Anlässlich des Internationalen Holocaust-Gedenktags und als Reaktion auf die geplante Neigung des Karl-Lueger-Denkmals am Wiener Stubentor führten Aktivisten eine Protestaktion durch und ließen die Statue „verschwinden“. Die jüdische Hochschülerschaft zeigt sich von der kostspieligen „Kontextualisierung“ nach wie vor schockiert.
Lang gefordert, vielfach kritisiert, doch noch immer wenig passiert: Zumindest aus Sicht der bislang unbekannten Aktivisten, die in der Nacht auf Dienstag, dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, eine Aktion mit Symbolcharakter durchführten. Hintergrund ist die seit Jahren erhobene, bisher unerfüllte Forderung, das Lueger-Denkmal des antisemitischen Ex-Bürgermeisters am prominenten Platz am Stubentor aus dem Stadtbild zu entfernen. Die Statue, die derzeit von einem Bauzaun umgeben ist, wurde im Zuge der Aktion vollständig in schwarzes Nylon gehüllt. Zudem wurde vor dem Kopf der Figur ein Banner mit der Aufschrift „Abreißen“ auf Deutsch und Hebräisch angebracht.
Unbekannte Aktivisten veröffentlichten ein Video von der Protestaktion:
Schieflage für Lueger-Denkmal vorgsehen
Das Denkmal wurde 1926 errichtet und sorgt seit Jahren für Kritik und Debatten im Umgang mit der Statue. Immer wieder forderten Kritiker eine Umgestaltung oder sogar die Entfernung – bislang ohne Erfolg. Nach langem Hin und Her begann im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs die Umgestaltung im Sinne einer „Kontextualisierung“. Die Jury unter dem Vorsitz von Eva-Maria Stadler von der Universität für angewandte Kunst entschied sich schließlich für den Entwurf „Schieflage (Karl Lueger 3,5°)“ von Klemens Wihlidal. Dieser sieht ein Kippen der Statue um 3,5 Grad vor und soll laut dem Künstler eine „Irritation“ beim Betrachter auslösen.
Dass die Statue von einem Antisemiten geputzt und geneigt wird, geht uns nicht in den Kopf. Sie gehört abgerissen und nicht kontextualisiert.
Lia Guttmannn, Co-Präsidentin Jüdische österreichische HochschülerInnen
Die Umgestaltung und Restaurierung erforderten umfangreiche Planungen und Vorbereitungsarbeiten für Statik und Stabilität, nachdem das Denkmal gekippt werde, berichtete Kunst im öffentlichen Raum (KÖR) bereits im Sommer vorigen Jahres. Rund 500.000 hat die Stadt Wien für das Projekt veranschlagt.
Jüdische Studierende fordern weiterhin Abriss
Vielfache Kritik kommt weiterhin von den Jüdischen Hochschülerinnen und Hochschülern, die schon mehrfach ein Entfernen des Denkmals forderten. Ihrer Ansicht nach verherrliche die Statue Antisemitismus, statt sich davon abzugrenzen. „Dass eine Statue von einem Antisemiten und Hitler-Idol im Jahr 2026 geputzt und geneigt wird, geht für uns nicht in den Kopf“, kritisiert Co-Präsidentin Lia Guttmann.
Die Studierenden sprechen sich nach wie vor für ein Abreißen aus, betonen aber, dass sie eigenen Angaben zufolge nicht an der aktivistischen Aktion beteiligt waren. „Die Statue von Karl Lueger gehört abgerissen und nicht kontextualisiert“, lautet ihr Urteil zur geplanten Umgestaltung, die noch in diesem Sommer abgeschlossen werden soll.
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