Der Wechsel von Wolfgang Hattmannsdorfer nach Wien dient nicht nur der eigenen Karriere, sondern auch der ÖVP. Er kann gut mit den Blauen und gilt als personelle Reserve. Viele in der Partei meinen aber, dass ohnehin etwas Tieferes hinter dem Wechsel steht.
Es war eine sehr bewegte Woche für die Landespolitik in Oberösterreich: Während die SPÖ rund um Vorsitzenden Michael Lindner am Donnerstag am Linzer Schlossberg zur Roten Nacht lud, glühten innerhalb der ÖVP die Telefonleitungen. Der Rücktritt von Wolfgang Hattmannsdorfer als Integrations- und Soziallandesrat zwang Landeshauptmann und OÖVP-Obmann Thomas Stelzer zum raschen Handeln.
Dörfel kommt zum Zug
Bekanntlich übernimmt Klubobmann Christian Dörfel das Sozialressort, im Klub folgt ihm die Wirtschaftsbündlerin Margit Angerlehner nach. So weit, so unspektakulär. Der Abgang von Hattmannsdorfer Richtung Wien – er kandidiert auf dem prominenten Platz 5 der Bundesliste für den Nationalrat und wird Generalsekretär in der Wirtschaftskammer – ist aber auch aus strategischer Sicht zu bewerten. Denn die ÖVP könnte mit diesem Schritt mehrere Probleme schon im Vorhinein lösen.
Die LH-Frage
Der 44-jährige Linzer Politiker Hattmannsdorfer gilt als extrem ehrgeizig. Der Schüler von Michael Strugl galt lange Zeit als fixer Kandidat für die Nachfolge von Landeshauptmann Thomas Stelzer, über die man sich gewiss einmal Gedanken machen muss.
Vom ÖVP-Chauffeur zum Landesgeschäftsführer und als bisheriger Höhepunkt Landesrat – Hattmannsdorfer legte eine schwarze Musterkarriere hin. Für Stelzer ist sein Abgang sicher auch ein wenig erleichternd, nimmt es doch ein wenig Druck aus der Nachfolge-Frage heraus.
Zusammenarbeit mit der FPÖ
Der künftige Generalsekretär in der Wirtschaftskammer hat mit den Freiheitlichen eher weniger Probleme. Als die Koalition in Oberösterreich mit der Partei von Obmann Manfred Haimbuchner 2015 das erste Mal zustande kam, war Hattmannsdorfer einer der wichtigsten Architekten im Hintergrund.
Und auch wenn es dem damaligen ÖVP-Chef Josef Pühringer nicht geschmeckt hat – die junge Truppe in der Partei setzte sich durch und schlug einen neuen Weg ein.
Zugeständnis an die „Blauen“
Ähnliches traut man Hattmannsdorfer jetzt offenbar auch auf Bundesebene zu: Ausgestattet mit einem Listenplatz ganz weit vorne wird seine Stimme auch im Herbst ordentliches Gewicht haben, wenn es um etwaige Koalitionsverhandlungen mit den Blauen geht.
Viele sehen den Wechsel des Linzers nach Wien als ein Zugeständnis an die FPÖ, die sich mit ihrem Nein zu Herbert Kickl in eine Sackgasse manövriert hat. Der Name Hattmannsdorfer ist in Wien unbelastet, die Achse zu den mächtigen Parteifreunden in Niederösterreich ist gegeben, immerhin gilt Hattmannsdorfer als Vertrauter von LH-Vize Stephan Pernkopf, der lieber heute als morgen Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner nachfolgen möchte.
Die eiserne Reserve
Ein Problem hätte die ÖVP mit einem Nationalratsabgeordneten Wolfgang Hattmannsdorfer gelöst, ehe es überhaupt auftaucht: Insider gehen davon aus, dass es die Partei bei oder vor allem nach der Wahl ordentlich herumwirbelt.
Ob dann noch alle aktuellen Player – von Bundeskanzler Karl Nehammer abwärts – fest im Sattel sitzen werden, darf bezweifelt werden. Mit Hattmannsdorfer stünde jemand bereit, der einspringen könnte. Viele in der Partei meinen ohnehin, dass das Amt in der Wirtschaftskammer vorgeschoben ist und etwas Tieferes hinter dem Wechsel nach Wien steckt.
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