20.07.2013 08:30 |

Bewegende Rede

Obama: "Ich hätte Trayvon Martin sein können"

Knapp eine Woche nach dem umstrittenen Gerichtsurteil im Fall des getöteten schwarzen Teenagers Trayvon Martin hat sich US-Präsident Barack Obama überraschend dazu geäußert. Die Afroamerikaner erfülle der Freispruch des Todesschützen George Zimmerman auch deshalb mit Schmerz, weil sie selbst eine "Reihe von Erfahrungen" gemacht hätten, sagte Obama am Freitag im Weißen Haus. Über den getöteten Teenager meinte er: "Das hätte ich vor 35 Jahren sein können."

Schwarze Männer in den USA seien es gewohnt, dass man sich vor ihnen fürchte, sagte der erste dunkelhäutige Präsident der Vereinigten Staaten. Nur wenige Afroamerikaner hätten noch nicht selbst erlebt, dass Frauen nervös ihre Handtasche umklammerten und die Luft anhielten, wenn ein Schwarzer in der Nähe sei. Vor seiner Wahl zum Senator des US-Staats Illinois habe Obama selbst erlebt, wie Autofahrer in seiner Nähe ihre Türen verriegelten. Schwarze Buben würden häufig über einen Kamm geschoren.

Erste persönliche Stellungnahme Obamas im Fall Martin
Obama erschien am Freitag zur täglichen Pressekonferenz im Weißen Haus und nahm dort erstmals seit dem Freispruch des Nachbarschaftswächters Zimmerman am vergangenen Wochenende vor der Kamera zu dem Fall Stellung. Bisher hatte der Präsident nur eine schriftliche Erklärung herausgegeben, in der er dazu aufrief, die Entscheidung der Justiz zu akzeptieren.

Zimmerman hatte am 26. Februar 2012 den 17-jährigen Martin in der Stadt Sanford in Florida erschossen. Offenbar hielt er den unbewaffneten Teenager für einen Einbrecher. Ein Geschworenengericht glaubte seiner Version, dass der Jugendliche ihn zuerst attackiert und er in Notwehr gehandelt habe.

Obama will Überprüfung des "Stand your Ground"-Gesetzes
Der Fall hatte hohe Wellen geschlagen, weil auch Rassismus im Spiel gewesen sein soll. Außerdem warf er ein Schlaglicht auf das "Stand your Ground"-Gesetz ("Weiche nicht zurück"), das Menschen in Florida ein weitreichendes Recht zur Selbstverteidigung einräumt. Ähnliche Regelungen gelten auch in etwa 30 weiteren Bundesstaaten.

Obama forderte am Freitag eine Überprüfung der umstrittenen Gesetze. Der Präsident warf die Frage auf, ob Martin umgekehrt ebenfalls freigesprochen worden wäre, wenn er sich von Zimmerman bedroht gefühlt und diesen getötet hätte. "Und wenn die Antwort darauf nur ein bisschen unklar ist, dann scheint mir, dass wir diese Art Gesetze überdenken müssen", sagte Obama.

Den Angehörigen Martins drückte Obama sein Mitgefühl und das seiner Frau Michelle aus. "Ich kann mir nur vorstellen, was sie gerade durchmachen, und es ist bemerkenswert, wie sie damit umgegangen sind." Über den getöteten Teenager sagte er: "Das hätte ich vor 35 Jahren sein können." Der umstrittene Prozess sei aber professionell abgelaufen, und an dem Urteil sei nicht zu rütteln.

Kritiker hoffen auf Prozess vor Bundesgericht
Das Urteil aus Florida ist endgültig, da die Staatsanwaltschaft im US-Strafrecht gegen einen Freispruch durch Geschworene keine Rechtsmittel einlegen kann. Daher hoffen die Kritiker der Entscheidung nun darauf, dass Zimmerman vor einem Bundesgericht ein neuer Prozess gemacht wird. Experten sind aber skeptisch, dass dem Nachbarschaftswächter eine Straftat nach Bundesrecht wie eine Verletzung von Bürgerrechten oder ein Hassverbrechen nachzuweisen ist.

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