In Zukunft soll bei Einsätzen der Vorarlberger Notärzte kein diplomiertes Pflegepersonal mehr mitfahren – das sorgt für eine Welle des Protests im Land. Nicht nur Ärzte kritisieren die neueste Sparmaßnahme des Landes.
Der Umbau des Vorarlberger Gesundheitssystems sorgt seit Monaten für Aufregung. Viele Entscheidungen werden von Fachleuten als sachlich nicht gerechtfertigt eingeschätzt, doch der Sparwille des Landes scheint ungebrochen. Jüngstes Beispiel: Bei Einsätzen der Notärzte sollen künftig keine diplomierten Pflegekräfte mehr beteiligt sein. Diese Entscheidung sorgt bei der Ärztekammer für Kopfschütteln: „Der gehobene Pflegedienst in den Notarzteinsatzfahrzeugen ist kein verzichtbarer Komfort oder organisatorischer Luxus, sondern ein sicherheitsrelevanter Kernbestandteil des präklinischen Notfallkonzepts“, hält Alexander Loibnegger, Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte und Ärztinnen in der Vorarlberger Ärztekammer, fest.
In hochkomplexen Einsatzsituationen ermögliche er das rasche, strukturierte und sichere Handeln, das die Arbeit der Notärztin beziehungsweise des Notarztes auf dem heutigen Qualitäts- und Sicherheitsniveau überhaupt möglich macht.
Loibnegger ist der Ansicht, dass mit Entscheidungen wie dieser auch die Sicherheit der Patienten in Frage gestellt wird. Den Verweis auf andere Bundesländer, in denen ebenfalls keine diplomierten Pflegekräfte für Notarzt-Einsätze herangezogen würden, lässt er nicht gelten: Es dürfe bei allen gebotenen Sparmaßnahmen nicht so weit kommen, dass sich das Land in der medizinischen Versorgung an niedrigeren Sicherheits- und Qualitäts-Standards orientiert. Ganz im Gegenteil fordert der Mediziner sogar, dass die Ausbildung der Notfall-Sanitäter ausgebaut werden sollte. In der Schweiz, in Liechtenstein und Deutschland dauert die Ausbildung dazu rund drei Jahre, in Österreich nur einige Monate.
„Nicht hinnehmbar“
Mit seiner Kritik an den Streichungsplänen ist Loibnegger nicht allein. Neben den Einsatzteams, die ihren Unmut bereits in einen offenen Brief an die Landesregierung gepackt haben, lassen auch die Grünen kein gutes Haar an der Sparmaßnahme. „Mit dieser Kürzung entzieht die schwarz-blaue Landesregierung Notärztinnen und Notärzten in besonders schwierigen Situationen bewährte Unterstützung“, hieß es vonseiten der grünen Gesundheitssprecherin Christine Bösch-Vetter – und das sei schlicht nicht hinzunehmen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.