Die Deutsche-Telekom-Tochter Magenta investiert mehrere hundert Millionen Euro in Glasfaser und 5G in Österreich – trotz hohem Preisdruck und moderatem Wachstum. Doch rechnet sich das wirklich und welche Rolle spielt die digitale Unabhängigkeit Europas dabei?
370 Millionen Euro steckt Magenta Telekom heuer in Glasfaser und 5G. Für den Telekom-Anbieter ist das kein kurzfristiges Konjunkturprogramm, sondern eine strategische Weichenstellung, trotz herausforderndem Marktumfeld. „Wir sind fix davon überzeugt, dass insbesondere Glasfaser die Zukunft ist“, bekräftigt Magenta-Chef Thomas Kicker mit Verweis auf den steigenden Breitbandbedarf.
Die Alpenrepublik habe im europäischen Vergleich erheblichen Aufholbedarf und sei bei der Breitbandanbindung der Haushalte „fast Schlusslicht“. Die hohen Investitionen sind daher Teil der langfristigen Strategie des Mutterkonzerns Deutsche Telekom und ein Bekenntnis zum Standort Österreich.
Hohe Investitionen und geringe Erlöse
Dabei klafft bei Magenta Telekom die Schere zwischen Umsatz- und Investitionsentwicklung im Jahr 2025 deutlich auseinander: Während die Erlöse um 0,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zulegen, stiegen die Investitionen um satte 19 Prozent. Eine kurzfristig messbare Kapitalrendite stellt Kicker dabei nicht in Aussicht. Der Telekommunikationsanbieter denke „sehr langfristig“ und setze darauf, dass sich Qualität auszahle – sowohl bei privaten Haushalten als auch bei Großkunden.
Unterschiedliche Dynamiken zeigen sich im operativen Geschäft: Im Mobilfunk wächst das Unternehmen mit 2,6 Prozent im Jahr 2025 solide, im Internetbereich hingegen gibt es ein Minus von zwei Prozent, das sind etwa 1,1 Millionen Kunden. Als Gründe dafür nennt Kicker den intensiven Wettbewerb und Preisdruck hierzulande, aber auch Haushaltszusammenlegungen. Die digitale Infrastruktur werde in Österreich auch oft nicht entsprechend wertgeschätzt. Gleichzeitig ortet der Magenta-Telekom-CEO einen schleichenden Wertewandel: Themen wie Qualität, Sicherheit und digitale Souveränität würden zunehmend auch für Privatkunden relevanter.
KI zur Netzoptimierung
Große Erwartungen knüpft der Konzern an den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), die auch im Netzbetrieb zum Einsatz kommt. Dabei sollen Störungen proaktiv erkannt und Abnormalitäten frühzeitig identifiziert werden. Das System arbeitet dabei mit mehreren spezialisierten „Agenten“, die gemeinsam Verbesserungen vornehmen – etwa bei der Verteilung der Kapazitäten. Gerade im Energiemanagement seien „zweistellige Prozentbeträge“ an Einsparungen möglich, insgesamt spricht Kicker von „signifikant“ höherer Effizienz der Netze und daraus abgeleiteten Kostensenkungen.
Umgang mit den Daten ist Schlüssel zur Unabhängigkeit
Digitale Souveränität wird für Telekommunikationsunternehmen immer mehr zu einem zentralen Thema. Dabei geht es vor allem darum, wo Daten gespeichert, wie sie verarbeitet werden und wer darauf Zugriff hat. Kicker betont, dass sich Kunden in einer zunehmend digitalisierten Welt auf ihre mobile Infrastruktur verlassen können müssen. Dabei spielt neben der Netzqualität die Sicherheit eine immer größere Rolle – zunehmend auch für private Haushalte. Europäische Anbieter garantieren dabei die Kontrolle über die eigenen Daten.
Bei der Deutsche-Telekom-Tochter könnten US-amerikanische Anbieter bei KI-Funktionen beispielsweise beim Telefonieren keine sensiblen Daten absaugen: Informationen aus Gesprächen würden grundsätzlich nie gespeichert. Nur wenn der Kunde dies ausdrücklich aktiviert – etwa für Gesprächsnotizen -, werden Daten verarbeitet, und zwar auf Servern in Europa. Die Rechenzentren des Telekommunikationsriesen laufen dabei zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie. Dabei erreiche man rund 97 Prozent aus eigener Kraft, der Rest werde über CO₂-bindende Projekte kompensiert, erklärt Kicker dazu.
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