier. Erst recht mit Blickrichtung WM im Sommer. Auch da sollen Übertragungsrechte ja den einen oder anderen Cent kosten.

 

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