Auf "Mesmerize" zeigen Serj & Co eindrucksvoll, wieso sie eine Ausnahmestellung in der heutigen Metal/Alternative/Rock-Szene einnehmen: wunderbare Harmonien, Gitarrenriffs in Lichtgeschwindigkeit, poppige Refrains, toller Gesang, hysterisches Schreien - keine andere Band schafft es, derart abwechslungsreiche Songs wie System of a Down zu schreiben. Nicht mehr extra erwähnen muss man die politischen Statements der Band, die zu den heftigsten Gegnern von George Bush gehören - was unter anderem auch der Grund war, wieso man längere Zeit nichts mehr von System of a Down hörte: Serj Tankian kümmerte sich um seine "Axis of Justice", mit der Stimmung gegen Bush und für John Kerry gemacht werden sollte.
Wilde Mixtur
Zurück zum Album "Mesmerize", das mit knapp 38 Minuten zwar recht kurz ausgefallen ist, dafür ist die Intensität umso höher und im Herbst dürfen wir uns ja noch dazu über den zweiten Teil des Albums freuen.
Das Album beginnt mit einem ruhigen Intro und geht dann direkt in den ersten Song B.Y.O.B. - zugleich die erste Single - über, der gleich zeigt, worauf man sich einstellen darf: zuerst ein superschnelles Metal-Riff, das dann beim Refrain in einen zuckersüßen Pop-Refrain übergeht. Im Song selbst geht es darum, wieso Präsidenten nie selbst in den Krieg ziehen: "Why do they always send the poor?".
Am dritten Track, Revenga, bekommt dann Gitarrist Daron Malakian mehr Zeit vor dem Mikro - was sich auch über den Rest des Albums zieht und zunächst zwar etwas ungewohnt ist, die Songs aber noch interessanter macht.
Track vier, Cigaro, besticht einerseits durch extremes Tempo und einen Mitgröhl-Refrain, der bei eingefleischten SOAD-Fans auf viel Gegenliebe stoßen wird.
Track fünf, Radio/Video, beginnt mit einem Riff, das von einem der letzten Red Hot Chili Peppers geklaut sein könnte, geht dann zunächst in die übliche Tempo-Bolzerei über, dazwischen gibt's dann Ska-Klänge...
Track sechs, This Cocaine..., ist der schwächste Song am Album, mit wenig Abwechslung.
Dafür folgt dann gleich Violent Pornography, ein mit Worten nahezu nicht beschreibbarer Song - ein heißer Tipp für die zweite Single und vom Aufbau her ähnlich wie B.Y.O.B.: schneller Anfang, Mitgröhl-Teile und dann ein harmonischer Refrain, der an Bombast nichts zu wünschen übrig lässt.
Am Ende stehen elf fast durchgehend großartige Songs, die beweisen, wie abwechslungsreich Musik sein kann: auf "Question!", einer eher melancholischen Nummer, hört man im Hintergrund spanische Castagnetten, die sich zwischendurch mit Metal-Gitarren paaren und auf "Old School Hollywood" hat man sich an einem Computer vergriffen und Roboterstimmen eingebaut. Der Fantasie von Serj und seinen Bandkollegen sind tatsächlich keine Grenzen gesetzt.
Live kann man System of a Down übrigens demnächst auch in Österreich bewundern: sie spielen nämlich beim "Nova Rock"-Festival. Tickets dafür bekommst du bei uns online (Link in der Infobox).
Fazit: 9,5 von 10 kurz-intensiven Hörorgasmen
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