In der bosnischen Grenzstadt Bijeljina ist am Wochenende ein Denkmal für verstorbene Geflüchtete auf der Balkanroute eingeweiht worden. Initiiert wurde es von der österreichischen Flüchtlings-NGO SOS Balkanroute. Sie macht die Grenzpolitik der EU für die Toten verantwortlich.
Als Erinnerung an die Schutzsuchenden, die im bosnisch-serbischen Grenzfluss Drina gestorben sind, wurde eine Baumreihe gepflanzt. Zudem wurden auf Friedhöfen in Bijeljina und Zvornik insgesamt 41 neue Grabsteine errichtet, hieß es in einer Aussendung. Der Gedenkort, an dem die Geflüchteten unter „N.N.“ (No Name) begraben sind, wurde von der SOS Balkanroute zusammen mit lokalen bosnischen Aktivisten, der dortigen Bergrettung, dem Zivilschutz und dem bosnischen Menschenrechtsministerium enthüllt.
Zadic lobt Aktion
Justizministerin Alma Zadic (Grüne) lobte die Aktion in einer Videobotschaft. Sie betonte, dass dieses Projekt dazu beitrage, „die Menschenwürde dieser Opfer zu wahren“, es gebe „ihnen eine würdige Ruhestätte“.
„Grenzregime der EU hat Menschen getötet“
Von 2018 bis 2024 wurden nach den Angaben allein um die Grenzstädte Bijeljina, Bratunac, Janja und Zvornik insgesamt 60 tote Geflüchtete verzeichnet. Der Aktivist Nihad Suljić, der sich seit Jahren mit Vermissten und Toten im bosnisch-serbischen Grenzgebiet befasst, geht jedoch von einer viel höheren Dunkelzahl aus. „Die Menschen hat nicht der Fluss Drina getötet, sondern das Grenzregime der EU, die Pushbacks in die Flüsse und die Nicht-Existenz legaler Fluchtwege“, sagte Suljić laut der Aussendung.
Bei einer anschließenden Konferenz unter dem Titel „Gestoppte Träume an Europas Außengrenzen“ waren sich die Teilnehmer einig gewesen, dass die Länder Verantwortung übernehmen müssen. In der Zukunft müsse nicht nur ein menschenwürdiges System der Bestattung, sondern auch eine DNA-Datenbank geschaffen werden, hieß es.
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