Frust im Ländle

Nur Wiener Volksschüler sind noch schlechter

Vorarlberg
11.03.2026 16:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Eine aktuelle Studie zum Kompetenzniveau der österreichischen Volksschüler zeichnet für Vorarlberg ein erschreckendes Bild: Das Ländle liegt in fast allen Bereichen deutlich unter dem Bundesschnitt. Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP) sieht nun vor allem den Bund in der Pflicht.

Unter dem etwas sperrigen Titel „Individuelle Kompetenzmessung PLUS“ (iKM+) werden die grundlegenden Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern in Österreich erhoben, um daraus Impulse für die Unterrichts- und Schulentwicklung abzuleiten. Das Instrument wurde im Schuljahr 2021/22 eingeführt und hat die früheren Bildungsstandardüberprüfungen ersetzt.

Nun hat das Bildungsministerium erstmals Ergebnisse für die Bereiche Deutsch und Mathematik in der Primarstufe veröffentlicht – und diese fallen aus Ländle-Sicht desaströs aus. Die Kompetenzen von Vorarlbergs Volksschülern liegen in fast allen Bereichen unter dem Niveau der anderen Bundesländer: In Mathematik erreichen in Vorarlberg 81 Prozent der Kinder die eigentlich vorgegebenen Bildungsstandards – österreichweit sind es 84 Prozent. Beim Lesen liegt Vorarlberg mit 55 Prozent ebenfalls unter dem Schnitt von 59 Prozent.

Neben Mathematik und Lesen wurden auch Kompetenzen beim Zuhören und beim Verfassen von Texten erhoben. Auch in diesen Bereichen liegen die Vorarlberger Ergebnisse unter dem Level der meisten anderen Bundesländer.

„Diese Ergebnisse sind nicht zufriedenstellend“
Unter dem Strich ergibt sich ein ernüchterndes Bild: Nur in Wien ist das Leistungsniveau noch schlechter. Spitzenreiter ist übrigens das Burgenland: Dort schaffen immerhin 91 Prozent der Kinder die Standards in Mathematik und 71 Prozent in Deutsch. 

Zitat Icon

Diese Ergebnisse sind nicht zufriedenstellend. Unser Anspruch muss sein, die Grundkompetenzen der Kinder konsequent zu stärken.

Barbara Schöbi-Fink

Vorarlbergs Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink bemüht sich gar nicht erst um Schönfärberei: „Diese Ergebnisse sind nicht zufriedenstellend. Sie sind ein klarer Arbeitsauftrag. Unser Anspruch muss sein, die Grundkompetenzen der Kinder konsequent zu stärken – vor allem in Sprache, Lesen und Mathematik. Gerade Schulen mit größeren sozialen und sprachlichen Herausforderungen brauchen dafür wirksame Unterstützung und passende Rahmenbedingungen.“ Überrascht haben sie die Ergebnisse allerdings nicht – die Befunde würden sich mit jenen decken, die sich bereits im Vorarlberger Bildungsmonitoring abgezeichnet hätten.

Mit den Ergebnissen ist man in Vorarlberg nicht zufrieden.
Mit den Ergebnissen ist man in Vorarlberg nicht zufrieden.(Bild: drubig photo – stock.adobe.com)

Hoher Migrantenanteil als mögliche Erklärung
Stellt sich die Frage, warum Vorarlbergs Volksschüler derart schlecht abschneiden? Eine mögliche Erklärung liegt im überdurchschnittlichen Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in den Klassen – nur in Wien ist dieser noch höher. Es ist naheliegend, dass die Leseleistungen bei einem Kind, das mit einer anderen Erstsprache als Deutsch in die Volksschule kommt, schlechter sind als bei einem, welches von Geburt an mit Deutsch als Primärsprache aufgewachsen ist.

Auffallend ist darüber hinaus, dass es in Vorarlberg vergleichsweise viele Kinder gibt, deren sozialökonomischer Hintergrund für eine erfolgreiche Bildungskarriere suboptimal ist. So besuchen etwa die Hälfte der Kinder Schulen, die mit „eher herausfordernden sozialen Voraussetzungen“ zu kämpfen haben – das sind mehr als doppelt so viel wie im Schnitt der anderen Länder. Umgekehrt werden deutlich weniger Kinder an Schulen unterrichtet, an welchen das sozioökonomische Klima günstig ist.

Landesrätin sieht Bund in der Pflicht
Es gibt also massiven Handlungsbedarf. Schöbi-Fink ortet diesen vor allem beim Bund: „Man muss die Verantwortlichkeiten sauber trennen. Das Land kann Entwicklungen sichtbar machen, gezielt Impulse setzen und gemeinsam mit der Bildungsdirektion an Verbesserungen arbeiten. Aber die zentralen systemischen Hebel liegen beim Bund.“

Sie fordert daher, dass das Bildungsministerium aus den Vorarlberger Monitoring-Ergebnissen Konsequenzen zieht: „Wer bessere Ergebnisse will, muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen. Es reicht nicht, Probleme zu benennen. Der Bund ist gefordert, dort nachzubessern, wo Schulen und Bildungsdirektionen seit Jahren auf Grenzen stoßen – etwa bei der personellen Ausstattung, bei praxistauglichen Modellen der Sprachförderung und bei Rahmenbedingungen, die Schulen mehr Handlungsspielraum statt zusätzlicher Starrheit geben.“

Ergebnisse analysieren und Maßnahmen setzen
Seitens der Vorarlberger Bildungsdirektion wird indes betont, dass man nun mit den Schulen und anderen pädagogischen Partnern die Studienergebnisse genau analysieren und daraus Maßnahmen ableiten wolle. Ein Hauptaugenmerk soll auf die Stärkung der Lesekompetenzen gelegt werden – diesbezüglich seien bereits einige vielversprechende Initiativen auf den Weg gebracht worden. Diese werde man weiter forcieren.

Dass Schöbi-Fink vor allem den Bund die Pflicht nimmt, kommt bei der Opposition nicht gut an. „Landesrätin Schöbi-Fink schiebt reflexartig dem Bund die Schuld zu. Statt Ausreden zu suchen, sollte die Landesregierung diese Studie als klaren Auftrag verstehen und endlich in Kinder, Bildung und frühe Sprachförderung investieren“, kritisiert etwa Grünen-Bildungssprecherin Eva Hammerer.

Konkret fordert sie, dass bereits im Kindergarten größter Wert auf die Deutschförderung gelegt wird: „Wenn Kinder erst in der Volksschule Deutsch lernen, ist es oft schon zu spät.“ Dafür benötige es vor allem mehr Personal und bessere Ausbildungsstrukturen: „Sprachförderung funktioniert nur mit genügend Fachkräften. Deshalb brauchen wir endlich einen zweiten Ausbildungsstandort im Unterland – öffentlich organisiert und nicht privat. Nur so können wir ausreichend qualifizierte Fachkräfte ausbilden“, so Hammerer.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Vorarlberg Wetter
5° / 9°
Symbol einzelne Regenschauer
6° / 12°
Symbol einzelne Regenschauer
7° / 11°
Symbol einzelne Regenschauer
6° / 12°
Symbol einzelne Regenschauer
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt