Mit 50 Millionen Euro

„Aktion 55+“: Neue Chancen für ältere Arbeitslose

Innenpolitik
09.01.2026 14:36

Mit der Aktion 55+ startet die Bundesregierung ein arbeitsmarktpolitisches Programm, das älteren Arbeitslosen neue Perspektiven eröffnen soll. Ziel ist die Integration von Menschen ab 55 Jahren in den Arbeitsmarkt. Vorgestellt wurde das Projekt von Arbeitsministerin Korinna Schumann und dem AMS.  

„Arbeit ist weit mehr als ein Gehalt am Monatsende“, betonte Ministerin Schumann. Es gehe dabei auch um soziale Teilhabe, Selbstwert und Struktur im Alltag. Gerade für Menschen über 55 Jahren sei Arbeitslosigkeit besonders belastend, da sie am Arbeitsmarkt häufig mit Vorurteilen konfrontiert seien, hieß es am Freitag bei einer Pressekonferenz von Arbeitsministerin Korinna Schumann. Ältere Arbeitnehmer würden oft als weniger leistungsfähig, weniger lernbereit oder gesundheitlich eingeschränkt wahrgenommen – Einschätzungen, die der Realität vielfach widersprechen.

Anhand eines persönlichen Beispiels schilderte die Ministerin das Schicksal eines 57-jährigen Fach- und Führungskräfte-Mitarbeiters, der nach mehr als 25 Jahren Berufserfahrung trotz dutzender Bewerbungen keine neue Anstellung fand. „Seine Geschichte steht stellvertretend für viele hoch qualifizierte Menschen, die arbeiten wollen, deren Erfahrung aber übersehen wird.“

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Seine Geschichte steht stellvertretend für viele hoch qualifizierte Menschen, die arbeiten wollen, deren Erfahrung aber übersehen wird.

Korinna Schumann, Bundesministerin für Arbeit (SPÖ)

50 Millionen Euro jährlich für neue Jobs
Die Aktion 55+ soll hier gezielt gegensteuern. Ab 2026 stehen jährlich 50 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen 3000 bis 6000 geförderte Arbeitsplätze für ältere Arbeitslose geschaffen werden sollen. Rund 60 Prozent der Mittel fließen in sozioökonomische Betriebe und gemeinnützige Beschäftigungsprojekte, die zeitlich befristete Jobs mit intensiver Begleitung bieten. Die restlichen 40 Prozent werden für Eingliederungsbeihilfen im privatwirtschaftlichen Bereich eingesetzt.

AMS: Beschäftigung Älterer steigt
AMS-Vorstandsmitglied Petra Draxl präsentierte aktuelle Zahlen zur Beschäftigung älterer Menschen in Österreich: „Seit 2008 hat sich die Zahl der unselbstständig Beschäftigten über 55 Jahre nahezu verdreifacht“. Auch die Erwerbstätigenquote sei deutlich gestiegen, insbesondere bei Frauen. Dennoch sei die Zahl der arbeitslosen und langzeitarbeitslosen Personen in dieser Altersgruppe weiterhin hoch. 

Besonders wichtig ist dabei ein differenzierter Blick auf das Thema Gesundheit. Mehr als die Hälfte der Arbeitslosen über 55 Jahre hat keine gesundheitlichen Einschränkungen und steht dem Arbeitsmarkt voll zur Verfügung. Das gängige Bild vom „nicht mehr belastbaren älteren Arbeitnehmer“ sei daher sachlich nicht haltbar, wie Draxl betont.

Kritik an Kosten wurde zurückgewiesen
Ein zentrales Element der Aktion 55+ ist die individuelle Beratung und Begleitung. Neben finanziellen Förderungen werden Einrichtungen gestärkt, die gemeinsam mit Betroffenen berufliche Perspektiven entwickeln und passende Arbeitsplätze finden. Gerade nach längerer Arbeitslosigkeit ist diese Unterstützung entscheidend.

Kritik an den Kosten des Programms wies die Ministerin zurück. Erfahrungen aus der früheren „Aktion 20.000“ hätten gezeigt, dass Investitionen in Beschäftigungsprogramme für ältere Menschen langfristig wirken. 

Appell an Unternehmen und Arbeitssuchende
Zum Abschluss richteten die Verantwortlichen einen klaren Appell an Wirtschaft und Gesellschaft: Ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seien wertvoll, insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels. Unternehmen sind eingeladen, dieses Potenzial zu nutzen. Arbeitssuchende über 55 wurden ermutigt, sich aktiv beim AMS über die Aktion 55+ zu informieren und das Angebot als neue Chance zu sehen. 

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