Notarzt-Einsätze

Standards nach unten nivelliert: Ärzte üben Kritik

Vorarlberg
23.01.2026 16:03
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

In Zukunft soll bei Einsätzen der Vorarlberger Notärzte kein diplomiertes Pflegepersonal mehr mitfahren – das sorgt für eine Welle des Protests im Land. Nicht nur Ärzte kritisieren die neueste Sparmaßnahme des Landes. 

Der Umbau des Vorarlberger Gesundheitssystems sorgt seit Monaten für Aufregung. Viele Entscheidungen werden von Fachleuten als sachlich nicht gerechtfertigt eingeschätzt, doch der Sparwille des Landes scheint ungebrochen. Jüngstes Beispiel: Bei Einsätzen der Notärzte sollen künftig keine diplomierten Pflegekräfte mehr beteiligt sein. Diese Entscheidung sorgt bei der Ärztekammer für Kopfschütteln: „Der gehobene Pflegedienst in den Notarzteinsatzfahrzeugen ist kein verzichtbarer Komfort oder organisatorischer Luxus, sondern ein sicherheitsrelevanter Kernbestandteil des präklinischen Notfallkonzepts“, hält Alexander Loibnegger, Vizepräsident und Kurienobmann der angestellten Ärzte und Ärztinnen in der Vorarlberger Ärztekammer, fest.

In hochkomplexen Einsatzsituationen ermögliche er das rasche, strukturierte und sichere Handeln, das die Arbeit der Notärztin beziehungsweise des Notarztes auf dem heutigen Qualitäts- und Sicherheitsniveau überhaupt möglich macht.

Loibnegger ist der Ansicht, dass mit Entscheidungen wie dieser auch die Sicherheit der Patienten in Frage gestellt wird. Den Verweis auf andere Bundesländer, in denen ebenfalls keine diplomierten Pflegekräfte für Notarzt-Einsätze herangezogen würden, lässt er nicht gelten: Es dürfe bei allen gebotenen Sparmaßnahmen nicht so weit kommen, dass sich das Land in der medizinischen Versorgung an niedrigeren Sicherheits- und Qualitäts-Standards orientiert. Ganz im Gegenteil fordert der Mediziner sogar, dass die Ausbildung der Notfall-Sanitäter ausgebaut werden sollte. In der Schweiz, in Liechtenstein und Deutschland dauert die Ausbildung dazu rund drei Jahre, in Österreich nur einige Monate.

„Nicht hinnehmbar“
Mit seiner Kritik an den Streichungsplänen ist Loibnegger nicht allein. Neben den Einsatzteams, die ihren Unmut bereits in einen offenen Brief an die Landesregierung gepackt haben, lassen auch die Grünen kein gutes Haar an der Sparmaßnahme. „Mit dieser Kürzung entzieht die schwarz-blaue Landesregierung Notärztinnen und Notärzten in besonders schwierigen Situationen bewährte Unterstützung“, hieß es vonseiten der grünen Gesundheitssprecherin Christine Bösch-Vetter – und das sei schlicht nicht hinzunehmen.

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