Künstliche Intelligenz ist in aller Munde und kommt in immer mehr Bereichen des täglichen Lebens zum Einsatz. Die „Krone“ war bei sozialem Wohnverbund in Linz, wo neueste Technik verwendet wird, zu Besuch. Es gibt aber auch Kritik an Entwicklern.
Sind Technik und Künstliche Intelligenz, die derzeit ja in aller Munde sind, für Menschen mit Beeinträchtigung nun Fluch oder Segen? Zumindest einmal sind sie beim „Krone“-Besuch im Wohnverbund der Sozialorganisation Assista in Linz ein Türöffner, als Resi Schneebauer (68) vor ihrem Zimmer stehen bleibt und auf den Bildschirm tippt, der auf ihrem Rollstuhl verbaut ist. Denn dadurch öffnet sich die Eingangstüre. Mit ihrem Tablet kann die Bewohnerin Dinge steuern, die sie sonst nicht betätigen könnte, etwa per Klick Fenster oder eben Türen öffnen.
Sprachsteuerung hilft
Einen Stock weiter oben empfängt Alfred Prantl (64) die „Krone“. Er öffnet die Türe nicht per Fingerdruck auf einen Bildschirm, sondern mittels Sprachsteuerung. „Damit steuere ich zum Beispiel das Licht, die Fenster und auch die Maus von meinem Computer“, erklärt Prantl, der zur Demonstration „schalte das Wohnzimmer aus“ ruft – es wird dunkel. Der 64-Jährige ist Obmann der Vereinigung der Interessensvertretungen der Menschen mit Beeinträchtigung in OÖ. „Jeder müsste solche technischen Hilfsmittel finanziert bekommen“, sagt er.
„Bei der Entwicklung der Systeme mitdenken“
„Das erleichtert ja auch die Betreuung, wenn ich nicht immer um Hilfe läuten muss, nur wenn ich den Fernseher aufdrehen will.“
Der Markt ist sehr klein
Trotzdem steht Assista-Geschäftsführer Markus Lasinger Instrumenten der Künstlichen Intelligenz (KI), wie eben einer Sprachsteuerung, zwiegespalten gegenüber: „Eigentlich würde KI die Inklusion fördern, weil sie Menschen mit Beeinträchtigung viele Möglichkeiten bietet. Aber dadurch, dass ihre Bedürfnisse beim Entwickeln der KI nicht berücksichtigt werden, wird dieser Personenkreis erst wieder ausgeschlossen.“ Dazu komme: „Der Markt für assistierende Systeme ist sehr klein, deshalb werden viele Sachen nicht zur Gänze ausgeschöpft.“
Weil ihre Bedürfnisse beim Entwickeln der KI nicht berücksichtigt werden, werden Beeinträchtigte erst wieder ausgeschlossen.
Markus Lasinger über Probleme mit KI
Wie man das ändern kann? „Bei der Entwicklung der Systeme mitdenken, dass es Menschen gibt, die mehr Unterstützung brauchen“, sagt Interessensvertreter Prantl. „Es müssten auch Apps so entwickelt werden, dass sie von Menschen mit Beeinträchtigung bedient werden können.“ Davon abgesehen, erzählt Prantl schmunzelnd von einer anderen Herausforderung: Als gebürtiger Tiroler hatte er Schwierigkeiten, dass die Sprachsteuerung seinen Dialekt versteht.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.