Donald Trumps riskanter Vorstoß in Venezuela sorgt weltweit für Aufsehen. Der Coup gegen das Maduro-Regime ist kein einfacher Schlag gegen Drogenkartelle, sondern Teil einer umfassenderen US-Strategie, die Lateinamerika erneut in den Fokus amerikanischer Machtpolitik rückt. „Krone“-Doyen Kurt Seinitz analysiert:
Ein Narko-Präsident weniger? Ein tollkühner Handstreich des US-Militärs? Eine neue Heldentat des Westentaschen-Cäsar im Weißen Haus?
Schön wär’s, wäre die Angelegenheit damit erledigt. Aber so ist es nicht. Nach dem Schock setzt im Weltgeschehen der Fallout ein und das Echo wird gewaltig sein. Nichts in der Politik bleibt ohne Folgen.
Keine guten Aussichten
Das Maduro-Regime ist zwar kein Wort der Verteidigung wert, aber wenn der US-Präsident in Venezuela einen Regimewechsel erzwingt, wie will er reagieren, falls China einen Regimewechsel auf Taiwan erzwingt oder Russland den nächsten Versuch in Kiew startet? Das sind wirklich keine guten Aussichten für die Ukraine und erklärt Trumps Leisetreten gegenüber Russland.
Trumps Verhalten ist das Zurück zum Recht auf „Hinterhöfe“ von Großmächten, also auch für China und Russland, die er einzig als gleichwertig anerkennt. Man muss befürchten, dass Trump ganz Europa dem Hinterhof Russlands zuordnet.
42. Regimewechsel durch USA in Lateinamerika
Übrigens: Venezuela ist der 42. Regimewechsel der USA in Lateinamerika, darunter 1989 die Invasion in Panama und Verhaftung des dortigen Narko-Machthabers Noriega. Dazu Dutzende Besetzungen und Hunderte Truppenlandungen seit 1898. Diktatoren waren nur böse, wenn sie nicht nach der Pfeife Washingtons tanzten; eingedenk der historisch belegten Aussage eines US-Generals: „Er (der Diktator) ist zwar ein Hurensohn, aber er ist unser Hurensohn“.
(Wieder-) Verbreitung des Faustrechts
Trump trägt zur (Wieder-) Verbreitung des Faustrechts bei, das man nach dem Weltkrieg durch ein Netz internationaler Institutionen überwunden glaubte. Seine Rechtfertigung, Venezuela führe einen Drogenkrieg gegen die USA, steht auf wackeligen Beinen. Nachbarstaaten sind viel größere Produzenten und die Drogen-Epidemie sollte in den USA selbst bekämpft werden. Es geht um eine persönliche Vendetta Trumps gegen Maduro.
Trump hat in Amerika nicht nur die traditionelle Politik des „Big Stick“ (großen Prügels) wieder eingeführt, seine Sicherheitsstrategie beansprucht auch ganz Amerika vom Norden bis zum Süden. Das sollte auch als deutliche Warnung an Grönland und dem NATO-„Partner“ Dänemark verstanden werden, dass es Trump ernst meint.
Europa wieder in stolzer Ohnmacht
Mit dem riskanten Coup in Venezuela, der auch schief hätte ausgehen können, ist Trump an wachsenden Kritikern aus seiner MAGA-Bewegung gerade noch vorbeigeschrammt. Dort war die Aussicht auf eine Invasion in Venezuela ebenso wenig populär wie die Bombenangriffe auf Iran, Nigeria, etc. Der harte Kern von MAGA („Amerika first“) ist streng isolationistisch und erinnert immer wieder an den Wahlkampf-Slogan „Keine neuen Kriege“. Aber der Vietnamkriegs-Drückeberger ist von der schimmernden Wehr fasziniert und spielt halt gern mit Soldaten.
Und Europa? Hier wird man wieder in stolzer Ohnmacht Moral predigen – an taube Ohren in der weiten Welt, während sich Trump mit Erdöl aus Venezuela versorgt („Das gehörte einmal uns“), um es für US-Konsumenten noch billiger zu machen. Der nächste Wahlkampf steht vor der Tür.
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