Die beiden Pianisten Tomasz Zając und Kamila Sacharzewska gestalten den dritten Abend des Musikfestivals Arsonore im Grazer Schloss Eggenberg ganz im Zeichen Frederic Chopins. Ein Programm voller Kontraste.
Eine Schärfung der Kontraste tut manchmal gut. Beim Arsonore-Klavierabend sind dafür die Pianisten Tomasz Zając und Kamila Sacharzewska die richtige Wahl. Als „der Aristokrat und die Naturgewalt“ (Markus Schirmer) verkörpern die beiden jungen Musiker entgegengesetzte Lesarten Chopins.
Noblesse versus Abgründigkeit
Mit Noblesse zähmt zuerst Zając zum Auftakt den musischen Tiger als Tastendompteur. Immer etwas über den Dingen stehend, lässt er das Rondo op. 1. kunstvoll durch Reifen springen. Oder zieht mit der fast unterkühlten Cellistin Nadja Stiegler durch ein geschliffenes Grand duo concertant. Wie anders ist da Sacharzewska! Weniger äußerer Form und Linie als Flächigkeit und bauchiger Dynamik verpflichtet, vibrieren die Ballade op. 38 wie die vier Mazurken op. 24 vor Gefühl. Mit dem bauschigen Mezzosopran von Feride Büyükdenktas (Lieder op. 74) ergibt das feine Abgründigkeit.
Ein Kontrast, den die rahmende Lesung französischer Lyrik durch Fanny Altenburger fortsetzt. Während das Parfüm von Paul Verlaine oder Louise Labé in brav gelesenen Reimen rückstandslos verdunstet, gärt es in Baudelaires „Der alte Gaukler“. Kraftvoll erklärt Altenburger hier altes Ausbackfett zum „Weihrauchduft der Massen“. Ein Wohlgeruch!
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