







Ein Parteitag zwischen Solidarisierungseffekt und Streichkonzerten – und am Ende konnte Andreas Babler aufatmen: Mit respektablen 81,5 Prozent wurde er erneut zum SPÖ-Parteichef gewählt. Obwohl der Vizekanzler als einziger Kandidat zur Abstimmung stand, war der Druck im Vorfeld hoch gewesen. In seiner Rede rang Babler am Vormittag noch emotional um Stimmen ... Der Parteitag zum Nachlesen.
Erinnerungen um das Excel-Dilemma des Kampfparteitags wurden wach, als sich die Verkündung von Bablers Wahlergebnisses massiv verzögerte. Erst nach 17 Uhr gab es die offizielle Zahl: 81,51 Prozent. Zwar ein Minus zum letzten Mal – beim vergangenen Parteitag in Graz hatte er rund 88,8 Prozent eingefahren – aber deutlich über der „Rendi-Marke“ von 75,3 Prozent.
Resultat ist weder Stärkung noch Schwächung
Mit dem Ergebnis dürften die kritischen Stimmen innerhalb der Partei – zumindest vorerst – verstummen. Auch, weil im Parteivorstand alle Mitglieder mit über 90 Prozent klar bestätigt wurden. Babler selbst war bei den Gremien-Wahlen der einzige Vertreter, der mit einem Ergebnis weit unter 90 Prozent versehen wurde.
Im Vorstand überwanden diese Marke sämtliche Bewerber, im Präsidium blieb nur Kassier Christoph Matznetter mit 88,6 Prozent darunter. Besonders stark schnitten der Tiroler Landesvorsitzende Philip Wohlgemuth mit 98,8 Prozent sowie Regierungskoordinatorin Michaela Schmidt mit 98,5 Prozent ab. Bablers „Gegenkandidat“, der Burgenländer Berthold Felber, durfte ganze drei Stimmen für sich verzeichnen.








Emotionaler Wahl-Appell
Fast pünktlich hatte der Vizekanzler kurz nach halb 11 seine Rede begonnen, mit einer Hommage an die Kraft der Frauen, dem Blick in die Krisenregion Iran und einem Dank an Peter Kaiser, dessen letzter Parteitag als Landeshauptmann es war. Dann wurde er emotional – und ritt Attacken gegen Kickl, Trump und den eigenen Koalitionspartner ÖVP. „Gehen wir geschlossen raus, stärken wir uns selbst“, rang er um Zustimmung.
Eröffnet war der Parteitag zuvor mit einer Rede des mächtigen Wiener Bürgermeisters Michael Ludwig worden. „Da können sich alle ein Beispiel nehmen“, streute er der neuen, alten Frauenvorsitzenden Eva-Maria Holzleitner für ihre Wiederwahl am Freitag mit 98,92 Prozent Rosen. Womöglich ein versteckter Hinweis an die Delegierten für die Wahl des Parteichefs – an den viele sich am Ende wohl hielten.
Lesen Sie die Ereignisse und Reaktionen hier nach:
Solidarisierungseffekt nach Kern-Manöver?
„Es hilft ja nichts“, kaum einen Satz hörte man im Vorfeld des SPÖ-Parteitags häufiger, wenn man mit Sozialdemokraten über die Ausgangslage und ihr Abstimmungsverhalten sprach. Vizekanzler Babler ist nach dem Einfahren des schlechtesten Parteiergebnisses der Geschichte und noch schlechteren Umfragen in den eigenen Reihen bekanntlich nur mehr geduldet, aber dennoch der einzig echte Kandidat.
Ex-Kanzler Kern räumte zwar Übernahme-Überlegungen ein, entschied sich bekanntlich – trotz bereits geführter Gespräche mit dem Staatsoberhaupt Alexander Van der Bellen – gegen einen Antritt. Ein Manöver, das den Babler-Kritikern nicht gefallen hat und nun zu einer Art Solidarisierungseffekt auf dem Parteitag führen dürfte.
Ein solides Ergebnis im 80-Prozent-Bereich bescheinigten viele Genossen ihrem Parteichef im Vorfeld. „Es ist traurig genug, dass es niemand anderen gibt. Ein Gegenkandidat wäre demokratiepolitisch gut gewesen und hätte eine klare Entscheidung herbeigeführt“, meint ein hoher Roter zur „Krone“.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.