Fatale Narkosen?

Innsbrucker Kinderklinik: Wieder Fälle aufgedeckt

Tirol
10.11.2011 17:07
Die Innsbrucker Kinderklinik, die erst kürzlich wegen des tragischen Todes einer Dreijahrigen in der Kritik stand, kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen. Am Donnerstag berichtete die "Elternplattform Kinderklinik" über zwei weitere Fälle von möglichen Behandlungsfehlern. Betroffen seien diesmal ein 16 Monate altes sowie ein weiteres dreijähriges Kind - auch hier dürften erneut Narkosen bzw. Sedierungen eine schwerwiegende Rolle gespielt haben.

Beide am Donnerstag bekannt gemachten Fälle hatten sich demnach im Jahr 2011 zugetragen. Bei dem 16 Monate alten Kind soll es laut Gabriele Fischer von der Elternplattform zu einer Komplikation im Zuge einer Routineoperation gekommen sein. Es befinde sich aber auf dem Weg der Besserung und könnte wieder gesund werden. Der dreijährige Bub soll hingegen dauerhaft behindert sein.

Die beiden aktuellen Fälle knüpfen bereits an eine Reihe mutmaßlicher Behandlungsfehler an. Erst am Mittwoch war vom Spitalsbetreiber Tilak erklärt worden, dass auch der Fall eines mittlerweile sechsjährigen Buben aus dem Jahr 2006 neu aufgerollt werde. Der kleine Südtiroler soll seit einer Hauttransplantation an der Innsbrucker Klinik schwerbehindert sein. Dieser Fall sei bereits im Jahr 2008 Thema bei der Patientenanwaltschaft gewesen, so die Tilak. "Damals konnte kein Fehlverhalten vonseiten der Innsbrucker Klinik festgestellt werden", man werde das nun trotzdem erneut prüfen.

Patientenanwaltschaft widerspricht Tilak
Dem widersprach hingegen die Tiroler Patientenanwaltschaft am Donnerstag. Zwischen Jänner 2009 und November 2010 habe man trotz mehrmaliger Versuche keinen Kontakt mehr zur Familie des Buben herstellen können. Dies sei auch der alleinige Grund dafür gewesen, weshalb der Fall bis Mai diesen Jahres nicht weiterverfolgt werden konnte, gab Rudisch an. Seit Mai 2010 sei man nun wieder in Kontakt mit Gabriele Fischer von der Elternplattform Kinderklinik, die in dem Fall eine Vollmacht habe.

Ende des vergangenen Monats war ein dreijähriges Mädchen nach einer Sedierung mit dem Narkosemittel Propofol über 46 Stunden in der Innsbrucker Klinik verstorben - auch in den neuen Fällen soll das umstrittene Mittel eine Rolle gespielt haben.

"Tilak-Führung ist auszutauschen"
Die Sprecherin der Elternplattform forderte am Donnerstag, neben einer Personalaufstockung bei den Ärzten, die gesamte Tilak-Führung unter "Supervision" zu stellen. Eine "unabhängige, externe Kommission aus dem Ministerium" solle die publik gewordenen Fälle sowie die Tilak und ihren gesamten Verwaltungsapparat überprüfen, so Fischer. "Die Führung der Tilak sowie die ärztliche Direktorin Alexandra Kofler sind nicht mehr tragbar. Sie sind auszutauschen."

Spätestens seit dem "Fall Nadina" aus dem Jahr 2008 laufe etwas schief an der Kinderklinik. "Die Tilak hat endlich Verantwortung zu übernehmen. Sie kann nicht sagen, sie hat von nichts gewusst. Den Eltern geht es nicht um Geld. Sie wollen einfach Antworten haben."

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