Wie (un)bekannt sind die Bezirksvorsteher-Stellvertreter in Wien wirklich? Immerhin verdienen sie mehr als 5600 Euro brutto pro Monat. Dahinter sollte viel Leistung stecken. Die „Krone“ wollte es wissen und hörte sich bei den Wienern um (siehe Video oben). Und was sagen die Bezirksvorsteher eigentlich selbst zu all dem?
Es ist ein teures System, das die Steuerzahler Monat für Monat am Leben erhalten müssen. Die Wiener wissen: Es gibt 23 Bezirke und damit 23 gewählte Vorsteher – denen wohl kaum jemand die Existenzberechtigung absprechen möchte. Viele von ihnen schuften rund um die Uhr für ihr Grätzel, oft bis zum Umfallen. In den Reihen dahinter haben es sich 46 (!) Stellvertreter gemütlich gemacht, die alle 5600 Euro brutto pro Nase verdienen, 14 Mal im Jahr. Leistungsbilanz in den meisten Fällen: überschaubar.
„Kriege auch kein Geld fürs Einspringen“
Aber wie (un)bekannt sind die Stellvertreter in der Bevölkerung nun wirklich? Das wollte die „Krone“ genau wissen und hörte sich um. Denn nur weil es im „Krone“-Fotoarchiv (das zwölf Millionen Bilder enthält) keine Fotos von den (meisten) Bezirksvorsteher-Stellvertretern gibt, muss das ja nicht heißen, dass sie in Wien unbekannt sind – lautete Kritik aus der linken Ecke an unserer Berichterstattung.
Wir haben uns daher direkt bei den Wienern umgehört, ob sie denn die Bezirkspolitiker kennen (siehe Video oben). Und tatsächlich lautet die Antwort bei den von uns befragten Personen unisono: Nein!
„Noch nie einen von ihnen gesehen“
Auf einem Plakat mit den 23 Fotos der Vize konnte kein Wiener auch nur einen Einzigen identifizieren. „Ich könnte mir nicht vorstellen, was die machen“, sagt ein Herr. Der Nächste: „Noch nie einen von ihnen gesehen.“ Wundern tut ihn das aber auch gar nicht, da er findet, dass die Meinung der Bürger in der Politik vielen generell unwichtig sei.
Eine Lehrerin bringt es auf den Punkt: „Hier sollte man sparen. Für was bekommen sie das Gehalt? Ich kriege auch kein Geld fürs Herumsitzen und im Notfall mal Einspringen.“ Mit der Meinung ist sie nicht alleine. Zumindest in der Bevölkerung.
Das sagen die Bezirkskaiser
Aber was sagen die Bezirksvorsteher aus den verschiedenen Parteien dazu? Für den ersten Stellvertreter machen sich – eine kleine „Krone“-Umfrage unter Bezirksvorstehern zeigt das – alle Grätzel-Kaiser stark. Wenig überraschend: Diese 23 Personen sind von der gleichen Partei wie sie.
„Der erste Stellvertreter des Bezirksvorstehers in der Donaustadt, Karl Gasta, vertritt den Bezirk schon seit vielen Jahren bei Koordination und Planung der Stadtstraße sowie bei den laufend zu betreuenden Stadtentwicklungsgebieten“, heißt es etwa aus dem Büro von Ernst Nevrivy (SPÖ). Mit dessen Leistung sei er „sehr zufrieden.“ Alsergrund-Chefin Saya Ahmad (SPÖ) hält die Stellvertreter für einen „unverzichtbaren Teil des Systems“, wie sie sagt. „Die Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt.“ Es folgt eine lange Liste der Tätigkeiten ihrer Stellvertreter, bei der man sich fragen könnte: Welche Arbeit bleibt da Ahmad selbst?
Begeisterung und Lobeshymnen
Begeistert von den Stützen im Hintergrund sind auch Johanna Zinkl (ÖVP, Hietzing): „Stellvertreter erfüllen eine wichtige unterstützende Funktion und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Arbeitsfähigkeit der Bezirksvorstehung.“ Lobeshymnen auch von Daniel Resch (ÖVP, Döbling), Markus Reiter (Grüne, Neubau) und Michael Luxenberger (Grüne, Margareten).
Letzterer lobt seine Stellvertreterin über den parteigrünen Klee: „Das alles ist sehr zeitintensiv und bei dieser Fülle an Aufgaben, ist es zentral, mit Petra Tierscherl eine kompetente Stellvertreterin zu haben.“ Doch bei den zweiten Stellvertretern bröckelt diese Begeisterungs-Phalanx sichtlich. Der Grund: Sie sind nicht von der eigenen Partei. So heißt es aus dem Büro Luxenberger vielsagend: „Über konkrete Tätigkeiten des zweiten Bezirksvorsteher-Stellvertreters liegen uns keine Informationen vor.“
46 Luxus-Jobs sind zu viel
Und obwohl Nevrivy zwar die Wichtigkeit beider Vize betont, heißt es aus der Donaustadt: „Der zweite Stellvertreter des Bezirksvorstehers, Andreas Dvorak, ist erst seit wenigen Monaten in seiner Funktion und wurde seitens des Bezirksvorstehers mit noch keinen Aufgaben betraut.“ Zur Erinnerung: Die Wahl war am 27. April.
„Krone“-Leser bleiben in ihren Zuschriften dabei: 46 Stellvertreter sind viel zu viel. Die „Luxus-Jobs“ gehören abgeschafft!
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