28.11.2011 12:14 |

Helfer nach Überfall

93-Jährige kämpft gegen Abschiebung von Nigerianer

Eine 93-jährige Grazerin ist im Juni überfallen und beraubt worden - ein Nigerianer beobachtete damals den Vorfall und half der Polizei, den Täter dingfest zu machen. Nun will sich die Pensionistin für den Helfer einsetzen, der dieser Tage einen negativen Asylbescheid bekam und nun von der Abschiebung bedroht ist.

Die Seniorin war Anfang Juni nahe ihrer Wohnung in Graz-Geidorf Opfer eines Raubüberfalls geworden: Ein Afrikaner - wie sich herausstellte, ebenfalls aus Nigeria stammend - entriss ihr Geld, Schlüssel, Fahrausweis und Brille. Die 93-Jährige sürzte, musste ins Krankenhaus gebracht werden und leidet heute noch vor allem psychisch an den Nachwirkungen der Attacke.

Räuber zu drei Jahren Haft verurteilt
Der Fall wäre wohl nie geklärt worden, wenn nicht der Enkel der 93-Jährigen den Nigerianer befragt hätte, der häufig in der Nähe des Tatorts als Verkäufer der Straßenzeitung "Megaphon" arbeitet. Tatsächlich konnte sich der Zeuge an einen davonlaufenden Afrikaner erinnern.

Als er den Verdächtigen später wiedersah, verständigte er die Polizei - beim ersten Mal kam die Streife zu spät, beim zweiten Mal klappte es aber: Der mutmaßliche Täter wurde verhaftet und im Herbst zu drei Jahren Haft verurteilt. Noch läuft das Revisionsverfahren.

"Wäre ein großer Wunsch von mir, mein Weihnachtswunsch"
Es gehöre viel Mut dazu, gegen einen Landsmann auszusagen, meinte das Opfer beeindruckt. Jetzt, wo der 31-jährige Nigerianer selbst auf Hilfe angewiesen ist, zeigt sich die 93-Jährige entschlossen, gegen seine Abschiebung zu kämpfen. "Man redet ständig von Integration. Und da gibt es jemanden, der sich konkret für eine ältere Frau einsetzt, und den schiebt man ab", fasste der Enkel das Motiv seiner Großmutter zusammen.

Ein Brief an Landeshauptmann Franz Voves, in dem sie sich dafür verwendet, dass der 31-jährige Nigerianer in Österreich bleiben darf, sei unterwegs: "Das wäre ein großer Wunsch von mir, mein Weihnachtswunsch."

Aus dem Büro des Landeshauptmanns hieß es am Montag, der Brief sei zwar noch nicht eingelangt, der Fall sei aber aufgrund von Medienberichten bekannt und die zuständige Fachabteilung aufgefordert worden, alle relevanten Informationen zu übermitteln: "Erst nach Vorliegen dieser Unterlagen kann die Situation beurteilt und können allfällige rechtliche Möglichkeiten geprüft werden."

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