In zwei Wochen können die Österreicher über die Zusammensetzung des EU-Parlaments mitentscheiden. Alle, die mindestens 16 Jahre sind, dürfen wählen. Egal, wie wichtig einem diese Wahlen sind: Wichtig ist, dass jede und jeder wählen darf. Das war nicht immer so.
So lange ist es gar nicht her, da durften nicht alle wählen. Etwa Arbeiter und Bauern. Oder Frauen.
Es gab Zeiten, da konnten nur Menschen wählen, die genügend Geld hatten.
Und seit der Antike geistert die Idee durch die Welt, dass nur die Gebildeten in der Politik mitreden sollen.
Zweieinhalbtausend Jahre nach Platon kommt nun der ORF daher und redet von einem „Befähigungsnachweis“ für Wahlen. Zum Beweis für diesen famosen Einfall schickte der öffentlich-rechtliche Sender das Team von „Gute Nacht Österreich“ auf die Straße, um Passanten vorzuführen. Etwa mit der Frage, wie viele Abgeordnete im Parlament sitzen – oder ob man auf einem Foto NEOS-Chefin Meinl-Reisinger erkenne.
Die Absicht war durchschaubar. Man wollte zeigen, dass die Menschen zu blöd sind, um zu wählen.
Abgesehen davon, dass es eine einfache Übung ist, Menschen vor der Kamera zu blamieren: Es ist nicht die Aufgabe des ORF, die Bürger bloßzustellen. So wie es nicht die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Senders ist, hart erkämpfte Errungenschaften der ohnehin gefährdeten Demokratie infrage zu stellen.
Im Grunde sind solche vermeintlich lustigen ORF-Aktionen nur niederträchtig und das Produkt gebührenfinanzierter Präpotenz.
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