Der politisch aufgeladene Begriff „Renaturierung“ ist zum österreichischen Wort des Jahres 2024 gekürt worden. Doch auch weitere Kategorien wurden von der politischen Debatte dominiert. FPÖ-Chef und „Volkskanzler“ Herbert Kickl setzte sich dabei gleich in zwei Kategorien durch.
Das gab die Gesellschaft für Österreichisches Deutsch (GSÖD) in Graz bekannt. Bei der mittlerweile 25. Wahl konnte die „Renaturierung“ 24 Prozent der Stimmen ergattern. Bei der Maßnahme, mit der die Rückführung vor allem von landwirtschaftlich oder industriell genutzten Flächen und Gewässern in einen naturnahen Zustand bezeichnet wird, handle es sich „um ein politisch stark aufgeladenes Wort“, betonte die Jury.
Dies sei ersichtlich geworden, nachdem Umweltschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) „entscheidend dazu beigetragen hat, dass das Renaturierungsgesetz der EU verabschiedet wurde. Das führte seitens des Koalitionspartners zu Strafanzeigen und zur Behauptung, dass ein Verfassungsbruch vorliegen würde. Die ÖVP-Anzeige wurde von der WKStA allerdings zurückgelegt.“
„Swiftie“ und „ChatGPT“ auf den Stockerlplätzen
Die weiteren Stockerlplätze gingen an das KI-Programm „ChatGPT“ (18 Prozent), knapp gefolgt von „Swiftie“ (16 Prozent), der Fanbezeichnung für Anhänger der US-Sängerin Taylor Swift, deren heurige Konzerte in Wien wegen Terroralarms abgesagt werden mussten.
„Volkskanzler“ Unwort des Jahres
Beim Unwort des Jahres holte sich „Volkskanzler“ (34 Prozent) den Sieg, die Selbstbezeichnung Herbert Kickls (FPÖ) für den Fall, dass er der nächste Bundeskanzler werde. „Im Duden des Jahres 1941 ist unter ,Volkskanzler‘ zu lesen: ,Bezeichnung für Hitler zum Ausdruck der Verbundenheit zwischen Volk und Führer‘“, hieß es von der Jury.
Zum Unwort des Jahres werde es „durch den Rückgriff auf vergessen geglaubte Nazi-Terminologie, die Kickl quasi zum (neuen) Führer und die österreichische Bevölkerung zu seinem Volk stilisiert.“ Es folgen das aus dem Arabischen stammende „Talahon“ (27 Prozent) „durch seine aggressive und frauenfeindliche Verwendungsweise“ und „Remigration“ (13 Prozent).
Mit 17 Prozent der Stimmen wurde „heast“ schaffte zum Jugendwort des Jahres gekürt, gefolgt von „cooked“, das vor allem für ausweglose Situationen verwendet wird (Ich bin „cooked“: ich bin erledigt) und „Aura“.
„Lugner ist immörtal“ Spruch des Jahres
Zum Spruch des Jahres wurde „Lugner ist immörtal“ (29 Prozent), ein „Wortspiel in Reverenz zum bekannten Baumeister Richard Lugner, der heuer verstorben ist“, hieß es von der Jury, die den „zweigereihten Spruch als Spruch des Jahres aufgrund seiner besonderen sprachlichen Qualität“ gewählt hat. Dieser bezieht sich sowohl auf Lugners Spitzname „Mörtel“, als auch auf das englische Wort „immortal“ (deutsch: unsterblich).
FPÖ-Chef sorgte für Unspruch des Jahres
Der Unspruch des Jahres lautet „Euer Wille geschehe“. Das „abgewandelte Zitat aus dem Gebet Vaterunser, das Herbert Kickl (FPÖ) im Wahlkampf verwendet und sich damit (unter Protest der katholischen Kirche) quasi eine religiöse Aura geschaffen hat“ erhielt 47 Prozent der Stimmen.
Die Wahl wurde von der Gesellschaft für Österreichisches Deutsch in Graz mit Unterstützung der Austria Presse Agentur durchgeführt. 10.434 WählerInnen (Vorwahl 2734, Wahl 7700) nahmen an ihr Teil. Es wurden 1229 Vorschläge für die einzelnen Kategorien der Wahl eingesandt.
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