Zwölf mal sieben Zentimeter groß, Monsterspeicher mit 30 Gigabyte, annehmbares LC-Display mit neun Zentimetern Bilddiagonale und ein elegantes anthrazitfarbenes Äußeres; so, jetzt wisst ihr, wie er aussieht. Der Zen Vision hatte von Deutschland aus eine weite Reise auf sich genommen, um für knapp eine Woche lang den Belastungstests der Krone.at-Redaktion unterzogen zu werden – und wir waren nicht gerade zimperlich mit ihm…
Auf, zur großen Fütterung!
Nachdem wir die grauenhafte Musiksammlung (Stichwort „Holzmichel“) eines deutschen Kollegen beseitigt hatten, der den Zen Vision vor uns testen durfte, bekam der große Multimediaplayer ordentlich was zu schlucken. Wir servierten ihm feinstes MP3-Heu und große WMA-Happen in allen Komprimierungsvariationen als Einstiegsmenü. Der Zen Vision ist aber ein Feinspitz: Füttern lässt er sich nur über die mitgelieferte Software, die zwar toll funktioniert, aber lästige Fragen stellt (Wollen Sie den Inhalt ihres Zen Vision ordnen?) und einer doch etwas längeren Gewöhnungsphase bedarf.
Der Zen Vision lädt sich übers mitgelieferte USB-Kabel während des Übertragungsvorgangs mit auf und überzeugt durch wirklich kurze Überspielzeiten. Die Bilanz nach den ersten 15 Gigabyte Musikfiles: Die Hälfte der Zeit ging fürs Zaudern mit der Software drauf, ein Viertel bis man alle Fragen des Download-Programms beantwortet hatte, und das andere Viertel für den tatsächlichen Übertragungsvorgang.
Und noch was: Wenn’s um Komprimierungsformate geht, kann der Zen Vision ausschließlich mit MP3- oder WMA-Standards etwas anfangen. Bei Apples beliebter AAC-Kodierung und bei Sonys ATRAC-Formaten, versteht er nur Bahnhof. Wiegt aber nicht schwer, da 90% der kompakten Musikfiles ohnehin in die unterstützten Formate komprimiert werden.
Spiel mir was, Baby!
Fertig gefüttert und satt, durfte der Zen Vision dann loslegen. Die Menüstruktur ist ansprechend organisiert und gestaltet, und Creative hat tatsächlich eine schnelle Musikanwahl ohne Scroll-Rad oder Touchpad hinbekommen. Mittels Navigationskreuz wählt man seine gewünschten Songs entweder per Interpretenliste, Albumliste oder Songname aus. Über eine alphabetische Suchfunktion kommt man schnell ans gesuchte Objekt – vorausgesetzt die Songs sind per Meta-Tag betitelt.
Ein riesengroßes Minus gibt’s aber für die mitgelieferten Ohrhörer: Creative packt weiße In-Eear-Phones mit blauem Schaumstoffüberzug zum Zen Vision, die echt billig daherkommen und auch so klingen. Die Hör-Knöpfe schotten Umgebungsgeräusche kaum ab und verzerren schon bei verhältnismäßig geringem Lautstärkepegel. Hier sollte man sich schnell nach einer Alternative umsehen, denn ansonsten ist die Soundwiedergabe des Zen Vision wirklich sehr perfekt. Equalizer und Bass-Boost-Funktion arbeiten präzise und neigen wenig zum Verfälschen, was vor allem die Genießer von klassischer Musik bzw. Jazz sehr freuen wird.
Guckst du Video?
Hier muss der User kreativ werden, denn ein 30-Gigabyte-Speicher bietet schier unendliche Möglichkeiten bewegte Bilder mit auf die Straße zu nehmen. Wir haben’s als erstes mit ein paar lustigen Werbespots versucht, die es gratis und zuhauf im Netz gibt. Die kurzen Clips schluckt der Zen Vision ungeahnt schnell und gibt sie zudem in annehmbarer Bildqualität wieder. Nächster Versuch: Camcorder-Aufnahme. Creative bietet mit der Zen-Software auch ein Videokomprimierungstool an, das Aufnahmen von einer Kamera automatisch in ein unterstütztes Format umwandelt. Nach mittellangem Prozedere durfte auch Muttis letzte Geburtstagsfeier mit in die Straßenbahn.
