Der Preis ist hoch

Ukrainer rücken jetzt wie im Ersten Weltkrieg vor

Ukraine-Krieg
24.02.2026 09:28
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Ukraine meldet Geländegewinne – doch das Bild an der Front ist widersprüchlich. Während Kiew von der Rückeroberung von 400 Quadratkilometern spricht, zeichnet sich ein Kampf ab, der an vergangene Epochen erinnert: Soldaten rücken zu Fuß vor, in kleinen Trupps, unter einem Himmel voller Drohnen. Der Militärexperte Markus Reisner sieht darin weniger eine klassische Offensive als vielmehr einen zermürbenden Stellungskrieg – mit Parallelen zum Ersten Weltkrieg.

Im Interview mit ntv erklärt der Oberst des Österreichischen Bundesheers: „Die Ukrainer stoßen zu Fuß vor. Ohne Panzer, ohne Fahrzeuge. Soldaten, die in kleinen Trupps vormarschieren, wie im Ersten Weltkrieg.“ Die viel diskutierten Vorstöße seien aus seiner Sicht jedoch „keine tatsächliche Offensive mit weitgesteckten operativen Zielen“, sondern eher eine „Bereinigung“, die sich aus der Lage ergeben habe.

Brückenbau, während Drohnen über Köpfen schwirren
Nach Angaben des ukrainischen Armeechefs wurden im Februar 400 Quadratkilometer zurückgewonnen, im Abschnitt Oleksandriwka seien acht Siedlungen befreit worden. Die Geländegewinne blieben laut Reisner jedoch begrenzt: „Nur marginal.“ Selbst die positivsten Schätzungen sprächen nur von bis zu 400 Quadratkilometern.

Das Hauptproblem folgte unmittelbar: Die neu gewonnenen Räume mussten gehalten werden – inklusive der Sicherung von Nachschublinien über den Fluss Wowtscha. Übergänge über das Wasser zu stabilisieren, während permanent Drohnen im Einsatz sind, bezeichnet er als „extrem schwierig“.

Drohnenkrieg und Grabenkämpfe: Die Front in der Ukraine wird immer brutaler
Drohnenkrieg und Grabenkämpfe: Die Front in der Ukraine wird immer brutaler(Bild: AFP/GENYA SAVILOV)

Russen machen trotzdem weiter Druck nach vorne
An anderen Frontabschnitten bleibt der russische Druck hoch, etwa bei Siversk, bei Konstantinowka und weiterhin in Richtung Saporischschja. Dort hatte es zuletzt auch schwere Angriffe gegeben. Bei einer russischen Angriffswelle auf mehrere Regionen wurden in der Nacht mindestens drei Menschen getötet. Nach ukrainischen Angaben setzte Russland 126 Drohnen und eine Rakete vom Typ Iskander ein.

In Saporischschja starb laut Gouverneur Iwan Fedorow ein 33-jähriger Mann, in Odessa kamen nach Angaben von Gouverneur Oleh Kiper zwei Menschen bei Angriffen auf Energieinfrastruktur und zivile Ziele ums Leben. Auch Charkiw geriet erneut unter Beschuss.

Amerikanische Unterstützung „rapide zurückgegangen“
Parallel zum militärischen Geschehen wächst der politische Druck. Sowohl die russische als auch die amerikanische Seite wollen laut Präsident Selenskyj, dass sich die Ukraine aus dem Donbass zurückzieht. US-Präsident Donald Trump habe zuletzt zweimal erklärt, das Hindernis zum Frieden heiße Selenskyj. Die USA wollten „aus diesem Krieg rauskommen“, so Reisner. Zugleich sei die amerikanische Unterstützung „rapide zurückgegangen“, die Hauptlast trage derzeit die Europäische Union – vor allem finanziell.

Innerhalb der ukrainischen Führung zeichnet sich laut Reisner eine Spaltung ab. Ein Flügel um General Kyrylo Budanov plädiere für eine rasche Einigung unter Führung der USA. Die Gegenposition vertrete Andryj Yermak. Substanzielle Fortschritte bei den Verhandlungen habe es zuletzt nicht gegeben, lediglich Annäherungen etwa beim Gefangenenaustausch.

Schäden in Russland selbst „überschaubar“
Militärisch versucht die Ukraine zugleich, neue Mittel einzusetzen. Das erste Werk für die Drohne „Flamingo“ wurde durch russische Angriffe zerstört, die Produktion inzwischen an einen anderen Standort verlagert. Laut Reisner zielten erste Einsätze auf strategische Objekte tief im russischen Hinterland – darunter eine Fertigungsfabrik in Wotkinsk, die in die Produktion von Iskander-, Oreschnik- und Kinschal-Systemen eingebunden ist, sowie ein Munitionsdepot in Kotluban. Die Schäden seien jedoch „überschaubar“.

Krieg geht in fünftes Jahr
Für eine nachhaltige Wirkung bräuchte es laut dem Experten größere Stückzahlen oder leistungsfähigere Marschflugkörper westlicher Bauart. Der „Flamingo“ sei „ein Produkt, das aus der Not heraus geboren ist“ – mit Fähigkeiten, aber auch klaren Grenzen.

Während der Krieg am Dienstag in sein fünftes Jahr geht, zeigt sich an der Front ein Bild, das eher an historische Grabenkämpfe als an moderne Bewegungskriege erinnert. Kleine Vorstöße, mühsam gesicherte Flussübergänge, Drohnenschwärme über den Stellungen – und politische Verhandlungen, die bislang keinen Durchbruch bringen.

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