Erste Plakate hängen

Innsbrucker Wahlkampf: Nichts mit „knackig & kurz“

Tirol
29.11.2023 09:00

Auch wenn (fast) alle Innsbrucker Parteien im Vorfeld versicherten, die Wähler nicht allzu sehr strapazieren zu wollen - der Fall ist wieder einmal das Gegenteil. Aber das kennt man ja bereits von früher ...

Knackig und kurz“ soll er verlaufen – der Stimmenfang für die Innsbruck-Wahl, die am 14. April (!) des kommenden Jahres stattfinden wird. Begründung: Niemand in der Bevölkerung will einen langen Wahlk(r)ampf. So lauteten zumindest wieder einmal die Ansagen der Politikerinnen und Politiker – getätigt vor Wochen. Gekommen ist es freilich (fast schon erwartungsgemäß) völlig anders.

Bürgermeister Willi vor Wochen gestartet
Mit dem „kurzen und knackigen Wahlkampf“ begonnen haben dieses Mal die Grünen, die sich ansonsten gerne als Moralapostel und oberste Instanz aufspielen, wenn es ums Anprangern von Verfehlungen anderer Parteien geht. Der Stadtchef selbst, Bürgermeister Georg Willi, konnte es wohl kaum erwarten und begann bereits vor Wochen, Citylights mit seinem Konterfei und dem hochgeistigen Wortspiel „DEN WILLI WILL I“ in der Landeshauptstadt zu positionieren.

Freilich muss gerechterweise schon betont werden, dass ein anderer Politiker längst im Wahlkampfmodus unterwegs war, ohne es vielleicht selbst zu wissen. Namentlich Vizebürgermeister Johannes Anzengruber, der, damals noch der ÖVP angehörend, fleißig Wahlgeschenke, sprich Erlebnis-Gutscheine verteilte, die aber laut seiner eigenen Aussage gar keinen Wert mehr haben

Auch Vize Lassenberger lacht in die Gegend
Die Folgen waren abzusehen. Logischerweise hielt es auch den anderen Vize, sprich Markus Lassenberger von der FPÖ, nicht mehr im ruhigen Sattel. Auch er lacht vielerorts mit dem Spruch „Innsbruck braucht einen neuen, verlässlichen Bürgermeister“ in die Gegend. Dass sich in diesem Sog auf der Suche nach mehr Wählernähe (eine Eigenschaft, die je nach Periodenlänge alle vier, fünf, sechs Jahre auftritt) auch die eine oder andere Ein-Mann-Show des Innsbrucker Gemeinderates in Stellung und als nächster Bürgermeister ins Spiel zu bringen versuchte, ist nur all zu verständlich und gibt diesem „kurzen und knackigen“ Wahlkampf nur eine liebliche Note.

O-Dorf und Reichenau 2018 fest in blauer Wählerhand
Passend dazu, aber wohl eher außergewöhnlich, ist, dass der Chef einer Partei einem anderen gut gemeinte Tipps gibt, was er denn für einen erfolgreichen Wahlkampf zu tun habe. Gleich vorweg: Natürlich hat das der Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger so nicht gemeint, als er an die Adresse von ÖVP-Staatssekretär Florian Tursky in Bezug auf die Innsbruck-Wahl kürzlich in der „Krone“ meinte, er schaue sich an, wie Tursky die PS auch auf die Straße bringe. Es werde jedenfalls zu wenig sein, sich „von eigenen Funktionären feiern zu lassen“, sondern darauf ankommen, ob Tursky auch Hausbesuche etwa in den Stadtteilen im O-Dorf oder Reichenau absolviere, so wie „das unser Markus Lassenberger seit Jahren macht“. O-Dorf und Reichenau waren bei der Wahl 2018 übrigens fest in blauer Wählerhand.

Tursky begibt sich in „Höhle des blauen Löwen“
Nicht auszuschließen ist, dass Abwerzgers Aussagen auch die Wahlstrategen der Innsbrucker Volkspartei auf den Plan gerufen haben. Verzeihung: Die ÖVP in Innsbruck tritt ja nun unter dem Namen „Das Neue Innsbruck“ an. Fakt ist, dass besagter Florian Tursky sich Mittwochabend quasi in die „Höhle des blauen Löwen“ begeben und im Mehrzwecksaal im Olympischen Dorf seinen Wahlkampfauftakt unter dem Motto „Innsbruck gemeinsam wieder nach vorne bringen“ bestreiten wird. Apropos streiten: Dieses Thema wird sicher noch zur Genüge besetzt werden im „knackigen und kurzen Wahlkampf“, der zumindest den Innsbruckern in den nächsten viereinhalb Monaten ins Haus steht.

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