09.08.2013 16:48 |

Syphilis & Co

Sexuell übertragbare Krankheiten auf dem Vormarsch

Syphilis gibt's doch nicht mehr, oder? Leider doch – sexuell übertragbare Krankheiten sind auf dem Vormarsch. Ein aktueller Überblick.

Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Oscar Wilde, Lenin – berühmte historische Syphilis-Opfer, wie sie häufig genannt werden. Das gibt dem Leiden dann den Anschein, als wäre es längst Geschichte – was leider ganz und gar nicht der Fall ist, wie beim Weltkongress für sexuell übertragbare Krankheiten und Aids "stivienna2013" in der Wiener Hofburg berichtet.

Auch die Ansteckungen mit Gonorrhoe, Tripper nehmen weiter zu. Die WHO schätzt, dass jährlich 448 Millionen Menschen weltweit mit heilbaren sexuell übertragbare Krankheiten neu infiziert werden (Chlamydien und Trichomonaden eingeschlossen). Ein wesentlicher Grund für die Ausbreitung ist die zurückgehende Bereitschaft, konsequent Kondome zu benützen, aber auch Reisetätigkeit und die Öffnung der Ostgrenzen. Zu Sorglosigkeit kommt noch immer viel Unwissenheit dazu.

Vorsicht auch bei Oralverkehr!
Wie sonst könnte es passieren, dass eine Patientin mit Tripper in die dermatologische Ordination kommt und sich die Infektion nicht erklären kann, weil sie keinen ungeschützten Geschlechtsverkehr hat. Gonokokken werden aber auch über die Rachenschleimhaut (Oralverkehr) weitergegeben.

Dazu kommt ein aktuelles Problem: Die Antibiotika-Resistenz der Bakterien, welche vor allem im asiatischen Raum dazu führt, dass manche Stämme mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr gut behandelt werden können. "Die Gefahr eines 'Super-Gonokokkus' wird bereits diskutiert", so Dr. Claudia Heller-Vitouch, Vorsitzende der Österreichischen Gesellschaft für STD, Pilzambulatorin Wien Hietzing. Neue Arzneien werden beforscht.

"Bedauerlich, weil man vorbeugen kann"
Prof. Dr. Raj Patel, University of Southampton, Großbritannien: "Das ist umso bedauerlicher, als es sich um Krankheiten handelt, denen man vorbeugen kann – was ja nicht bei allen Leiden so ist! Daher sollten die sinnvollsten Maßnahmen zum Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten – Benützen von Kondomen, Impfungen, risikoarmes Verhalten – beherzigt werden."

Der Experte referierte in Wien auch über die Chance moderner Diagnosemaßnahmen. Sie werden immer weniger invasiv, dafür kostengünstiger. Das ist auch wichtig in der Prävention von Aids. Denn sexuell übertragbare Krankheiten fördern und erleichtern die Übertragung des HI-Virus. Dabei zeigt der Einsatz moderner antiretroviraler Medikamente gute Erfolge, wie Immunologe Prof. Thomas Qinn, USA, berichtete. Die dadurch erreichte Reduktion der Virenanzahl (nur bei disziplinierter lebenslanger Einnahme) unter die Nachweisgrenze im Blutspiegel kann die Infektionsrate bei Geburt, Stillperiode und Sexualkontakt um 96 Prozent vermindern!

Die häufigsten sexuellen Erkrankungen in Österreich:

Gonorrhoe: 2011 gab es 1.454 Fälle in Österreich (starker weltweiter Anstieg). Übertragung durch vaginalen, analen und oralen Geschlechtsverkehr. Zahlreiche Antibiotika-Resistenzen entwickelt.

Syphilis: 2010 gab es 585 Fälle in Österreich. Übertragung im homo- sowie heterosexuellen Bereich ansteigend. Konnotale Syphilis: Kind wird im Mutterleib infiziert (China: ein Kind pro Stunde).

Chlamydien: Infiziert sind etwa fünf Prozent der Bevölkerung. Meist keine Symptome. Spätfolgen: Eierstockentzündung, Gelenksbeschwerden, Unfruchtbarkeit (verklebter Eileiter).

Genitalwarzen: Übertragung durch HP-Viren. Ein bis zwei Prozent der sexuell Aktiven betroffen (steigend). "Life Time Risk" einer Ansteckung bei 80 Prozent. Kondome schützen nur teilweise.

Gebärmutterhalskrebs: In mehr als 99 Prozent durch HP-Viren übertagen. Zweithäufigster Krebs bei Frauen bis 45. 400 Neuerkrankungen pro Jahr in Österreich. 150 bis 180 Tote pro Jahr in Österreich.

Aids: 300 bis 350 Neuerkrankungen pro Jahr in Österreich. Übertragungsrate auf hetero- und homosexuellem Weg fast gleich hoch. Durch antiretrovirale Therapie fast normale Lebenserwartung (bei frühem Therapiebeginn). Durch abnehmende HIV-Angst Anstieg sämtlicher sexuell übertragbarer Krankheiten.

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