"Krone"-Gespräch

Griechen-Krise: Faymann gegen “falsche Propheten”

Österreich
05.11.2011 17:31
"Die Krise wird noch jahrelang dauern, wer anderes behauptet, ist ein falscher Prophet", zieht Bundeskanzler Werner Faymann im Gespräch mit der "Krone" ein bitteres Resümee der jüngsten Ereignisse um den Pleite-Staat Griechenland. Und er appelliert an die Hellenen, politische Einheit zu zeigen. Davon ist in Athen bisher allerdings leider wenig bis gar nichts zu sehen.

"Gehässigkeiten und parteipolitischer Hickhack müssen endlich aufhören", sagt der Bundeskanzler in Richtung Griechenland. Eine ehrliche Diskussion, bei der alle an einem Strang ziehen, wäre der größte Gefallen, den die Griechen sich selber machen könnten, so Faymann.

Und nicht nur sich selbst, der gesamten EU. Denn parteipolitische Zwiste um Macht und Einfluss haben nicht unwesentlich zur jetzigen Situation beigetragen. Es wäre auch ungerecht, dem sozialistischen Griechen-Premier Giorgos Papandreou die alleinige Schuld an allem zu geben. Denn die konservative Opposition, die sich bisher nur durch konsequentes Nein-Sagen ausgezeichnet hat, hat in ihrer Regierungszeit ebenfalls ganz wesentlich zur Anhäufung des immensen Schuldenberges beigetragen.

"Müssen entscheiden, was sie wollen"
"Die politische Kultur in Griechenland müsste um 180 Grad geändert werden", erklärt Kanzler Faymann. Funktionierende Steuer-, Grundbuch- und Kontrollsysteme einzuführen, würde einen völligen Wandel bedeuten. "Aber dazu müssen ein Land und seine Politiker erst einmal bereit sein", so Faymann. "Die Griechen müssen entscheiden, was sie wollen."

Faymann gegen "Schönfärberei"
Und von dieser Entscheidung hänge ab, ob Griechenland im Euro-Raum bleiben werde oder nicht. Faymann: "Augenzwinkern und diplomatische Schönfärberei gibt es nicht mehr." Auch Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel ist überzeugt davon, dass die Krise noch sehr lange nicht ausgestanden sein wird. "Es wird zehn Jahre dauern, bis Europa wieder besser dasteht", sagt sie.

Von der so notwendigen politischen Geschlossenheit kann in Griechenland allerdings bis jetzt keine Rede sein. Premier Papandreou hat zwar beim Staatspräsidenten vorgesprochen und für eine Einheitsregierung plädiert, die übrigen Parteien im Parlament haben ihm aber zumindest vorerst die Gefolgschaft versagt. Sie wollen so rasch wie möglich Neuwahlen (siehe Infobox).

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