Die Viertklässler haben keine Ahnung, dass in Österreich am Sonntag gewählt wird. Also haben wir uns in einer Stunde darüber unterhalten. Bei ihnen zuhause werden kaum österreichische Medien verfolgt. Selbst dann nicht, wenn ein Elternteil bereits österreichischer Staatsbürger ist. Das Interesse gilt überwiegend der Politik in ihren Herkunftsländern.
So berichteten die Kinder empört: „In der Türkei sollen Hunde getötet werden. Präsident Erdogan sagt das.“ Es entstand eine Debatte über Tierschutz, in der ich den Bogen zu Österreich spannte. Auch hier ist der Tierschutz ein politisches Thema. Der Vorschlag, streunende Hunde zu töten, würde jedoch einen gewaltigen Aufschrei verursachen.
Das gefiel ihnen.“ Österreich ist gut!“ Nachdem ich sie informiert hatte, dass Tierschutz in Österreich keine Selbstverständlichkeit ist, meinte Aminat nachdenklich: „Aja, es gibt bald Milliarden Hunde.“
Das war mein Stichwort: Politik ist dazu da, Lösungen zu finden, die von der Mehrheit akzeptiert werden. Parteien machen verschiedene Angebote, wir Bürger entscheiden, welches uns am meisten zusagt. Tatsächlich kamen die Viertklässler dann zu einer Lösung des „Streuner-Problems“: Sterilisieren und nur kranke Hunde einschläfern. Yasin, der eher auf Erdogan-Linie war, schien nicht zufrieden: „Aber alle sind eh nie dafür.“
Yasin, das ist Demokratie: Die Wahlentscheidung einer Mehrheit zu akzeptieren, selbst, wenn ich sie für falsch halte.
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