Titelkauf im Web

Rabattportal wirbt mit kirchlichen Doktorwürden

Web
27.01.2012 15:01
"Hol dir deinen Doktortitel, ganz schnell und unkompliziert", heißt es auf der österreichischen Website "Deal LX". Auf dem Rabattportal wird dem Besucher am Freitag neben Yoga-Schnupperkurs, Hotelschnäppchen und Massagegutscheinen der Ehrendoktor als "Deal des Tages" um 39 statt 150 Euro angeboten. Wer den Titel hierzulande allerdings verwendet, dem droht eine empfindliche Verwaltungsstrafe.

Statt Studium und Promotion braucht es nur eine "Spende" an die "Miami Life Development Church" zu kirchlichen Ehrendoktorwürden. 17 Käufer haben sich innerhalb der ersten 14 Stunden laut Website gefunden - sie können aus verschiedensten Doktortiteln vom "Doctor of Alternative Health" bis zum "Doctor of Exorcisms" oder "Doctor of Feng Shui" wählen.

Hinter dem Angebot steht die Website doktortitel-kaufen.net, die bereits vor einem Jahr durch die Medien ging. Auf der Website wird beteuert, dass kein "Titelhandel" vorliegt, die US-"Kirche" verleihe lediglich "kirchliche Ehrenwürden", sogenannte "Doktor h.c."- bzw. "Professor h.c."-Grade als Dank für eine "Spende". Für den Doktor sind 150 Euro hinzublättern, für den Professor 200 Euro. Einen Online-Auftritt hat die Glaubensgemeinschaft aus Florida nicht, das übernimmt die Website stellvertretend.

"Protzige Urkunde" mit Stempel
Nach Zahlung auf deallx.at erhält der Kunde einen Gutscheincode, den er auf der Titelkauf-Seite eintragen kann. Nach Eingang der "Spende" wird eine Urkunde verschickt. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet von einer schnellen Lieferung und einer "protzigen" Urkunde - mit echtem Stempel und faksimilierter Unterschrift "eines D. van Hoogen, des Senatspräsidenten". Laut Website ist das Tragen des Titels möglich, wenn keine Verwechslung mit akademischen Graden droht. Mit der Schreibweise "Dr. h.c. of metaphysics, MLDC Institute (USA)" sei man auf der sicheren Seite.

Bis zu 15.000 Euro Verwaltungsstrafe
Was in den USA und möglicherweise in Deutschland kein Problem ist, könnte in Österreich zu einem werden: Laut Heinz Kasparovsky, dem zuständigen Beamten im Wissenschaftsministerium, wird gerne mit "kirchlichen Titeln" gehandelt, "weil diese in den USA nicht unter die strenge Bestimmung der akademischen Grade fallen". Diese Unterscheidung sei in Österreich aber irrelevant, "da unser Recht vom Anschein eines akademischen Grades ausgeht". 

Was sich "Doctor of ..." nennt, fällt genau darunter, eine Führung des Titels ist daher nicht möglich. Wegen des äußeren Eindrucks sind diese Titel daher strafrechtlich genauso wie akademische Grade im Sinne des Studienrechts zu sehen - und Paragraf 116 des Universitätsgesetzes 2002 besagt, dass wer in Österreich einen akademischen Grad unberechtigt verleiht, vermittelt oder führt, mit bis zu 15.000 Euro Verwaltungsstrafe rechnen muss.

Urkunde besitzt nur "lustigen Geschenkwert"
Bernhard Auer, einer der beiden Geschäftsführer der in Wien ansässigen Deal LX GmbH, sieht das Angebot gelassen. Man wolle den Kunden "ein möglichst unterschiedliches Angebotsportfolio zusammenstellen", da gehörten "außergewöhnliche Geschenkideen" eben auch dazu. Die Plattform selbst sei nur "Vermittler" zwischen dem werbenden Partner - in dem Fall doktortitel-kaufen.net - und dem Kunden. Die Leistung bestehe "in der Ausstellung dieser Urkunde", "das Blatt Papier hat bis auf einen lustigen Geschenkwert keinen Wert".

Dass manch ein Käufer den Titelerwerb ernst nehmen könnte, denkt Auer nicht. "Das läuft unter dem Titel Geschenkideen." Tatsächlich heißt es auf der Website jedoch nur unter einem von mehreren Punkten "auch zum Verschenken". Wörtlich ist etwa von einer "öffentlich gültigen Titelbezeichnung" die Rede. Der "Gutschein gilt für einen Doktortitel (Doktor honoris causa)", nicht etwa für die Ausstellung einer Urkunde. Für Auer ist ein Juxgeschenk für 39 Euro legitim - "für 150 Euro hätten wir den Deal aber nicht angeboten".

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