8 Grad im Wohnzimmer
So überleben alte Menschen im bitterkalten Kiew
In der ukrainischen Hauptstadt Kiew werden in den kommenden Tagen bis zu minus 20 Grad Celsius erwartet. Auch viele Wohnungen sind aufgrund russischer Angriffe nicht warm. Zehntausende Haushalte waren im Jänner immer wieder von der Stromversorgung abgeschnitten, in der Hälfte der Wohnblöcke funktionierte die Heizung nicht mehr.
„Meine Hände, meine Finger, sie werden taub“, erzählt die 89-jährige Jewgenia Jeromina der Nachrichtenagentur AFP. Sie wärmt ihre Hände über der Gasflamme am Herd und trägt mehrere Schichten Kleidung. „Es gab ein bisschen Wärme und dann – bumm – haben sie (das russische Militär, Anm.) wieder bombardiert und jetzt funktioniert nichts mehr“, sagt sie weiter. Derzeit arbeiten Reparaturteams mit Hochdruck daran, die Häuser wieder mit Strom und Wärme zu versorgen. Die extreme Kälte und immer wieder neue Luftangriffe erschweren die Instandsetzung aber. Anfang der Woche waren mehr als 900 Gebäude ohne Fernwärme.
„Man kann alles überstehen, ein Stück Brot mit Tee essen und schon geht es einem besser. Aber meine Nerven halten das nicht aus“, sagt die 88-jährige Esfir Rudminska. Sie trägt bis zu drei Pullover übereinander. Unter die Bettdecken hat sie ein paar Flaschen mit heißem Wasser gepackt, eine Powerbank versorgt das Handy mit Strom, auf dem sie Kreuzworträtsel löst. „Manchmal, wenn niemand zu Hause ist, dann weine ich, obwohl ich eigentlich keine Heulsuse bin“, sagt Rudminska.
Improvisation gegen Kälte
Vor allem für alte Menschen ist es ein Kampf ums Überleben. Die verbliebenen Einwohnerinnen und Einwohner Kiews müssen improvisieren, um nicht zu erfrieren. Freiwillige der Stiftung Starenki kümmern sich um alte Menschen, versorgen sie mit Lebensmitteln und anderen überlebenswichtigen Dingen. „Die Freiwilligen bringen auch Zeit für einen kleinen Plausch mit. Das ist sehr wichtig – nicht nur die Lebensmittel, sondern auch die Zuwendung“, sagt Alina Diaschenko, Leiterin des Stiftungsprogramms.
Die EU hat angekündigt, Stromgeneratoren in die Ukraine zu senden. Damit sollen vor allem Krankenhäuser, Notunterkünfte und kritische Dienste versorgt werden. Am Mittwoch hat Italiens Regierung eine neue Hilfslieferung für das Kriegsland angekündigt, darunter auch Heizkessel und Stromgeneratoren. Die großen Heizkessel seien für beschädigte städtische Netze, Krankenhäuser und grundlegende Dienste bestimmt, teilte das Büro von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mit. Die Generatoren sollen Krankenhäusern, Wasserversorgungssystemen und kritischen Infrastrukturen zugutekommen und im Fall von Stromausfällen unterstützen.












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