Sie lügen und betrügen, um ans Ziel zu kommen: Systeme mit Künstlicher Intelligenz (KI) sind in der Lage, Menschen zu täuschen – selbst, wenn sie darauf trainiert wurden, hilfreich und ehrlich zu sein.
„Wenn KI die Fähigkeit zur Täuschung erlernt, kann sie von böswilligen Akteuren, die absichtlich Schaden anrichten wollen, effizienter eingesetzt werden“, warnen Forscher am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) in einer Übersichtsstudie, die in der Fachzeitschrift „Patterns“ veröffentlicht wurde. Die Täuschungen mithilfe von KI könne zu einem Anstieg des Betrugs führen. So könnte der Betrug auf bestimmte Ziele individuell angepasst werden. Außerdem könnten die Betrugsversuche massenhaft gestartet werden.
Auch befürchten die Wissenschaftler einen politischen Einfluss durch manipulative KI-Systeme. Sie könnten zum Beispiel bei Wahlen als Waffe eingesetzt werden. Eine fortschrittliche KI könnte potenziell gefälschte Nachrichtenartikel, die Gesellschaft spaltende Beiträge in Sozialen Medien und gefälschte Videos, die auf einzelne Wähler zugeschnitten sind, erstellen und verbreiten. KI-generierte Inhalte könnten dazu verwendet werden, sich als Regierungsvertreter auszugeben, um Fehlinformationen über die Wahlen zu verbreiten. Beispielsweise habe ein wahrscheinlich von KI generierter gefälschter Roboteranruf von US-Präsident Joe Biden die Einwohner von New Hampshire dazu aufgefordert, bei den Vorwahlen nicht zur Urne zu gehen.
Wir fanden heraus, dass die KI von Meta gelernt hatte, ein Meister der Täuschung zu sein.
Peter S. Park, Postdoktorand am MIT
KI spielt hinterhältig, obwohl das eigentlich nicht sein soll
Als auffälligstes Beispiel für eine manipulative Künstliche Intelligenz nennen die Autoren das vom Facebook-Konzern Meta entwickelte KI-System Cicero, das im Brettspiel-Klassiker Diplomacy gegen menschliche Mitspieler antreten kann. Die MIT-Forscher fanden nun heraus, dass Cicero oft nicht fair gespielt habe, obwohl Meta behaupte, das KI-System darauf trainiert zu haben, „größtenteils ehrlich und hilfsbereit“ zu sein. Außerdem sei das System angewiesen worden, seine menschlichen Verbündeten während des Spiels „niemals absichtlich zu hintergehen“.
„Wir fanden heraus, dass die KI von Meta gelernt hatte, ein Meister der Täuschung zu sein“, sagte Hauptautor Peter S. Park, ein Postdoktorand am MIT. Meta habe es zwar geschafft, seine KI so zu trainieren, dass sie im Diplomacy-Spiel überdurchschnittlich häufig gewinnt. So habe Cicero zu den besten zehn Prozent der Spieler gehört, die mehr als ein Spiel gespielt hatten. „Es gelang Meta aber nicht, seine KI so zu trainieren, dass sie ehrlich gewinnen konnte.“
Auch KI-Systeme von OpenAI und Google seien in der Lage, Menschen zu täuschen. Die MIT-Forscher verweisen dabei auf mehrere Studien, wonach große KI-Sprachmodelle (LLMs) wie GPT-4 von OpenAI inzwischen in der Lage sind, sehr überzeugend zu argumentieren und auch auf Täuschungen und Lügen auszuweichen.
Gesellschaft nicht ausreichend gegen KI-Täuschung gerüstet
Park und seine Kollegen vertreten in der Studie die Meinung, dass die Gesellschaft bisher nicht über die richtigen Maßnahmen verfüge, um gegen KI-Täuschungen vorzugehen. Es sei aber ermutigend, dass die politischen Entscheidungsträger begonnen hätten, das Thema durch Maßnahmen wie das KI-Gesetz der Europäischen Union und die KI-Exekutivverordnung von Präsident Biden ernst zu nehmen. Es bleibe abzuwarten, ob die Maßnahmen zur Eindämmung der KI-Täuschung strikt durchgesetzt werden könnten, da die KI-Entwickler bisher nicht über die Techniken verfügen, um diese Systeme in Schach zu halten. „Wenn ein Verbot von KI-Täuschung zum jetzigen Zeitpunkt politisch nicht durchsetzbar ist, empfehlen wir, trügerische KI-Systeme als hohes Risiko einzustufen“, mahnte Park.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.