Politisch inkorrekt

"Goodbye Deponia": Schwarzhumoriger Adventure-Hit

Spiele
23.10.2013 15:33
Mit "Goodbye Deponia" hat Daedalic Entertainment das große Finale der Adventure-Trilogie rund um den gleichnamigen Müllplaneten veröffentlicht – und Antiheld Rufus auf sein letztes Abenteuer geschickt. Wie schon in den Vorgängern glänzt der Protagonist dabei vor allem durch Eigenheiten und Vorlieben, die man nicht unbedingt an einem Helden erwarten würde – Selbstsucht und Tierquälerei zum Beispiel. Ob das abgedrehte Rätselspiel überzeugt, haben wir getestet.

Die Handlung von "Goodbye Deponia" fängt im Grunde genau dort an, wo jene des rund ein Jahr alten Vorgängers "Chaos auf Deponia" (Test in der Infobox) aufgehört hat. Antiheld Rufus und seine Freunde – allen voran seine mysteriöse Angebetete Goal – wollen vom Müllplaneten Deponia ins darüber schwebende Elysium fliehen, um der geplanten Sprengung Deponias durch das Organon zu entkommen.

Auf dem Weg zu einem Luftschiff, das Rufus und seine Freunde ins gelobte Elysium bringen soll, passiert – wie könnte es auch anders sein – ein Missgeschick, das die Truppe in einem Hafenstädtchen stranden lässt. Was folgt, ist ein unterhaltsames Abenteuer voll aberwitzigem Humor, in dem Rufus mehr als nur einmal gegen alle guten Sitten verstößt - etwa indem er Babys zum Erbrechen bringt. Rund zehn Stunden Deponia halt.

Verworrene Story, herrlich verrückte Handlung
Wer das abschließende Kapitel zur Müllplaneten-Saga erleben möchte, der sollte dabei unbedingt die Vorgänger kennen. Zwar gibt's zu Beginn von "Goodbye Deponia" einen kurzen Rückblick auf die ersten beiden Teile, der wirft aber für Neulinge vermutlich eher neue Fragen auf, als alte zu klären.

Generell gilt: Die verworrene Story rund um den Müllplaneten und das darüber schwebende Elysium sowie das böse Organon ist in ihrer Gesamtheit nicht ganz einfach zu durchschauen, unterhält aber trotz leichter Logikprobleme.

Das liegt vor allem an den herrlich verrückten Dialogen und Rätseln, durch die sich der Spieler im Verlauf des Abenteuers klickt. Da baut Tüftler Rufus aberwitzige Apparaturen für noch aberwitzigere Aufgaben, kombiniert Gegenstände so, wie sie ein gesunder Menschenverstand nie kombinieren würde – und kommt dadurch in der Geschichte voran. Dazu jede Menge Rätsel, in denen eigentümliche Gegenstände besorgt oder bestimmte Ereignisse herbeigeführt werden müssen. Und zwischendurch immer wieder mal ein Witz oder eine Anspielung – mal böse, mal naiv-lustig, mal menschenverachtend – und fertig ist das Abenteuer.

Rätsel manchmal nur durch Probieren lösbar
Fad wurde uns in "Goodbye Deponia" während des Testens selten – und wenn, dann lag es daran, dass wieder mal ein Rätsel eine dermaßen absurde Vorgehensweise verlangte, dass wir erst durch langes Herumprobieren eine Lösung fanden.

Etwas mehr Hilfe – Rufus kommentiert Fehlschläge beim Lösen von Rätseln zwar mit hämischen Kommentaren, hilfreich sind die aber selten – wäre hier nicht unangebracht gewesen, um den Spielfluss nicht zu gefährden. Das bedeutet freilich nicht, dass die Rätsel zu schwer ausfallen. Sie sind teils knackig, aber nie unmöglich zu lösen. Wenn eine Knobelei den Spieler länger in Anspruch nimmt, dann weil die Lösung so absurd ist – nicht, weil das Rätsel zu schwer wäre.

Altbekanntes Gameplay, schräge Charaktere
Spielerisch stellt "Goodbye Deponia" Adventure-Spieler vor keine großartigen Herausforderungen. Die Steuerung erfolgt ganz altbewährt mit der Maus. Damit lenkt der Spieler Rufus durch zweidimensionale Umgebungen voller nutzbarer Objekte, klickt in Dialogen auf die richtigen Antwortmöglichkeiten und erforscht seine Umgebung. Auch das Inventar wird mit der Maus bedient – es enthält die vielen Gegenstände, die Rufus auf seiner Reise findet und die oft genau dann des Rätsels Lösung sind, wenn man absolut nicht damit gerechnet hätte.

Dass das Game dabei dauerhaft fesselt, verdankt es einerseits den durchwegs gelungenen Charakteren. Dem schusseligen und egoistischen Tüftler Rufus selbst, aber auch seinem Anhängsel Bozo, seiner Angebeteten Goal und dem Professor, deren jeweilige Geisteshaltung vom Spiel in absurden Dialogen zelebriert wird.

Hübscher Comic-Look, toller Sound
Andererseits macht es mit seinem Comic-Look und den unzähligen handgezeichneten 2D-Karten, durch die sich Rufus knobelt, auch einen ausgesprochen hübschen Eindruck. "Goodbye Deponia" ist kein Grafikfeuerwerk – das waren auch die Vorgänger nicht –, aber es setzt die schräge Science-Fiction-Saga in einem ganz eigenen Stil in Szene. Ob der gefällt, ist Geschmackssache – aber an der Umsetzung gibt’s nichts zu bemängeln. Höchstens an den Animationen der Figuren, die teils etwas stockend wirken.

Auf hohem Niveau spielen auch die Vertonung und der Sound von "Goodbye Deponia". Das fängt an bei den bemühten deutschen Synchronsprechern, die den Figuren virtuelles Leben einhauchen. Und es hört beim grandiosen Soundtrack auf, der nicht minder humorig daherkommt wie der Rest des Spiels und ganz nebenbei noch die Erzählung vorantreibt.

Fazit: Alles in allem ist Daedalic mit "Goodbye Deponia" ein würdiger Abschluss der Müllplaneten-Trilogie geglückt, der Freunden des schusseligen Rufus sicher noch lang in Erinnerung bleiben wird. Mit seiner abgedrehten Geschichte, dem teils bitterbösen Humor und den eigentümlichen Charakteren ist der neueste "Deponia"-Teil zwar kein Game für jedermann, wer aber auf diese Art von Humor steht, wird sicher nicht enttäuscht werden. Auch, weil sowohl optische, als auch akustische Aufmachung stimmen.

Plattform: PC (getestet)
Publisher: Daedalic Entertainment
krone.at-Wertung: 8/10

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