Nach dem Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann hat Ingrid Thurnher am Donnerstag vorläufig das Ruder übernommen. In einer ersten Stellungnahme sprach sie von „gemischten Gefühlen“. Wie es jetzt weitergeht, vor allem in Bezug auf die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Weißmann, hat sie am Abend in der „ZiB 2“ ausgeführt.
„Bevor wir kein klares Bild haben, was wirklich passiert ist, können wir zu Weißmann gar nichts sagen“, stellte sie im Interview klar. Mit anderen Worten: Für die neue ORF-Chefin steht zunächst die Aufklärung der Vorwürfe im Vordergrund. Alle würden mitarbeiten müssen. Der Rundfunk werde externe Fachleute einbeziehen, die keine Verbindung zum Medienhaus und auch keine Parteinähe haben dürfen. Auf diese Weise soll laut Thurnher Transparenz garantiert werden – ein Grundsatz für Vertrauen beim Publikum. Denn: „Scheinwerferlicht bedeutet viel Macht, aber auch viel Verantwortung.“
Die 63-Jährige geht davon aus, dass die Ergebnisse der Untersuchung veröffentlicht werden. Sie verspricht, genau hinzusehen, sollte sich Machtmissbrauch bestätigen. Wie berichtet, war Weißmann am Sonntag zurückgetreten. Grund sind die Vorwürfe der sexuellen Belästigung einer Mitarbeiterin, die der bisherige ORF-Chef, der zunächst weiter im Unternehmen bleibt (aber beurlaubt ist, Anm.), bestreitet. Er sprach von einer einvernehmlichen, kurzen Bekanntschaft vor seiner Wahl zum Generaldirektor. Die Mitarbeiterin soll sich nicht an die Gleichstellungskommission gewandt, sondern direkt einen Anwalt engagiert haben.
Diese Woche folgten weitere Vorwürfe gegen Weißmann. Bei der Whistleblower-Hotline des Medienunternehmens sollen sich mehrere Frauen zu ähnlichen Fällen gemeldet haben. Der Stiftungsrat gab an, keine Informationen dazu zu haben. Das bestätigte auch Thurnher am Donnerstagabend. Sie kann sich nicht vorstellen, dass die Frauen Kontakte zu anderen Medien gehabt hätten. Grundsätzlich dürften sich Betroffene laut der unterschriebenen Vereinbarung im Fall eines sexuellen Missbrauchs nur an den Generaldirektor beziehungsweise jetzt an die Generaldirektorin wenden.
Herstellung von Vertrauen als Ziel
Zudem gebe es im Haus eine Compliance-Stelle, eine Gleichstellungskommission, einen Betriebsrat und eine Hotline für Whistleblowerinnen und Whistleblower. Hier werde nun überprüft, ob man gut aufgestellt sei oder nachlegen müsse, um ein gutes Arbeitsumfeld zu haben, sagte Thurnher. Sie wisse noch nicht, wie groß das Thema sei. Jedenfalls habe sie ganz andere Dinge im Kopf als ihre Bewerbung für die neue Periode ab 2027, sagte die vorübergehende Chefin. Die Leitung des Unternehmens sei eine „Herkulesaufgabe“.
Wie berichtet, hatte sie zuvor von „wenig erfreulichen Umständen“ gesprochen. Es sei wichtig, das Vertrauen der Mitarbeitenden und des Publikums wiederherzustellen. Die langjährige Chefredakteurin, Radiodirektorin und Moderatorin wurde einstimmig zur Generaldirektorin gewählt.
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