Bei KFOR-Einsatz

Kosovo: Acht österreichische Soldaten verletzt

Österreich
29.11.2011 08:42
Im Nordkosovo sind am Montagabend bei der Räumung einer Straßensperre einmal mehr Serben und Soldaten der internationalen Schutztruppe KFOR aneinandergeraten. Bei dieser erneuten Machtprobe wurden sechs österreichische Soldaten leicht und zwei weitere mittelschwer verletzt. Die Männer seien laut Verteidigungsministerium medizinisch versorgt worden, es bestehe keine Lebensgefahr.

Bereits am Montagvormittag war es zu Auseinandersetzungen gekommen, als KFOR-Truppen eine Straßensperre im Dorf Jagnjenica westlich der Stadt Mitrovica räumten, die von ortsansässigen Serben errichtet worden war. Serbischen Medienberichten zufolge wurden die KFOR-Soldaten mit Molotow-Cocktails, Steinen und Schlagstöcken attackiert, die internationale Schutztruppe reagierte mit Wasserwerfern und Tränengas. Am frühen Abend, gegen 17.30 Uhr, eskalierte die Situation schließlich. Dabei wurden insgesamt bis zu 60 Personen verletzt, darunter die acht österreichischen Soldaten.

Verletzte gehören zur "Elite" des Bundesheeres
Wie Günter Ruderstaller vom Streitkräfteführungskommando in Graz und Peter Barthou, Sprecher des Verteidigungsministeriums, am späten Montagabend mitteilten, hätten die sechs leicht verletzten Österreicher ambulant behandelt werden können - sie befänden sich "theoretisch" bereits wieder im Einsatz. Die zwei mittelschwer Verletzten wurden laut ORF in die medizinische Station des US-amerikanischen Camps im Kosovo gebracht.

Alle acht Verletzten gehören laut Oberst Michael Bauer vom Verteidigungsministerium den oberösterreichischen Panzergrenadieren an, es handelt sich um Soldaten der Kaserne Ried im Innkreis. Sie seien auf "derartige Zwischenfälle und Ernstfälle" vorbereitet, sie gehörten zur "Elite" des österreichischen Bundesheeres, wie Bauer Dienstag früh im ORF-Radio sagte.

Bei den Krawallen wurden auch 15 deutsche Soldaten verletzt, zwei von ihnen erlitten leichte Schussverletzungen. Die Serben wiederum meldeten rund 30 Verletzte durch Tränengas und Gummigeschoße.

Serben lehnen Autorität Pristinas im Nordkosovo ab
Die serbische Volksgruppe im Nordkosovo protestiert mit Barrikaden gegen die Anwesenheit von kosovarischen Zöllnern an den zwei nordkosovarischen Grenzübergängen Jarinje und Brnjak. Die Serben lehnen jede Autorität Pristinas in diesem Teil des Landes ab. Insgesamt wurden in den vergangenen zwei Monaten 18 Straßensperren errichtet, mehrere davon wurden von der KFOR, die in Jagnjenica einen neuen Kontrollpunkt errichten will, entfernt.

Serbische Politiker in Belgrad kritisierten die Räumung der Straßensperre durch die KFOR als "Provokation". Auch der Bürgermeister vom Nordteil von Mitrovica, Krstimir Pantic, beschuldigte gegenüber serbischen Medien die KFOR des "übermäßigen Gewalteinsatzes" gegen serbische Demonstranten.

KFOR: "Operation vollkommen im Einklang mit Mandat"
Demgegenüber rechtfertigte die von der NATO geführte Truppe ihr Vorgehen damit, sie müsse gemäß ihrem Auftrag für die ungehinderte Bewegungsfreiheit im ganzen Kosovo sorgen. KFOR-Sprecher Uwe Nowitzki erklärte dem TV-Sender B-92, die Operation sei vollkommen im Einklang mit dem KFOR-Mandat gewesen. Auch hätten die Soldaten erst reagiert, nachdem sie seitens der Serben beschossen worden seien.

Die NATO kritisierte das Vorgehen der ortsansässigen Serben und zeigte sich "besorgt über die Entwicklungen". "Der Einsatz von Gewalt gegen Soldaten der KFOR ist inakzeptabel", so NATO-Sprecherin Oana Lungescu am Montagabend in Brüssel. "Wir fordern alle Seiten zur Zurückhaltung und zu einer Zusammenarbeit mit allen internationalen Stellen auf, um die Bewegungsfreiheit im Kosovo ohne Verzögerung wiederherzustellen", so Lungescu.

Belgrader Diplomat: "Besonderes Regime" nötig
Am Mittwoch wollen Belgrad und Pristina erneut über das Streitthema sprechen. Die kosovarische Regierung will eine "integrierte Grenzkontrolle" von Vertretern Pristinas, Belgrads und der internationalen Gemeinschaft an allen Grenzen erreichen. Serbien winkt diesbezüglich ab und hält am De-facto-Sonderstatus für den Nordkosovo fest. An den Grenzübergängen Jarinja und Brnjak im Nordkosovo müsse ein "besonderes Regime" herrschen, betonte der serbische Chefunterhändler Borko Stefanovic. Was genau er damit meinte, sagte der Diplomat nicht.

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