"Bin nicht glücklich"

Will Ronaldo Real Madrid zum “FC Cristiano” machen?

Sport
04.09.2012 13:49
Cristiano Ronaldo hat bei Real Madrid ein wahres Erdbeben ausgelöst. Gerade als der spanische Rekordmeister den ersten Meisterschaftssieg eingefahren und nach seinem verpatzten Saisonstart die Gefahr einer Krise gebannt hat, begehrte der wichtigste Spieler im Kader auf. "Ich bin nicht glücklich", sagte der Portugiese vieldeutig. Der Superstar soll gar mit einem Vereinswechsel gedroht haben. Offenbar will er damit erreichen, in der Mannschaft der unumstrittene Führungsspieler zu werden, und Real zum "FC Cristiano" zu machen.

Die Drohung, den Verein zu verlassen, dürfte der teuerste Fußballer der Welt aber kaum ernst gemeint haben. Andernfalls hätte der 27-Jährige sie nicht unmittelbar nach dem Abschluss der Transfer-Periode vorgebracht, sondern schon vor dem 31. August. Es deutet vielmehr alles darauf hin, dass Ronaldo mit seiner "Traurigkeit" eine bestimmte Taktik verfolgt.

Gleiche Taktik wie einst Mourinho?
Das Verhalten des Torjägers erinnert in Madrid an die Taktik des Real-Trainers Jose Mourinho. Der Portugiese hatte die Vereinsführung ebenfalls über die Presse unter Druck gesetzt und mit einer Rückkehr nach England geliebäugelt. Auf diese Weise erreichte Mourinho, dass Real seinen Gegenspieler Jorge Valdano als Generaldirektor entließ und ihm als Manager eine Machtfülle zugestand, wie sie bei Real noch nie ein Trainer besessen hatte.

"Ronaldo verfolgt nun dieselbe Taktik wie sein Landsmann", schreibt die Zeitung "El Pais". "Er will erreichen, dass die Mannschaft ihn als die unumstrittene Führerfigur anerkennt und sich dafür einsetzt, dass er zum Weltfußballer des Jahres gekrönt wird." Ronaldo scheint dabei ein wenig neidisch auf die Position seines Rivalen Lionel Messi beim FC Barcelona zu schielen. Bei Barca wird die Autorität des Argentiniers von niemandem bezweifelt, das gesamte Team stellt sich in den Dienst des Superstars.

Machtkampf mit Casillas und Ramos
Bei Real dagegen sind einige Schlüsselspieler wie die Welt- und Europameister Iker Casillas oder Sergio Ramos anscheinend nicht gewillt, Ronaldo eine uneingeschränkte Führungsposition einzuräumen und den Klub zu einem "FC Cristiano" zu machen, wie "El Pais" schreibt. In der Vergangenheit war schon häufiger von angeblichen Grabenkämpfen im Real-Kader zwischen Spaniern und Portugiesen die Rede gewesen. Erst kürzlich hatte die Presse enthüllt, dass Mourinho im Training mit Casillas und Ramos aneinandergeraten sei.

Zu viel Steuern als Grund für Ronaldos Traurigkeit?
Das Aufbegehren Ronaldos könnte aber auch mit Geld zu tun haben. Bei Manchester United hatte der Portugiese in sechs Jahren fünf Gehaltsaufbesserungen erhalten, bei Real noch keine. Nach Informationen der Zeitung "El Mundo" geht Ronaldos "Traurigkeit" jedoch nicht auf aktuelle Gehaltsforderungen zurück, sondern auf ein steuerliches Problem bei einer Verlängerung des 2015 auslaufenden Vertrags.

Derzeit zahle Real für das Gehalt des Portugiesen nach der sogenannten "Beckham-Regelung" einen ermäßigten Steuersatz von 24 Prozent, schreibt das Blatt. Von 2015 an werde der Spitzensteuersatz von 52 Prozent fällig. "Das macht einen Unterschied von fünf Millionen Euro aus und ist der Auslöser von Ronaldos Traurigkeit", schreibt das Blatt.

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