US-Singer/Songwriter Will Oldham hat unter dem Künstlernamen Bonnie „Prince“ Billy mit „We Are Together Again“ ein leises, wunderschön instrumentiertes Album mit intelligenten Texten am Start. Man kann es als Gegenentwurf zu den Schreihälsen dieser Welt verstehen. „Sobald man anfängt zu schreien, schaltet das Gehirn ab“, sagt der 56-Jährige im APA-Interview. „Ich fühle mich mehr wie die Schildkröte, die sanft anschubst, im Gegensatz zum Hasen, der herumrennt und schreit.“
Diese Schildkröte würde immer „weitermachen und weitermachen, mit dem Wissen, dass irgendwann die Toleranz, die andere Menschen für Aggression aufbringen, aufbrechen und sich auflösen wird“, fügt Oldham alias Bonnie „Prince“ Billy hinzu. Es sei einer der „vielen wunderbaren Vorteile des Musikmachens“, dass es dabei manchmal erforderlich sei, den Lärm auszublenden. „Dann werden die Geräte abgedreht“, betont der Amerikaner und zeigt auf sein Handy. „Das ist eine wunderbare Auszeit. Natürlich wäre es unverantwortlich, ihn ständig auszublenden.“ Denn der kreative Prozess ist schließlich auch eine Reaktion auf den Alltag und das Weltgeschehen.
Harmonie und Verständnis
Das Album „löst keine Ängste auf, es begegnet ihnen mit Harmonie“, heißt es im Pressetext. „Ich habe gerade eine großartige neue Biografie der Everly Brothers (berühmt für ihren harmoniebetonten zweistimmigen Gesang, Anm.) gelesen“, so Oldham darauf angesprochen. „Ich bin also gerade ganz im Zeichen von Harmonie und Verständnis. Wenn Stimmen zusammenkommen – ich weiß gar nicht genau, wie viele Leute auf dieser Platte singen, vielleicht zwölf, ich sollte sie mal zählen – verschmelzen sie zu einem Ganzen, das mehr ist als die Summe seiner Teile.“
„Es ist das Beste, was ich in meinem Beruf tun kann“, ergänzt Oldham, „anderen ein Beispiel zu geben und ihnen zu zeigen, wie kraftvoll, wertvoll, sinnlich und bereichernd es sein kann, mit unseren Mitmenschen in Verbindung zu treten.“ Auf „We Are Together Again“ schmiegen sich aber nicht nur Stimmen aneinander. Manchmal kuschelt sich auch eine Flöte an die Vocals, wodurch „die Platte ihre ganz eigene Identität“ bekomme: „Es ist schön, mal von den Gitarren wegzukommen.“
Ein Vietnam-Liebeslied
Mit „Hey Little“ findet sich auf dem Album ein Lied für Oldhams noch junge Tochter. Die Ur-Version hätte er vor Jahren „für einen bekannten Popsänger“ geschrieben. „Er hat ihn aber nicht aufgenommen.“ Also überarbeitete Oldham das Stück mit seiner nunmehrigen Erfahrung als Vater. „Vietnam Sunshine“ wiederum ist ein Liebeslied. „Es heißt so, weil mir ein guter Freund, ein Bio-Marihuana-Bauer, eine Sorte namens Vietnam Black geschickt hat“, schmunzelt der Musiker. „Ich habe ihn während des Lockdowns gebeten: ‘Schick mir etwas von dem, was du anbaust, und ich versuche, Songs damit zu schreiben. Nun, das ist das erste Ergebnis.“
Oldham behandelt auch sehr düstere Themen, manchmal strahlt selbst in diesen Liedern Licht durch – sei es textlich oder musikalisch. „Man sollte anmerken, dass wir den Menschen nicht wirklich Hoffnung geben können. Wir können ihnen nur helfen, die Hoffnung zu finden, die in ihnen selbst steckt“, so Oldham.
Begeisterter Vielarbeiter
„We Are Together Again“ ist ein weiterer Triumph im üppigen Katalog des Künstlers. Mangelnde Produktivität kann man ihm nicht nachsagen. „Man hört ja immer wieder von Leuten wie Conway Twitty (1993 verstorbener Country- und Rock-‘n‘-Roll-Musiker, Anm.). Über ihn heißt es: ‘Oh, das ist sein 73. Album‘ oder so ähnlich. Conway Twitty ist definitiv eher das Ziel, das ich anstrebe, als wie etwa Radiohead, die alle paar Jahre ein Album rausbringen. Ich weiß eigentlich gar nicht, ob es die überhaupt noch gibt.“
APA/Wolfgang Hauptmann
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