Konflikt eskaliert

Emirate ziehen verbliebene Truppen aus Jemen ab

Außenpolitik
30.12.2025 16:05
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) wollen nun ihre verbliebenen Truppen aus dem Jemen abziehen. Zuvor war es zum Bruch zwischen den Verbündeten Saudi-Arabien und den Emiraten (VAE) gekommen. Die Regierung des Jemen hatte das Abkommen mit den VAE im Kampf gegen die Houthi für beendet erklärt.

Dieser Schritt erfolgt nach dem Luftangriff der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition auf die jemenitische Hafenstadt Mukalla am Dienstagmorgen. Die Regierung in Riad warnte, die nationale Sicherheit sei eine „rote Linie“. Aus Riad hieß es, der saudi-arabische Angriff habe sich gegen ausländische Militärhilfe für die von den VAE unterstützten südlichen Separatisten gerichtet. Saudi-Arabien unterstütze die Forderung des jemenitischen Präsidentschaftsrates, alle Truppen der Emirate binnen 24 Stunden aus dem Land abzuziehen.

Aufnahmen nach dem Angriff zeigten ausgebrannte Geländewagen und gepanzerte Fahrzeuge am Hafen von Mukalla. Das Militärbündnis teilte mit, man habe dort einen „begrenzten Militäreinsatz“ durchgeführt, bei dem es keine Opfer oder „Kollateralschaden“ gegeben habe. Auch von jemenitischer Seite gab es keine Berichte über Opfer.

Beschädigte Militärfahrzeuge der VAE nach einem Luftangriff der von Saudi-Arabien angeführten ...
Beschädigte Militärfahrzeuge der VAE nach einem Luftangriff der von Saudi-Arabien angeführten Koalition im Hafen von Mukalla(Bild: AFP/STRINGER)

Abu Dhabi „enttäuscht“
Die VAE zeigten sich daraufhin „enttäuscht“ über die Erklärung Saudi-Arabiens und „überrascht“ von dem Luftangriff. Zugleich wiesen die Emirate Vorwürfe über angebliche Waffenlieferungen von ihnen in den Süden des Landes zurück. Die jüngste Lieferung mit zwei Schiffen, die Saudi-Arabien Dienstagfrüh im Jemen bombardierte, habe keine Waffen für den separatistischen Südlichen Übergangsrat (STC) enthalten, teilte Abu Dhabi mit. Geliefert worden seien Fahrzeuge, die für emiratische Truppen im Jemen bestimmt gewesen seien und für „keine jemenitische Partei“.

Ausgelöst wurde die Eskalation durch eine Offensive des separatistischen Südlichen Übergangsrates (STC) in diesem Monat. Die von den VAE unterstützte Gruppe hatte dabei große Gebiete in den ölreichen Provinzen Hadramout und al-Mahra unter ihre Kontrolle gebracht und die Regierungstruppen wie auch Riad damit unter Druck gesetzt.

Der Streit der beiden mächtigen Golfmonarchien VAE und Saudi-Arabien hat auch wirtschaftliche Sprengkraft. Beide Länder sind wichtige Mitglieder des Ölkartells OPEC. Ein für Sonntag angesetztes virtuelles Treffen der OPEC, bei dem über die Förderpolitik beraten werden soll, könnte durch den Dissens erschwert werden. Die Börsen am Golf gaben nach Bekanntwerden der Spannungen nach.

Fahrzeuge fahren in der südlichen Hafenstadt Aden, Jemen, an einem Banner vorbei, das den ...
Fahrzeuge fahren in der südlichen Hafenstadt Aden, Jemen, an einem Banner vorbei, das den Präsidenten der VAE, Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan, zeigt.(Bild: EPA/NAJEEB MOHAMED)

Spaltung in jemenitischer Führung
Der Vorsitzende des jemenitischen Präsidentschaftsrates, Rashad Alimi, kündigte ein Verteidigungsabkommen mit den VAE auf und verhängte einen Ausnahmezustand sowie eine 72-stündige Blockade über Häfen und Grenzübergänge.

Die Krise spaltete die jemenitische Führung. Der Präsidialrats-Vorsitzende Alimi habe seine Entscheidung „allein“ getroffen, teilten vier Mitglieder des insgesamt acht Mitglieder zählenden Präsidialrats mit. Sie werden von den Emiraten unterstützt. Niemand inner- oder außerhalb des Rats habe die Befugnis, „einseitig souveräne, militärische oder strategische politische Entscheidungen zu treffen“, hieß es in einer Erklärung der vier Mitglieder. Solche Entscheidungen müssten im Einvernehmen des Rats oder durch Mehrheit getroffen werden. Andernfalls seien solche Schritte rechtlich ungültig.

Der Anführer des STC, Aidarous al-Subaidi, wies die Anordnungen Alimis zurück. In einer Erklärung hieß es, die VAE blieben ein wichtiger Partner. Brisant ist dabei, dass al-Subaidi selbst stellvertretender Vorsitzender des Präsidentschaftsrates ist, dessen Anführer er nun offen widerspricht. Alimi warf den VAE in einer Fernsehansprache vor, den inneren Streit im Jemen zu schüren.

Jemen bis 1990 geteilt
Die Spannungen haben tiefe historische Wurzeln. Der Jemen war bis 1990 in einen Nord- und einen Südstaat geteilt. Nach der Wiedervereinigung dominierte der Norden, ein Versuch des Südens, sich 1994 wieder abzuspalten, wurde militärisch niedergeschlagen. Die Separatisten des STC streben seit langem die Unabhängigkeit des Südens an.

Im Jemen herrscht seit 2014 Bürgerkrieg. Damals übernahm die radikal-islamische Gruppe der schiitischen und vom Iran unterstützten Houthi-Miliz die Kontrolle über den Norden einschließlich der Hauptstadt Sanaa. Dies zwang die international anerkannte und von Saudi-Arabien unterstützte Regierung zur Flucht in den Süden, wo sie sich in Aden niederließ.

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