US-Präsident Donald Trump hat mit seinen bisherigen Aussagen zum Iran-Krieg Verwirrung gestiftet. Der Republikaner bestreitet zur Stunde einen wahren Interview-Marathon. Das Problem: Seine Angaben unterscheiden sich von Gespräch zu Gespräch teilweise deutlich.
Die Augen der Welt sind wieder einmal auf US-Präsident Trump gerichtet. Denn der selbst ernannte „Friedenspräsident“ setzt mittlerweile auf Krieg. Sein gemeinsamer Großangriff mit Israel auf das blutrünstige Mullah-Regime im Iran hat den Nahen Osten erneut ins Chaos gestürzt. Der 79-Jährige ist seither bemüht, in Interviews seine Sicht der Dinge darzustellen – und trägt damit zur Verwirrung bei.
Je nach Medium nannte er unterschiedliche Kriegsgründe, Zeitpläne und auch eigene Motivationsfaktoren für die beispiellose Militär-Operation „Epischer Zorn“. Gegenüber der „Washington Post“ erklärte er, dass ihm „die Freiheit der Menschen“ am Herze liege. Trump hat daher wiederholt das iranische Volk aufgerufen, den Moment zu nutzen und den Sturz der Regierung herbeizuführen.
In einem Telefoninterview mit der „New York Times“ machte er jedoch deutlich, dass er kein Problem damit hätte, wenn Überreste des repressiven Regimes an der Macht bleiben. „Was wir in Venezuela getan haben, ist meiner Meinung nach das perfekte, das ideale Szenario.“
All „seine Kandidaten“ sind tot
Dafür hatte er wohl „drei sehr gute Kandidaten“ im Sinn. Wenig später erklärte er dem Sender ABC News, dass diese am Wochenende beim Angriff auf das Regime getötet worden seien (siehe Tweet oben). „Der Angriff war so erfolgreich, dass er die meisten Kandidaten ausgeschaltet hat.“ Eine Liste mit Anwärtern gebe es nun nicht mehr: „Denn die sind alle tot. Platz zwei und drei sind auch tot.“
Trump führte zudem persönliche Rachegefühle für die Tötung des Massenmörders Ayatollah Ali Khamenei an: „Ich habe ihn erwischt, bevor er mich erwischt hat. Sie haben es zweimal versucht. Jetzt habe ich ihn zuerst erwischt.“ Der „Commander-in-Chief“- spielte damit auf Informationen von US-Geheimdiensten an, die für ein Komplott zur Ermordung von Trump im Jahr 2024 gehalten wurden.
Wie soll es jetzt also weitergehen, nachdem Khamenei getötet wurde? Etliche US-Politologen sind mittlerweile davon überzeugt, dass Trumps vorgetragene Kriegsgründe kaum etwas mit der Wirklichkeit zu tun haben: „Wir sind nicht eingefallen, weil eine Bedrohung unmittelbar bevorstand, sondern weil dies nicht der Fall war. Der Iran war schwach“, teilte der ehemalige US-Diplomat Richard Stengel via X mit. Die US-Regierung hätte die einmalige Chance ergriffen, der „Schlange den Kopf“ abzuschlagen – mit ungewissen Auswirkungen.
Es gebe laut Kennern der Region keine klare Vorstellung davon, wie ein nachhaltiger Erfolg aussehen soll, und keinen Plan, wie man dorthin gelangen kann. Im schlimmsten Fall verkündet Trump einen „Sieg“, zieht seine Truppen ab und überlässt knapp 90 Millionen Iraner ihrem Schicksal. Dass er als Befreier des iranischen Volkes in die Geschichte eingeht, sei aktuell ein eher optimistisches Szenario.
Der Angriff hat zu einem Flächenbrand im Nahen Osten geführt:
Vertreter des Pentagon räumten gegenüber Mitarbeitern des Kongresses mittlerweile ein, dass es vor dem Angriff keine Hinweise darauf gegeben hatte, dass der Iran US-Streitkräfte im Nahen Osten ins Visier genommen hätte, wenn Israel nicht zuerst aktiv geworden wäre, berichtete CNN. Das widerspricht Trumps Darstellungen vom Samstagmorgen fundamental.
Regierungsvertreter zweifeln an Regimesturz
Nach der Tötung Khameneis äußerten US-Regierungsvertreter gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters Zweifel, dass der Militäreinsatz zu einem raschen Sturz der Führung in Teheran führen wird.
Zwar schloss keiner von ihnen den Sturz der Regierung, die durch die Luftschläge und Personalverluste geschwächt sei, kategorisch aus. Kurzfristig sei ein solches Szenario aber unwahrscheinlich. Einschätzungen der CIA zufolge, die dem Weißen Haus in den Wochen vor dem Angriff vorgelegt worden seien, dürften Vertreter der Revolutionsgarden (IRGC) oder klerikale Hardliner Irans Nachfolgeregierung vorerst anführen.
Der US-Präsident kündigte am Sonntag an, die Kommunikation mit Teheran wieder aufnehmen zu wollen – ein Signal, dass Washington zumindest kurzfristig von einem Fortbestand des menschenverachtenden Regimes ausgeht. Der iranische Sicherheitschef Ali Larijani teilte am Montag mit, dass Teheran kein Interesse an einer Verhandlung mit Washington habe.
Im Iran hatte am Wochenende ein Führungsrat die Aufgaben Khameneis übernommen. Trumps Kriegsminister Pete Hegseth teilte in einer ersten Stellungnahme nach Beginn der Luftoffensive mit: „Wir haben diesen Krieg nicht begonnen, aber unter Präsident Trump werden wir ihn beenden.“ Fragen nach einer Exit-Strategie wollte er nicht kommentieren.
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