Gleichstellungsbericht der Steiermark: Noch immer gibt es kaum Frauen in der ersten Führungsebene – obwohl die Bildungsabschlüsse bei Frauen höher sind. Wenn Männer Karenz gehen, dann nur sehr kurz. Vize-LH Manuela Khom (ÖVP) für ein verpflichtendes Pensionssplitting.
Es gibt kleine Verbesserungen, aber der Weg zur Gleichstellung ist noch ein sehr weiter – so könnte man die Präsentation am Montag zusammenfassen. Auf 200 Seiten wird aufgelistet, wie es um die Gleichstellung in der Steiermark steht.
Kurzum: Bei den Bildungsabschlüssen haben die Frauen stark aufgeholt bzw. die Männer sogar überholt. 16 Prozent der Steirerinnen haben einen Hochschulabschluss, bei den Männern sind es 14 Prozent. „Vor 40 Jahren lag die Quote bei den Frauen bei zwei Prozent“, sagt Martin Mayer von der Landesstatistik. Dennoch liegt der Frauenanteil aktuell in den Top 100 steirischen Unternehmen in der obersten Führungsebene bei nur 15 Prozent, unter den Vorständen sind es gar nur 8 Prozent, unter den Geschäftsführungen noch viel weniger: 4 Prozent Frauen. Immerhin 21 Prozent beträgt der Frauenanteil in Aufsichtsräten der Top 100-Unternehmen.
Unbezahlte Arbeit und Teilzeit
Stark ist der Kontrast auch bei der sogenannten unbezahlten Arbeit. In Haushalten mit Kindern unter 18 Jahren arbeiten Frauen im Schnitt 6 1⁄2 Stunden pro Tag unbezahlt, Männer 3 Stunden weniger. Dafür arbeiten Männer etwa 5 Stunden täglich (im Schnitt) bezahlt in einer Erwerbstätigkeit, Frauen 2 1⁄2 Stunden weniger. „Viele Frauen arbeiten Teilzeit, das ist ein großes Problem“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom (ÖVP). Das führe langfristig zur Gefahr von Altersarmut. Khom spricht sich für ein verpflichtendes Pensionssplitting aus. Die Anträge sind hier zwar gestiegen, in absoluten Zahlen aber kaum nennenswert (185 – wie auch die „Krone“ zuletzt berichtete).
„Teilzeit ist hilfreich für Kinderbetreuung oder Altenpflege“, sagt Khom, aber die Frauen müssten auch wieder voll in die Arbeit zurückkehren. Denn jede zweite Frau mit Kindern unter 15 Jahren arbeitet in Teilzeit.
Nur 124 Steirer länger als drei Monate in Karenz
Aufholarbeit braucht es auch beim Thema Karenz. Frauen gehen meist ein Jahr in Karenz. Wenn Männer in Karenz gehen, dann weniger als drei Monate. Die Zahl von Männern, die drei Monate oder mehr in Elternkarenz gehen, hat sich von 2013 bis 2023 in der Steiermark verringert (von 194 zu 124 Fällen).
All diese Faktoren schlagen sich dann in der Pension nieder. So bekommen Frauen in der Steiermark im Schnitt um 38,7 Prozent weniger Pension als Männer. Ansetzen möchte die Politik auch beim Thema Gewaltschutz.
Gewaltschutz verbessern
Im Jahr 2024 wurden in der Steiermark 1.499 Annäherungs- und Betretungsverbote ausgesprochen. Es braucht mehr Vernetzungsarbeit, so Khom. Innerhalb kürzester Zeit musste die Steiermark gegen Jahresende und Jahresanfang zwei brutale Femizide vermelden. Auch in der Berichterstattung müsse man die Opfer stärker ins Rampenlicht rücken als die Täter, mahnt Khom. Erschreckend auch die Zahl: Von 142 Anzeigen wegen Vergewaltigung gab es im Jahr 2024 nur 18 rechtskräftige Verurteilungen.
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