Chronische Darmleiden

Neue Möglichkeiten der Behandlung bei Morbus Crohn

Gesund
11.07.2024 06:00

Etwa 80.000 Österreicher leiden an chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Mit welchen Symptomen sich diese Erkrankungen äußern und welche vielversprechenden Behandlungsmöglichkeiten es mittlerweile bereits gibt.

Im Fall von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) reagiert das Immunsystem über: Abwehrstoffe in diesem Verdauungsorgan bekämpfen nicht nur schädliche Erreger, sondern richten sich auch gegen den Körper.

Morbus Crohn
Bei Morbus-Crohn-Patienten entsteht dadurch eine dauerhafte Entzündung und Schädigung im Verdauungstrakt – vom Mund bis zum After. Am meisten betroffen ist bei ihnen der Übergang vom Dünn- in den Dickdarm.

Typische Symptome sind wässriger oder breiiger Durchfall mehrmals am Tag und über einen längeren Zeitraum, Krämpfe und/oder Schmerzen im Unterbauch, leichtes Fieber, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie Gewichtsverlust.

Colitis ulcerosa
Bei Colitis ulcerosa (CU) handelt es sich um eine Dickdarmentzündung mit Geschwürbildung. Anzeichen können u. a. anhaltender und oft mit Blut oder Schleim vermischter Durchfall, Gewichtsverlust, krampfartige bzw. oft mit der Stuhlentleerung verbundene Bauchschmerzen und ständiger Stuhldrang sein.

Für beide Leiden gilt: Bis zur Diagnose vergeht mitunter viel Zeit. Eine frühzeitige Abklärung beim Gastroenterologen und der rasche Beginn einer Behandlung sind jedoch wichtig, um bleibende Schäden zu verhindern. Hilfe gibt es.

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Die therapeutische Revolution bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen begann bereits 1955 mit der Entdeckung der Wirksamkeit von Kortikosteroiden bei der akut schweren Colitis ulcerosa.

(Bild: Karl Schrotter Photograph)

DDr. Franziska Baumann-Durchschein, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Uniklinik für Innere Medizin, MedUni Graz

„Die therapeutische Revolution bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen begann bereits 1955 mit der Entdeckung der Wirksamkeit von Kortikosteroiden bei der akut schweren Colitis ulcerosa, welche die Mortalität der Erkrankung drastisch reduzierte“, erklärt DDr. Franziska Baumann-Durchschein in der „Ärzte Krone“. Im Laufe der Jahrzehnte kamen viele weitere Behandlungsoptionen dazu, seit Kurzem sogar in rasantem Tempo.

Bei Colitis ulcerosa (CU) handelt es sich um eine Dickdarmentzündung mit Geschwürbildung, bei Morbus Crohn um eine dauerhafte Entzündung und Schädigung im Verdauungstrakt – vom Mund bis zum After. (Bild: stock.adobe.com/bilderzwerg - stock.adobe.com)
Bei Colitis ulcerosa (CU) handelt es sich um eine Dickdarmentzündung mit Geschwürbildung, bei Morbus Crohn um eine dauerhafte Entzündung und Schädigung im Verdauungstrakt – vom Mund bis zum After.

Neue Möglichkeiten der Behandlung
„Die derzeit wohl spannendste neue Therapieoption für CED sind sogenannte JAK1-Inhibitoren, die eine breite Blockade von entzündungsverursachenden Botenstoffen bewirken.

Eine weitere Möglichkeit mit völlig neuem Wirkmechanismus stellen die ,Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Modulatoren“ dar, die das Einwandern von Lymphozyten [Anmerkung: zuständig für die Abwehr von Krankheitserregern] in den Darm verhindern sollen und so den Entzündungsprozess unterbrechen“, berichtet Univ.-OA Priv.-Doz. DDr. Andreas Blesl.

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Die derzeit wohl spannendste neue Therapieoption sind sogenannte JAK1-Inhibitoren, die eine breite Blockade von entzündungsverursachenden Botenstoffen bewirken.

(Bild: Univ.-OA Priv.-Doz. DDr. Andreas Blesl)

Univ.-OA Priv.-Doz. DDr. Andreas Blesl, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Uniklinik für Innere Medizin, MedUni Graz

„Auch neue, sehr zielgerichtet wirkende Antikörper gegen den Botenstoff Interleukin-23 sind für Betroffene mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa verfügbar, haben ein sehr gutes Sicherheitsprofil und wirken sogar gegen das – insbesondere CU-Patienten quälende – Symptom des Stuhldrangs.“

Die Kehrseite der Medaille: Bürokratische Hürden in der Verschreibbarkeit der neuen Arzneien. Die Experten sehen daher dringend Handlungsbedarf, damit alle Patienten von den Entwicklungen profitieren können.

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