Die Arc’teryx Freeride Academy zieht seit Jahren Freerider aus aller Welt nach St. Anton am Arlberg. Und mittendrin: Lisi Steurer. Eine der wenigen Bergführerinnen Österreichs – und eine, die zeigt, dass es beim Freeriden längst um mehr geht als nur um tiefen Pulverschnee, spektakuläre Lines und schnelle Likes.
Die Osttirolerin Lisi Steurer gehört zu jenen Guides, die den Teilnehmern der Academy nicht nur Abfahrten zeigen, sondern den Arlberg erklären. Seine Möglichkeiten. Seine Gefahren. Und seine besondere Magie. Genau das macht die Freeride Academy so besonders: Die kanadische Outdoor-Marke will hier nicht einfach Produkte präsentieren – sie will Wissen weitergeben.
„Der Unterschied zu klassischen Angeboten liegt hier im Erlebnis“, sagt Lisi. Skitouren mit Liftunterstützung, kurze Aufstiege, lange Abfahrten – etwa 400 Höhenmeter hinauf, mehr als 1300 hinunter. Und mittendrin: Athleten, Profiskifahrer, Fotografen und Filmemacher. Etwa die sympathische italienische Freeride-Athletin Silvia Moser, die nicht nur vormacht, wie man fährt, sondern auch, wie Entscheidungen entstehen.
„Die Teilnehmer sind mit Leuten unterwegs, die sie sonst nur aus Videos kennen. Sie sehen, wie Lines entstehen – und wie Freeride-Filme produziert werden“, so die Osttirolerin. Das Ganze wird geteilt, geliked, weitergetragen. Freeriden wird zu einem Community-Erlebnis.
Dass der Arlberg bis heute zu den weltweiten Freeride-Referenzen zählt, überrascht die 45-jährige Bergführerin nicht. „Schneesicher, großartige Abfahrten – und eine Infrastruktur, die ihresgleichen sucht.“ Skibusse im Minutentakt, Lifte, Hütten, Varianten ohne Ende. „Das ist ein Luxus, den man oft erst merkt, wenn man einmal woanders war.“
Und wer mit Lisi in den winterlichen Bergen unterwegs ist, merkt schnell: Ihr geht es nicht um Ego oder spektakuläre Kamerafahrten. Sondern um ehrliche Einschätzung, saubere Planung – und darum, dass alle am Ende wieder gesund im Tal ankommen. „Unfälle sind immer dramatisch. Unser oberstes Gebot ist, dass wir am Ende des Tages alle beim Kaffee oder Bier zusammensitzen“, sagt sie.
Einen zentralen Part der Academy ist deshalb die Sicherheit. Der Tiroler Bergführer Chris Riepl lehrt im Gelände Lawinenkunde, Risikoeinschätzung und richtiges Verhalten im Ernstfall vermittelt. Theorie, Praxis, Szenarien – nicht belehrend, sondern realitätsnah. „Gerade der heurige Winter ist außergewöhnlich, denn noch nie hatten wir eine so lange Zeit eine derart angespannte Lawinensituation.“
„Einfach großartige Freeride-Erlebnisse“
Was das bei den Teilnehmern der Arc‘teryx Academy auslöst, bringt der Tiefschnee-begeisterte Deutsche Tilmann Jaeger auf den Punkt: „Einfach großartige Freeride-Erlebnisse. Du lernst unglaublich viel – nicht nur übers Fahren, sondern übers Denken im Gelände.“
Auch für Händler ist die Academy mehr als ein Schaulaufen. Pascal Bommel vom Berliner Arc‘teryx-Händler TACWRK: „Hier trifft man die Anwender, die Bergführer, die Profis. Das ist für uns extrem wichtig. Community, Austausch, Nähe zu den Kunden – genau darum geht es.“
Sein Kollege Steve Brunzel sieht das ähnlich: „Als Händler muss man ganz genau wissen, was ein Produkt kann und wo seine Grenzen liegen.“
Feingefühl als Führungsqualität
Seit fast zwei Jahrzehnten ist Lisi Steurer eine der wenigen Bergführerinnen Österreichs. Der Frauenanteil liegt bei gerade einmal rund drei Prozent. Viel hat sich seither verbessert: bessere Ausrüstung, mehr Information, ein bunteres Publikum. „Früher war die Skitour oft eine Männergruppe mit einer Frau dabei. Heute gehen Frauen gemeinsam los, selbstbewusst.“
Was es weiterhin im Alpinismus brauche, seien weibliche Vorbilder – gerade in Führungsrollen. „Nicht schneller, höher, weiter ist entscheidend, sondern Umsicht, Geduld und Gespür für Menschen.“
Dass Lisi dieses Gespür hat, kommt nicht von ungefähr. Die Lienzerin ist nicht nur Bergführerin und Ausbildnerin, sondern auch Mama der fünfjährigen Heidi. „Du lernst automatisch, genauer hinzuschauen. Wer müde ist, wer unsicher wirkt, wer heute einen schlechten Tag hat – das hilft mir im Gelände extrem.“
Österreich als Guide-Hotspot
Österreich ist heute ein weltweiter Hotspot für Bergführer und Top-Guides, sagt Lisi. Nachfrage, Gelände, Infrastruktur – alles komme zusammen. Internationale Gäste schätzen kurze Zustiege, alpine Dichte und die Hüttenkultur. „Viele sind überwältigt – vom Sonnenuntergang auf der Terrasse bis zum Frühstück am Gipfel.“
Was sie oft unterschätzen: den Andrang. „Genau hier braucht es Bergführer, die wissen, wo noch Platz ist.“
Lisis wichtigster Rat an alle, die dem perfekten Schnee nachjagen? „Flexibel bleiben.“ Der Schnee wird lokaler, unberechenbarer. Fixe Programme sind passé. „Wir entscheiden oft erst kurzfristig, wo wir hingehen. Hirn einschalten, Sicherheit priorisieren – und akzeptieren, dass Perfektion nicht planbar ist.“
Denn am Ende des Tages zählt nur eines - dass alle wieder unten ankommen.
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