Hamsterkäufe, Blackout
Caracas: „Jets kreisten eine Stunde über Stadt“
Seit den frühen Morgenstunden am Samstag herrscht Ausnahmezustand in Venezuela. Die „Krone“ erreicht Unternehmer V. E. in Caracas. Zu seiner Sicherheit will er anonym bleiben. Er schildert den Beginn der Angriffe: Kampfjets über der Stadt, Strom- und Internetausfälle, Hamsterkäufe und große Unsicherheit. Die Angst richte sich weniger nach außen als vor dem eigenen Regime.
Unternehmer V. E. hält sich zum Zeitpunkt des Angriffs in Caracas auf. „Ich bin zu Hause“, sagt er im Telefoninterview über „WhatsApp“. Mittlerweile läuft auch das Internet in der Hauptstadt wieder. Doch sonst ist nichts so, wie es war, als er am Freitagabend zu Bett gegangen ist.
Der Beginn der Ereignisse überrascht ihn im Schlaf. „Ich habe geschlafen, als alles losging“, berichtet V. Wegen der Feiertage sei er bei seinen Eltern gewesen. „Meine Mutter hat uns geweckt und gesagt: Das Land wird angegriffen.“ Die Uhrzeit gibt er mit etwa drei Uhr morgens an. Unmittelbar danach verfolgte die Familie die Nachrichten. „Ab diesem Moment saßen wir vor dem Fernseher und haben zwischen CNN, BBC und einem kolumbianischen Sender gewechselt.“
Ich wohne nicht in der Nähe militärischer Einrichtungen, deshalb habe ich die Einschläge nicht gehört.
Unternehmer zur „Krone“
Flugzeuge über der Stadt
V. selbst nimmt keine Explosionen wahr. „Ich habe kein Bombardement gehört“, sagt er. Aber: „Wir haben die Flugzeuge gehört.“ Kampfjets seien mindestens eine Stunde lang über der Stadt gekreist. „Ich wohne nicht in der Nähe militärischer Einrichtungen, deshalb habe ich die Einschläge nicht gehört.“ Freunde von ihm, die näher an militärischen Zonen leben, hätten sich früh gemeldet. „Sie haben angerufen und bestätigt, dass das, was in den sozialen Medien kursiert, stimmt.“
Lage in der Stadt
Am Morgen beschreibt V. die Situation als ruhig, aber angespannt. „Im Moment ist es ziemlich ruhig.“ Gleichzeitig berichtet er von hoher Polizeipräsenz. Zivilisten versuchen, sich zu versorgen. „Viele Menschen kaufen Lebensmittel und Medikamente.“ Supermärkte und Apotheken seien stark frequentiert.
Verzögerte Kommunikation der Regierung
Kritisch sieht V. die Reaktion der Regierung. „In den frühen Morgenstunden haben wir nichts Offizielles gehört.“ Erst später wurde ein Video des Verteidigungsministeriums ausgestrahlt. Darin erklärte dieser, Venezuela werde von den USA angegriffen. Doch da habe Donald Trump bereits gepostet, Nicolás Maduro sei aus dem Amt entfernt worden. „Diese Nachricht kam etwa 15 bis 20 Minuten vorher.“ Von offizieller Seite folgte laut V. nur noch eine Wortmeldung. „Sie forderten einen Beweis, dass Nicolás Maduro noch am Leben ist.“ Weitere Informationen habe es nicht gegeben. „Von offizieller Seite tappen wir im Dunkeln.“
Strom- und Internetausfälle
Vor allem die ersten Stunden seien von großer Unsicherheit geprägt gewesen. In mehreren Stadtteilen kam es zu Blackouts. Auch das Internet sei gerade in den ersten Stunden stark eingeschränkt. Der Geschäftsmann betont, dass die Sorge der Bevölkerung nicht von außen komme. „Wir haben keine Angst vor den USA oder dem US-Militär.“ Die Angst richte sich auf das eigene Regime. „Wir fürchten, was die Regierung mit jenen machen könnte, die offen froh über die Entwicklungen sind.“ In sozialen Netzwerken beobachtet V. überwiegend Zustimmung. „Es gibt unzählige Nachrichten und Anrufe.“ Seiner Einschätzung nach unterstütze nur eine Minderheit die Regierung. „Vielleicht rund zehn Prozent. Die Mehrheit sieht das als positive Entwicklung.“
Wir fürchten, was die Regierung mit jenen machen könnte, die offen froh über die Entwicklungen sind.
V.E. will daher auch anonym bleiben.
Militärbewegungen
V. und seine Familie bleiben vorerst in der Wohnung. Freunde berichten jedoch von militärischen Bewegungen. „Sie sehen Truppen und Sicherheitskräfte von ihren Wohnungen aus.“ Es gebe Aufmärsche in mehreren Stadtteilen und Großstädten.
Einkaufen, bevor Währung noch mehr an Wert verliert
Parallel verschärft sich die wirtschaftliche Lage. V. verweist auf Hyperinflation und Schwarzmarkt. „Der Wechselkurs ist innerhalb weniger Stunden gestiegen.“ Das erhöhe den Druck auf die Bevölkerung. „Die Leute kaufen schnell, bevor ihr Geld weiter an Wert verliert.“ Seine Einschätzung: „Wer jetzt nur Bolívares hat, hat in wenigen Stunden rund die Hälfte seines Geldes verloren.“
Wer übernimmt die Macht?
Wie es politisch weitergeht, ist aus Sicht V. offen. „Jetzt wird es heikel.“ Viele Regimekräfte aus der zweiten Reihe seien noch auf freiem Fuß. „Viele befürchten, dass manche nun in Maduros Abwesenheit die Macht übernehmen.“ V. hält interne Machtkämpfe für möglich. „Vielleicht kommt es zu Auseinandersetzungen innerhalb des Militärs.“ Ein direkter Konflikt mit den USA erscheine ihm weniger wahrscheinlich. Er verweist auf Aussagen der Opposition. „María Corina Machado hat erklärt, sie habe Unterstützung aus Polizei und Militär, um einen Übergang einzuleiten. Das ist unsere Hoffnung.“

„Niemand will, dass sein Land angegriffen wird“
V. ist sich bewusst, dass militärische Interventionen umstritten sind. „Niemand will, dass sein eigenes Land angegriffen wird.“ Aus seiner Sicht sei der Eingriff dennoch notwendig gewesen. „Wir brauchten diese Hilfe.“ Und er ergänzt: „Es ist traurig, dass ein Angriff nötig war, um Unterstützung zu bekommen.“ Viele Venezolaner seien jedoch bereit gewesen, diesen Preis zu zahlen – „vorausgesetzt, es wurden keine Zivilisten verletzt und nur militärische Ziele getroffen. Wir sind unsicher, was kommt. Aber wir sehen diese Entwicklung als notwendigen Schritt.“













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