Wer zum Beispiel eine TV-Karte mit Recorderfunktion im PC hat, kann den Zen Vision auch mit legal aufgezeichneten TV-Filmen bzw. TV-Serien füttern. Bei 30 GB ist genügend Platz dafür. Eine Aufnahme im MPEG2-Format mit geringer Biterate kann schnell und unkompliziert ans Gerät übermittelt werden - Favorit in Sachen Videonutzung.
Der Zen Vision hat zudem auch einen Videoausgang für den Anschluss ans Fernsehgerät. An dieser Stelle gibt’s allerdings eine kleine Schelte für das Creative-Team in Deutschland: Beim Testgerät war kein Videokabel beigepackt, weswegen ein Urteil über die Fernsehqualitäten des Zen Vision leider ausfällt.
Sonnenkinder werden mit dem Zen Vision schnell eine latente Unzufriedenheit verspüren: Wie eigentlich alle Displayvarianten, stößt auch das des Zen Vision schnell an seine physischen Grenzen, wenn eine etwas stärkere Sonneneinstrahlung in der Umgebung vorhanden ist - durch den dunkelblauen Hintergrund im Zen-Menü geschieht dies leider besonders schnell.
So lang kann der Zen Vision
Creative verspricht eine Wiedergabezeit von 14,5 Stunden bei Musik und 4,5 Stunden bei Videos - diesen Zahlen kann man problemlos zustimmen. Allerdings verringert sich die Akkulaufzeit überproportional schnell, sobald man abwechselnd Videos guckt und Musik hört. Beim Test machte der Zen Vision nach ca. neun Stunden schlapp. Ein Intensivhörer müsste den Player demnach alle zwei Tage an die Steckdose hängen.
Und was macht der sonst noch so?
Klar, dass man am Zen Vision auch Fotos gucken kann. Hier werden so ziemlich alle Formate von JPEG über BMP, bis hin zu großen TIFFs unterstützt. Über einen Compact-Flash-Karten-Slot können Bilder auch direkt von der Digicam aufs Zen-Display gezaubert, gezoomt und "gediashowt" werden.
Ein weiteres kleines Gimmick ist das eingebaute Mikrofon im Zen Vision: Damit verwandelt sich der Mediaplayer in ein Diktiergerät. Die Qualität ist zwar eher berauschend, ein Zwiegespräch am Kaffeehaustisch ließ sich dennoch verständlich aufzeichnen.
Den Zen Vision kann man außerdem als Organizer verwenden und mit Outlook-Terminen synchronisieren. Der Nutzen dieser Funktion sei dahingestellt, das Resultat kann aber witzig sein: „Ich schau mal in meinen MP3-Player, ob ich nächste Woche Zeit hab…“
Weitere Fakten:
Eingebautes FM-Radio
Audio-Ausgang
Wechselbarer Akku
Uhrzeitanzeige
Anschluss für Zubehör à la Docking Station
Infrarot-Fernbedienung (optional erhältlich)
Fazit & Preis
Der Zen Vision ist ein gelungener Versuch, einen Alleskönner zu zaubern. Mit ihm, wird’s einem garantiert nicht fad! Die Bedienung ist – abseits der Support-Software – intuitiv zu meistern und erfordert kaum technisches Geschick. Für Spezialisten bietet der Zen Vision ein paar gute Ansätze, einen Mediaplayer als Multifunktions-Tool zu verwenden. Einzige Enttäuschung waren die mangelhaften Kopfhörer, die man sich bei einem doch sehr saftigen Hersteller-Preisvorschlag von 546 Euro, getrost an den Hut stecken kann. Für alles Übrige, und speziell für die gekonnte Menüführung und den satten Sound, verdient sich Creative klares Lob und Anerkennung. Die Rolle als Alternativ-iPod, wird dem Zen Vision aber vor allem sein hoher Preis streitig machen.
Von Christoph Andert
Fotos: Creative









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