Dachgeschichten

Robust: Steinplattln – für eine kleine Ewigkeit

Kärnten
11.01.2026 16:01

Besondere Gebäude erhielten stets außergewöhnliche Dächer: Aus langlebigem Serpentin. Profis erzählen der „Krone“ spannende Sach- und Dachgeschichten und was dahintersteckt. 

„Bei an Stanplattldach – da brauchst ka Hagelversicherung“, weiß Reinhard Greil. Der Osttiroler ist Chef des kärntnerisch-osttirolerischen Unternehmens, dessen Homepage nicht umsonst kirchturm.at heißt: Mit seinen 14 Mitarbeitern, die Zimmerer, Dachdecker, Spengler, Tischler, Vergolder... sind, hat er die meisten Orte von hoch oben, vom Kirchturm aus, kennengelernt. Somit ist er Spezialist für die in Kärnten auf historischen Gebäuden so typischen Dächer aus Holzschindln oder Steinplattln – Kärnten ist das Bundesland mit den meisten Steinplattldächern Österreichs.

„Im Mittelalter waren Holzdächer üblich, im Spätmittealter, im 15 und 16. Jahrhundert, wurden Dächer vermehrt mit Steinplattln gedeckt, was natürlich nur für hochwertige Objekte, für Burgen, Schlösser, Kirchen in Frage kam“, erklärt Jürgen Moravi, Bauhistoriker und Denkmalpfleger im Landeskonservatorat für Kärnten.

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Naturbruch muss sein bei Steinplattln! Und der Stein darf keine Einschlüsse haben, an denen er brechen könnte, und er muss frostsicher sein.

Reinhard Greil, Experte für historische Dächer

Damit man mit Lärchenholz ein Turmdach decken kann, muss das Holz gekocht und gebogen werden. „Oft wurden die Holzschindeln auch bemalt, wie in Maria Luggau. Die rote Farbe soll ein teures Kupferdach vortäuschen und das Holz haltbarer machen“, weiß Geraldine Klever vom Denkmalamt. Bei Lärchenschindeln brauche es eine Dreifachdeckung und: „Die alten Holzschindeln waren immer in sich gedreht. So kam überall Luft dazu und sie hielten 100 Jahre lang“, erklärt Greil, für den die Belüftung auf jedem Dach ein großes Thema ist.

Grün? Rot? Was es in Tirol bedeutet

Ob das Holzschindeldach eines Kirchturmes rot oder grün gemalt wird, soll in Tirol eine tiefere Bedeutung haben: „Die Farbe zeigt an, zu welcher Diözese die Kirche früher gehörte, heißt es“, so Reinhard Greil. Grüne Turmdächer würden demnach zur Erzdiözese Salzburg, rote zu den Diözesen Innsbruck oder Bozen-Brixen gehören. Mittlerweile bezeichnen Historiker dies aber als Erzählung ohne Grundlage. Die Verteilung der grünen und roten Kirchturmdächer erscheine willkürlich. 

Ist der Dachstuhl stark genug, kann er ein Steinplattldach tragen. „Ein Quadratmeter wiegt so 80 bis 100 Kilo“, so Greil. Ein Steinschindldach kostet etwa doppelt so viel wie ein Holzschindeldach, hält aber länger; 100 Jahre sind es mindestens, auch 300 bis 400 Jahre Steinschindln funktionieren noch.

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Das Material ist wichtig. Schiefer aus Frankreich ist beispielsweise nicht frostsicher. Dann verringert sich die Haltbarkeit des Steinplattldaches stark.

Jürgen Moravi

Bei Plattln ist die Qualität des Steins enorm wichtig: „Gibt es zu viele Einschlüsse, rostet es und der Stein bricht; ist der Stein nicht frostbeständig, hält das Dach statt 100 Jahren nur 20. Die besten Erfahrungen habe ich mit Serpentin vom Comer See in Italien“, verrät Greil, der für die Bearbeitung des Rohmaterials eine eigene Maschine gebaut hat. „Ein Steinplattl braucht immer einen Naturbruch. Und einen rostfreien Nagel.“

Alle drei Steinplattdachliebhaber schwärmen von der Kirche in Sittich: „Eine der schönsten Deckungen!“, so Moravi, denn dort sieht man die nur noch selten zu findende wilde Deckung mit Bruchsteinplatten verschiedener Größen.

Während die Technik beim Decken althergebracht ist, wendet Greil beim Vermessen die neueste an: Drohnen-Fotos helfen beim Planen der Baustellen.

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Besondere Kirchen wie die Wehrkirche in Diex sind mit Steinplattln gedeckt, aber auch Burgen. Das Bundesdenkmalamt unterstützt Besitzer der Dächer beim Sanieren

Geraldine Klever

Besonders herausfordernd sind Ichsen, also Kehlen, und Grate, also Außenkanten, oder rund verlaufende Dächer. „Dafür brauchen wir konkav und konvex gewölbte Steinplattln. Jedes Plattl hat seinen Platz“, so Greil, der für seine Arbeit am Turmdach der Kirche in Spitz an der Donau den European Heritage Award 2025, den EU-Denkmalschutzpreis, erhalten hat!

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