22.06.2014 10:35 |

Missionarsbestellung

Wie mich der Mini Cooper "geknackt" hat

Zwei neue Dinge am Mini Cooper mag ich besonders: den ungewöhnlichen, rot pulsierenden Schalter in der Mittelkonsole und den Dreizylindermotor, den er startet. Damit hat mich der gar nicht mehr so Kleine regelrecht geknackt. Wie der Triple unaufgeregt aus dem totalen Drehzahlkeller heraus anschiebt, ist nicht normal. Aber "not normal" hat sich Mini ja auch auf die Fahnen geschrieben.

Eigentlich ist damit eher so etwas wie spleenig gemeint, was sich dann u.a. im Start-Kipphebelchen äußert, der direkt hinter dem Schaltknauf seinen ergonomischen Idealplatz einnimmt. Oder im Lichtspielring rund um das zentrale Infodisplay, der unterschiedlich bunt farbleuchtet und Temperaturwahl, Fahrmodus, Lautstärke, Parksensor oder sonst was repräsentiert.

An anderer Stelle haben die bayerischen Briten tatsächlich Normalität einziehen lassen, was ich als inkonsequent betrachte: Fensterheber in der Tür hat jeder – und jetzt eben auch Mini. Ob man den vielgescholtenen, riesigen zentralen Tacho nun als Palatschinkenteller, Körperwaage oder Suppenschüssel interpretiert hat – auch er ist der Normalität gewichen. Gar kein Verlust für die Bedienbarkeit, ein nicht ganz kleiner hingegen für die Originalität. Aber kommen wir zum Wesentlichen.

Herrliche Ruhe trotz Dreizylinder
Fast wie angewidert schüttelt sich der Motor beim Anlassen kurz, um fortan mit völliger Laufruhe, der Abwesenheit von Vibrationen und der ständigen Anwesenheit von Kraft zu glänzen. Man hört am Sound, wie viele Zylinder da arbeiten, nicht jedoch an der Lautstärke, denn mehr Dämmung geht kaum. Im Leerlauf wird der Benziner sogar vom elektrischen Scheibenwischermotor übertönt (was allerdings mehr gegen diesen als für jenen spricht). Nachteil: Ich fahre oft in einem zu niedrigen Gang, weil mich nur die Schaltanzeige, aber nicht die Akustik zum Hochschalten mahnt.

Der 1,5-Liter-Dreizylinder ist im Prinzip derjenige, der auch im Vorzeige-Sportwagen BMW i8 werkt, leistet im Mini Cooper aber nur etwas mehr als die Hälfte, nämlich 136 PS. Das mörderbeeindruckende ist aber das maximale Drehmoment von 220 Nm, das schon ab 1.250/min., also knapp über Leerlaufdrehzahl für einen gleichmäßigen Druck im Rücken sorgt. Auf diese Durchzugskraft setzt auch das Sechsgang-Schaltgetriebe mit seiner ungewöhnlich langen Übersetzung. Dritter Gang im Stadtverkehr ist ganz normal, trotzdem geht das Losfahren an der Ampel völlig verzögerungsfrei und kraftvoll vonstatten. Überraschend ist das geringe Motorbremsmoment beim Herunterschalten.

Die Fahrleistungen lassen nichts zu wünschen übrig. 7,9 Sekunden reichen dem 1,1-Tonner für den Sprint auf 100, maximal sind 210 km/h drin. Nicht ganz so gut, wie man angesichts des Normverbrauchs von 4,6 l/100 km erwarten könnte, ist es jedoch um die Genügsamkeit bestellt. Im Schnitt brauche ich rund sieben Liter, wobei der Bordcomputer im Stadtverkehr schnell mal ganz locker zehn Liter anzeigt. Andererseits: Wer sich nicht von der Agilität des Cooper verleiten lässt, kann durchaus auch sparsam unterwegs sein.

Von wegen Mini…
Wirklich mini ist der Mini eigentlich nur noch, wenn man den Begriff auf den Heckscheibenwischer bezieht. Sonst ist er ziemlich gewachsen: zehn Zentimeter in der Länge (nun 3,82 m), gut vier in der Breite und sieben in der Höhe. Erstaunlicherweise fällt das optisch eigentlich nur auf, wenn man den Vorgänger daneben stehen sieht. Wenn man genau hinschaut, fällt in der Seitenansicht aber die etwas überdimensionierte Nase auf. Unübermerkbar ist das Wachstum im Innenraum. Riesig die Sitze im Testwagen, sogar mit ausziehbarer Oberschenkelauflage. Einzig der Hartplastikrahmen des Türlautsprechers ist im Weg und nervt am Knie.

"Für maximales Gokart-Feeling"
Gewachsen sind auch Radstand und Spurweite, wodurch der Mini weniger giftig, aber auch weniger gokartmäßig agiert. Trotzdem ist er ein veritabler Spaßvogel, den man richtig fliegen lassen kann. Für diesen Fall dreht man am Rahmen des Schalthebels, um den Sportmodus zu aktivieren, wodurch der Motor direkter anspricht, die elektrische Servolenkung mehr Widerstand liefert und ein Mini mit einverleibtem Gokart am Display erscheint. Schon mal von einem Haferfeld gestochen worden? Fahren wird da zum Selbstzweck. Vorsicht ist allerdings bei Nässe geboten: Mit den montierten Dunlop-Reifen war das Untersteuern durchaus heftig und die eine oder andere Rutschpartie bremste das Vergnügen ein.

Fein am neuen Erwachsensein des Mini: Man kann jetzt auch komfortabler als früher dahingleiten, längere Strecken sind weniger anstrengend. Zum Spritsparen kann man dazu auch gerne den Green Mode aktivieren. Und man kann für die Reise mehr Gepäck mitnehmen: 211 Liter passen jetzt in den Kofferraum mit dem variabel einzuhängenden Boden, das ist rund ein Drittel mehr als zuvor.

Der neue Mini ist auf alle Fälle vielseitiger einsetzbar – und die Aufpreisliste ist vielseitiger ankreuzbar, bis hin zu aktuellsten Fahrerassistenten.

Ab 20.140 Euro ist der Mini Cooper mit diesem phantastischen Dreizylindermotor zu haben. Für mich war es quasi eine Missionarsbestellung: Mich hat er nicht nur überzeugt, sondern quasi bekehrt.

Warum?

Sensationelle Leistungsentfaltung

Lustige, aber praktische Details

Warum nicht?

Sehr stark weggedämmtes Motorgeräusch

Oder vielleicht …

… die Cooper-S-Version mit 192 PS starkem Vierzylinder. Sonst Audi A1, Opel Adam, Fiat 500

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