Nur ein Prozent Plus

Was den österreichischen Handel in die Knie zwingt

Wirtschaft
16.01.2026 08:00

Der Handel befindet sich mittlerweile das ganze Jahr im Ausverkauf. Die Kaufleute ächzen unter den hohen Energiekosten, der Bürokratie und dem Druck der Konkurrenz aus Übersee. Während das Weihnachtsgeschäft traditionell für schwarze Zahlen sorgt, sieht sich so manche Existenz bedroht. 

Der österreichische Handel blickt auf ein Jahr als konjunkturelles Schlusslicht der Eurozone zurück und verzeichnete 2025 ein Umsatzplus von real nur einem Prozent. Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will erklärt, dass staatliche Ausgaben wesentlich zu diesem Ergebnis beigetragen hätten – ohne sie wäre die Bilanz noch schwächer ausgefallen. Die Ursachen dafür sind vielfältig.

Hohe Energiepreise und Umsatzrückgänge setzen zu
Die Konsumenten schlagen aufgrund der Teuerung fast nur noch bei Sonderangeboten zu. Das galt ebenso im wichtigen und zuletzt auch guten Weihnachtsgeschäft. Manche Sparten, wie beispielsweise der Buchhandel, hatten dabei sogar Rückgänge (minus 2,7 Prozent Umsatz im vierten Quartal). Zahlreiche Verkäufer taumeln obendrein von einer Kostenlawine zur nächsten: Energie, Personal und Bürokratieaufwand explodieren, was im Jahr 2025 zu insgesamt 23 Insolvenzen pro Woche im Handel geführt hat. Damit steht das dritte Rekordpleitenjahr in Folge fest.

Trotz positiver Weihnachtssaison läuft es in den Geschäften nicht rund.
Trotz positiver Weihnachtssaison läuft es in den Geschäften nicht rund.(Bild: APA/TOBIAS STEINMAURER)

Handel verliert 3,5 bis 4 Milliarden Euro an China 
Thalia-Geschäftsführerin Andrea Heumann kritisiert die gestiegenen Energiekosten und die gegenseitigen Beteiligungen zwischen den Versorgern scharf: „Erdgas, Strom und Fernwärme sind die drei Haupttreiber – wir brauchen eine Liberalisierung des Energiesektors.“ Otto-Österreich-Chef Harald Gutschi sieht die Paketflut aus Drittstaaten kritisch. Trotz 12.000 heimischer Onlineshops fließen 60 Prozent der Konsumausgaben ins Ausland – vor allem nach China. Dadurch entgehen dem österreichischen Handel zwischen 3,5 und 4 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr.

Für ihn kommt dabei auch die von der EU beschlossene „Zollpflicht ab dem ersten Euro“ im Jahr 2028 zu spät. Das bedeutet eine Abschaffung der Zollfreigrenze für Pakete mit einem Warenwert von unter 150 Euro aus Drittländern, die dadurch und mit Billigware große Wettbewerbsvorteile gegenüber österreichischen Händlern genießen. 

Steuerentlastung gibt Hoffnung
Für das laufende Jahr zeigen sich die Händler laut einer Umfrage des Handelsverbands durchaus zuversichtlicher. 45 Prozent der befragten Einzelhändler erwarten 2026 einen Gewinn, nach nur 26 Prozent der Befragten im Vorjahr. Als Lichtblicke gelten dieses Jahr die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel sowie die 3-Euro-Zollgebühr auf Pakete unter 150 Euro aus Drittstaaten, die den unfairen Wettbewerbsvorteil verringern soll.

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